Kreis Germersheim
Steinweiler: Kapelle als Stimmungsmacher gesucht
Die Musik war bisher etwas kurz gekommen. Deshalb wurden in Steinweiler im Jahr 1969 Musiker für eine Kapelle gesucht. Mit Erfolg: Am 7. und 8. September feiert der Verein ein halbes Jahrhundert Bestehen.
Steinweiler. So einen „richtigen Stimmungsmacher“ hatte man seit langem vermisst. Zwar gab es schon genügend Vereine, die das kulturelle Leben des Dorfes bereicherten, doch die „Musik“ war bisher etwas kurz gekommen. Und wenn man sich in der Umgebung umschaute, dann konnte man schon etwas neidisch werden, wenn die Blaskapellen zur Unterhaltung aufspielten, Feste umrahmten. Nun, zur 1000-Jahrfeier sollte es nicht mehr reichen, aber ein Jahr später, 1969, war es dann soweit. Nach vielen Vorgesprächen, an denen auch Männer wie Fritz Becker, Werner Winstel oder der damalige Ortspfarrer Helmut Sprenger beteiligt waren, kam es am 14. September 1969 zur Gründung des Musikvereins Steinweiler.
Aufruf im Pfarrblatt
Das war möglich, weil sich auf einen Aufruf im Pfarrblatt hin immerhin 21 Interessenten aus Steinweiler und Rohrbach gemeldet hatten, die ein Instrument spielen konnten oder sich für eine Ausbildung interessierten. Und auch der erste Dirigent war gewonnen. Es handelte sich um den damaligen Leiter der Stadtkapelle Landau, Jacob Winstel, nicht nur ein begnadeter Musiker, sondern auch ein glänzender Organisator. „Er verstand es, die Jugend zu begeistern und ihnen über ihre Anfangsschwierigkeiten spielerisch hinwegzuhelfen“, heißt es in der Festchronik zum 25jährigen Bestehen. Tatkräftig unterstützt wurde Winstel auch von Eduard Lederer aus Kandel, so dass der Kapelle schon an Weihnachten 1969 ein erster öffentlicher Auftritt gelang.
Erhard Mathes hatte sich als Gründungsvorsitzender zur Verfügung gestellt, nach ihm führten Eugen Gensheimer, Wolfgang Joos und ganz lange auch Horst Bohlender den Musikverein. Klaus Knoll übernahm dessen Leitung im Jubiläumsjahr 1994 und blieb fast 20 Jahre lang für die Geschicke des Musikvereins verantwortlich. Sein Nachfolger wurde Jens Pfalzgraf, dessen Nachfolge 2018 ein „Triumvirat“ antrat.
Seitdem ist Teamarbeit gefragt zwischen dem „Urgestein“ Peter Lederer (Organisation), Julia Pfirrmann (Kommunikation) und Rolf Keiber (Finanzen und Wirtschaft). Eine Führungsstruktur, wie sie zwischenzeitlich auch in anderen Vereinen angekommen ist, soll helfen, die vielfältigen Aufgaben in der Vereinsführung besser zu bewältigen, wie die Vorstandsmitglieder erläutern. Mittwochs ist Musikstunde!
Auf die Jugend wird gesetzt
Zunächst für die Jugendkapelle, auf die man stolz ist und die zurzeit von Lisa-Sophie Kuhn, Annkatrin Kuhn, Johanna Kammann und Lea Schultz betreut wird. Ihr gehörten schon viele Musiker an, die heute in der aktiven Kapelle mitspielen. Reinhard Kehr etwa, der aktuelle Dirigent, kommt auch aus der eigenen Jugendausbildung. Er beweise ein glückliches Händchen, im Umgang mit den Musikern wie bei der Auswahl der Literatur, mit der die Kapelle ihre Zuhörer erfreut. Und das nicht nur ein- oder zweimal im Jahr. Sie bereichern örtliche Veranstaltungen und sind aus dem dörflichen Leben gar nicht mehr wegzudenken, wie man erst im vergangenen „Jubiläumsjahr zum 1050. Geburtstag“ der Gemeinde feststellen durfte.
Theatergruppe fester Bestandteil
Dies gilt aber auch für die Aktiven der Theatergruppe, die es schon von Anfang an gibt. Spielte man früher vor allem zu den Weihnachtsfeiern, so fanden schon bald eigenständige Theaterabende statt, die bis heute von ihrer Anziehungskraft nichts verloren haben. 50 Jahre sind wie im Fluge vergangen. Heute gilt es, die Zukunft zu sichern. Mussten die Musiker zu Beginn noch mehr oder minder als „Autodidakten“ die Instrumente kennenlernen, so wird heute doch viel Wert auf eine grundständige Ausbildung gelegt, sagt Jens Pfalzgraf.
Hier hilft die Musikschule, die der Kreismusikverband in Jockgrim unterhält. Anzutreffen ist der Verein im Hof von Klaus Sommer in der Kreuzgasse bei den „Historischen Dorffesten“, hier feiert er auch seinen 50. Geburtstag.
Arno Nau und Peter Lederer, beide Musiker der „ersten Stunde“, sind mit der heutigen Situation des Vereins ganz gut zufrieden. Man habe einen eigenen Raum im Bürgerhaus, in dem die Instrumente, Noten und sonstige Dinge aufbewahrt werden können, im Vereinsraum finden die Proben statt. Vielleicht bräuchte man noch einige Nachwuchsmusiker, die sich für das „tiefe Blech“, die Tuba etwa, interessieren, aber derzeit seien alle Register ganz gut besetzt. Die Musiker kommen auch aus der Umgebung und nehmen, nach einem Umzug, auch die Fahrt zur Musikstunde gerne in Kauf. Man sorge nämlich nicht nur für die gute Stimmung anderer, so ist zu hören. Diese sei in den Kapellen auch selbst zu spüren.
Das Festprogramm
Der Musikverein Steinweiler, am 14. September 1969 gegründet, hat seine Jubiläumsfeierlichkeiten eng an dieses Gründungsdatum gelegt. So wird am 7. und 8. September im Anwesen von Klaus Sommer Kreuzgasse 16 gefeiert. Es ist der Hof, in dem der Musikverein bei den Dorffesten anzutreffen ist. Festbeginn ist am Samstag, 7. September, 19.30 Uhr, mit einem Festbankett. Der Hof ist ab 18 Uhr geöffnet, nach dem Festbankett unterhält die Kultuskapelle Hayna. Sonntags gehen die Jubiläumsfeierlichkeiten weiter. Den Auftakt beim Frühschoppen macht die Jugendkapelle Steinweiler, ehe dann die Kapellen Steinfeld, Scheibenhardt und Zeiskam für Unterhaltung sorgen. Highlight und Festabschluss zugleich ist der große Zapfenstreich vor der evangelischen Kirche ab 20.30 Uhr. Dieser wird vom Musikverein Steinweiler mit Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr und dem Fanfarenzug aus Jockgrim durchgeführt. fh