Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Steinweiler: Funkstille im Kirchturm

Die Sendeanlage im Kirchturm ist kaputt. Reparatur womöglich erst im September. Foto: Iversen
Die Sendeanlage im Kirchturm ist kaputt. Reparatur womöglich erst im September.

Ob es in dieser Nacht 13 schlug, ist nicht bekannt. Sicher ist allerdings, dass in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni bei einem Gewitter der Blitz in den altehrwürdigen Turm der protestantischen Kirche herniederging. Das Gemäuer widerstand, aber der darin befindliche Funkmast der Deutschen Telekom nicht.

Seither herrscht im D1-Netz über Steinweiler buchstäblich Funkstille. Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Ortsgemeinderat Norbert Kauber ist sauer: „Wenn der Wind günstig steht, hat man im Ort vielleicht noch Richtung Kandel Glück. Ansonsten gehen nur noch die Notrufe!“

Die Telekom wiederum bestätigt, dass „durch einen Blitzeinschlag die Klimatechnik an unserem Standort in der Kreuzgasse ausgefallen“ ist und daher die „dortige Mobilfunktechnik abgeschaltet“ wurde. Kauber: „Als Nutzer des D1-Netzes denkt man sich, so was kommt vor, die werden das ja bald repariert haben. Inzwischen sind fast zwei Wochen vergangen und es hat sich noch nichts getan.“ Auch der südpfälzische Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär Thomas Gebhart (CDU) hat sich eingeschaltet und fordert die Telekom dazu auf, „sich kurzfristig um die Wiederherstellung ihres Mobilfunknetzes im Bereich der Gemeinde Steinweiler zu kümmern.“ In seinem Schreiben bezieht er sich, wie Knauber, auf eine nach Anfrage von Bürgern geäußerte Mitteilung der Telekom, „dass die Reparatur noch Monate dauern werde. Ursprünglich sollte das Mobilfunknetz nach einigen Tagen wieder aufgebaut sein.“

Reparatur erst im September

Laut Knauber sei ein Feuerwehrkamerad der schmalen Informationen der Hotline müde geworden und nach Landau in einen Telekom-Shop gegangen. Das Resultat war erstaunlich. Hatte die Callcenter-Mitarbeiter anfänglich noch von mehreren Tagen und dann Wochen gesprochen, erhielt der Mann in Landau dann die sagenhafte Auskunft, dass die Reparatur erst im September erfolgen würde. Knauber: „Wen es nicht so traurig wäre, dann müsste man lachen.“ Von Heiterkeit ist auch bei der Telekom nichts zu bemerken. Auf eine verbindliche Aussage festlegen kann man sich dort aber ebenfalls nicht. „Eine von uns beauftragte, externe Firma behandelt die Störungsbeseitigung mit hoher Priorität. Leider konnten sie bis jetzt noch nicht sagen, wann das Problem gelöst sein wird. Deshalb ist uns auch von einem Termin im September nichts bekannt.“

Die Folgen der andauernden Funkstille schätzt Kauber für viele Kunden der Telekom als erheblich ein. „Viele von denen haben bestimmt einen LTE-Vertrag, sodass sie noch nicht einmal mehr einen Festnetzanschluss haben. Bei denen ist jetzt Ende Gelände und die Leitung völlig tot. Dazu kommen junge Leute, bei denen ohnehin alles über das Handy geht. Die sehen jetzt richtig schlecht aus!“ So richten sich die Blicke von so manchem Steinfelder, wie seit Jahrhunderten, auf ihren Kirchturm. Denn die Stunde muss ja irgendwann schlagen, dass alles Gute wieder von oben kommt.

x