Südpfalz
Sperrung: Zwischen Kandel und Landau fährt neun Wochen lang kein Zug
Im Sommer fährt zwischen Kandel und Landau neun Wochen lang kein Zug. Der Grund: Von Ende Juli bis Ende September sollen neue Kabel gezogen werden. Damit werde die Bahn den Bau neuer elektrischer Stellwerke in Winden und Kandel vorbereiten, so Fritz Engbarth, Sprecher des Zweckverbands „Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd“ (ZÖPNV Süd). Gearbeitet wird entlang der Gleise jeweils von Winden bis nach Landau, Kandel und Schaidt. Kurze Sperrungen werde es außerdem schon vorher und danach nachts sowie an Wochenenden geben. „Dann fahren einzelne Züge nicht“, so Engbarth.
Bis ins Jahr 2030 hinein wird es weitere Sperrungen geben.
Mitgebracht hat Engbarth diese Nachricht von einem Gespräch mit Vertretern der Bahn am Freitag in Karlsruhe. „Ganz am Beginn war geplant, sieben Monate zu sperren“, erzählt er: „Da sind wir auf die Barrikaden gegangen.“ Die Sperrung im Sommer ist aber erst der Anfang. „Bis ins Jahr 2030 hinein wird es weitere Sperrungen geben“, so Engbarth. Der Grund: Eine ganze Reihe von Sanierungen und Erneuerungen. „Die Bahn nimmt da richtig viel Geld in die Hand“, sagt Engbarth.
Der Fünf-Punkte-Plan für die Südpfalz
Die Liste der Bahn-Vorhaben in der Südpfalz umfasst fünf Punkte: Die Einbau elektronischer Stellwerke in den Bahnhöfen Winden und Kandel; zuletzt wurde 2022 in Wörth das Stellwerk aus den 1930er-Jahren durch ein modernes ersetzt.
Eine Streckensanierung ist südlich von Landau fällig: Hier werden Schotter, Schwellen und Schienen ausgetauscht. Eine Reihe von Bahnstationen soll saniert werden: Insheim, Rohrbach, Edenkoben, Essingen und Knörringen.
Oberleitungsinseln sollen gebaut werden in den Bahnhöfen Winden und Landau. Sie werden benötigt, damit die Akku-Züge ihre Batterien aufladen können. Diese Züge sollen unter anderem zwischen Winden – Bad Bergzabern und Landau – Pirmasens verkehren.
Bei den Dachsbauten, die die Bahndämme untergraben, liege der Schwerpunkt südlich von Landau, so Engbarth. Unterhöhlt sei auch ein Abschnitt südlich von Winden Die Organisation und Koordinierung dieser Arbeiten sei eine komplexe Angelegenheit, so Engbarth. Eine Frage laute beispielsweise: „Welche Gewerke kann man zusammen machen, ohne dass sie sich stören?“ Bei der Sanierung der Dachs-Schäden käme hinzu, dass es nur zwei Firmen gibt, die diese Arbeiten überhaupt durchführen können. Soll heißen: Es muss unter Umständen saniert werden, wenn die Firma Zeit hat und nicht, wenn es am besten in den Plan passen würde.
Eine Rolle spielten auch große Veranstaltungen, wie zum Beispiel die Landesgartenschau in Neustadt, die von 2027 auf 2028 verschoben wurde – was Folgen für die Planung hat. Berücksichtigt werden müsse auch die für 2029 geplante fünfmonatige Streckensperrung zwischen Kaiserslautern und Ludwigshafen. Denn in dieser Zeit müsse ein Zug von Neustadt zu einem ICE-Bahnhof fahren, in diesem Fall nach Karlsruhe.
Harte Diskussionen zwischen ZÖPNV und Bahn
Der Verweis auf die Schwierigkeiten, die zu bewältigen sind, deutet an, dass ZÖPNV Süd und die Bahn sich nach harten Diskussionen annähern. Bei der Verbandsversammlung des Zweckverbands im Dezember 2025 war der Ton noch ein ganz anderer. Dort wurde der DB InfraGO vorgeworfen, sie beschädige „massiv die Qualität des Regionalverkehrs“. Die Baustellenplanung in einem Großteil des Netzes sei „chaotisch“. Sie nehme keine Rücksicht auf die Reiseketten der Kunden. „So werden jahrelange Marketingbemühungen zunichtegemacht und der einst gute Ruf des Rheinland-Pfalz-Taktes massiv beschädigt“, so die Bilanz des ZÖPNV Süd. Ein Beleg: Die Bahn habe selbst festgestellt, das Ersatzverkehre mit Bussen von durchschnittlich 60 Prozent der Reisenden gemieden werden. Diese dürften stattdessen auf das Auto umsteigen -–und womöglich dabei bleiben.
Kritisiert wurde auch, dass die Bahn nicht mehr regional verankert sei. Die Folge: Großveranstaltungen wie der Bad Dürkheimer Wurstmarkt werden zu oft mit Baustellen überplant. „Diese müssen dann – sofern das überhaupt möglich ist – mit großen Druck seitens der ZÖPNV-Geschäftsstelle auf andere Termine weggedrückt werden“, so der ZÖPNV Süd. Zudem sei es üblich geworden, dass die DB InfraGO mit „üppigen Sperrpausen ins Rennen“ gehe, monierte Ende 2025 der ZÖPNV Süd. Die seien nicht selten „vollkommen überzogen“.
Erst viel längere Sperrungen geplant
Dafür werden zwei Beispiele genannt: Der Bahnhof Landau sollte 2028 aufgrund des Baus der Oberleitungsinselanlage für die Akkuzüge sechs Monate voll gesperrt werden. Nach massiver Intervention des Zweckverbandes seien hiervon nur noch neun Tage Vollsperrung mit ergänzenden Teilsperrungen übrig geblieben.
Für die im Sommer geplanten neuen Kabel sollten ursprünglich die Streckenabschnitte Landau-Winden-Kandel, Winden-Bad Bergzabern und Winden-Wissembourg für sieben, dann fünfeinhalb Monate auf Schienenersatzverkehr umgestellt werden. Nach der Intervention des Zweckverbandes waren es – Stand Ende 2025 – nur noch dreieinhalb Monate. Nach den Gesprächen am Freitag sind es jetzt noch knapp zwei Monate.
Keine konkreten Informationen gibt es darüber, was das alles kostet. Eine Bahnsprecherin versicherte gegenüber der RHEINPFALZ vor allem, dass die Bahn alles tun werde, um die Belastung für die Fahrgäste „möglichst gering“ zu halten. Aber ohne Ersatzverkehre mit Bussen seien die Sanierungen und Ausbauten nicht möglich. Zu den Kosten konnte sie noch keine Angaben machen: Dafür sei es noch zu früh. Die Summen dürften aber beträchtlich sein. Unter Experten ist nach Informationen der RHEINPFALZ allein für die Sanierung der Dachsschäden von rund 250 Millionen Euro die Rede.
