Sparen mit der RHEINPFALZ
Sparsam kochen kostet Zeit
„Es erfordert auch für mich noch viel Überlegung, obwohl ich mich mein Leben lang damit beschäftige“, sagt Waltraut Rosenberger im RHEINPFALZ-Gespräch. Sie hat 39 Jahre lang an der Berufsbildenden Schule (BBS) in Germersheim Hauswirtschaft unterrichtet und weiß: Gute und sparsame Ernährung braucht Vorbereitungszeit. Und die beginnt vor dem Einkauf. Das A und O sind ein Wochenspeiseplan und eine Einkaufsliste, um nicht „planlos durch den Supermarkt zu gehen“. Die Neupotzerin rät dazu, vorab Vorräte und Angebote zu prüfen und keinesfalls hungrig aufzubrechen, um unnötigen Verlockungen zu widerstehen. Gemüse sollte saisonal gekauft werden – im Winter beispielsweise günstigen Kohl statt teure Tomaten. Kurz vor Ladenschluss senken die Märkte zudem häufig die Preise für Frischwaren. Zutaten für einen leckeren Salat wachsen im Frühling auch auf der Wiese, etwa Löwenzahn oder Hühnerdarm, sagt Waltraut Rosenberger.
Günstig sei in der Regel alles, was nicht stark verarbeitet ist. Auch deshalb ist es keine gute Idee, das Essen von Heute auf Morgen zu planen. Dann greift man schnell mal zu Fertigprodukten. Und die sind immer teurer, sagt Waltraut Rosenberger. Es müssen auch nicht immer Markenartikel sein, die in Augenhöhe des Verbrauchers im Regal steht. „Bückwaren“ im unteren Bereich seien billiger, aber nicht schlechter. Wichtig sei zudem, Preise und Packungsgrößen zu vergleichen. Auch das koste allerdings Zeit. Und eine Großpackung sei im Endeffekt nur günstiger, wenn der Inhalt wirklich aufgebraucht wird, sagt die pensionierte Lehrerin.
Mit Umluft sparen
Bei der Zubereitung gilt: „Mechanisch statt elektrisch“. Um Gemüse zu zerkleinern, reiche beispielsweise ein Hobel oder ein Spiralschneider, die im Gegensatz zum Elektrogerät keinen Strom verbrauchen. Mit einfachen Kniffen lässt sich auch sonst Energie in der Küche sparen. Der Backofen sollte immer voll ausgelastet sein und müsse bei Umluft nicht vorgeheizt werden, erläutert Waltraut Rosenberger. Unter die Pizza auf dem Blech passe dann noch ein Auflauf, den man einfrieren oder am nächsten Tag essen kann. „Mit Umluft spare ich im Grunde immer“, sagt sie. Günstiger als Kurzbraten und Schmoren sei Dünsten und Kochen. Denn „je höher die Temperatur, desto teurer ist der Garvorgang.“
Eine Faustregel für sparsame Zubereitung sei größere Portionen zu kochen oder zu backen. „Aus Nudeln kann man viel machen und am nächsten Tag verbrauchen.“ Damit wird nicht nur Energie, sondern auch Zeit gespart. Dabei köcheln die Nudeln in Rosenbergers Küche nicht ewig vor sich hin. Wenn der Kochpunkt erreicht ist, schaltet sie den Herd direkt aus. Auch Kartoffeln und Reis seien eine günstige Grundlage für viele Gerichte. Und Fleischrezepte könne man leicht strecken, ein Gulasch etwa mit Möhren. Ihren Fleischkonsum versucht die Neupotzerin auf ein Minimum zu reduzieren: „Das tut der Umwelt, der Gesundheit und dem Geldbeutel gut.“
Ran an die Reste
Genauso wichtig wie vorzukochen ist auch, die Reste zu verwerten. Der Strunk von Blumenkohl oder die Karottenschale wandert bei der Neupotzerin nicht in den Abfall, sondern wird zu Brühe verarbeitet. Natürlich weiß die Hauswirtschafterin, dass nicht jeder beim Blick auf Reste im Kühlschrank sofort ein Tischleindeckdich parat hat. Hier können Rezeptideen für Fleisch-, Brot- oder Nudelreste aus dem Internet helfen. Apropos Kühlschrank-Blick: Ist der Kühlschrank übervoll, verliert man schnell die Übersicht. „Dann stehe ich da und schaue erstmal eine Weile rein.“ Je länger und häufiger die Tür offen ist, umso mehr Energie geht verloren. Wer in seinem Kühlschrank ein klares Ordnungssystem einführt, spare Kosten. Hier müssen zudem keine Tiefsttemperaturen herrschen: „Acht Grad reichen“, meint Waltraut Rosenberger. Wer Speisen nicht monatelang einfriert, könne außerdem den Tiefkühler auf minus 15 Grad einstellen. Wenn möglich, sollten beide Geräte nicht neben dem Backofen oder dem Herd stehen, die Hitze abgeben. Und wer Platz auf dem Balkon oder der Terrasse habe, könne diese im Winter als „Außenkühlschrank“ benutzen, um Energie zu sparen. Weitere Tipps: Nicht andauernd den Deckel vom Topf abnehmen und Resthitze des Kochfelds ausnutzen.
Schulbrote abends richten
Waltraut Rosenberger weiß, dass nicht jeder der „ländlichen Hauswirtschaft“ so nahe steht wie sie selbst, in der sie als junge Frau gelernt hat. Dass der Alltag guten Vorsätzen häufig ein Schnippchen schlägt, die Zeit in vielen Familien knapp ist und sich nicht immer alles perfekt umsetzen lässt. „Ich kann den Haushalt nicht einer Person überlassen“, sagt sie. Wenn sich eine Familie gesund ernähren möchte, sollten alle irgendwie mithelfen. Gerade Kinder hätten als Küchenhelfer ihre Freude – vielleicht auch beim Schulbrote richten. Denn das klassische Pausenbrot sei deutlich günstiger und wohl auch gesünder als der Snack vom Discounter. Es muss nicht erst in der morgendlichen Hektik zubereitet, sondern kann schon abends in den Kühlschrank gelegt werden.
Ein Kontobuch führen
Eins steht für Waltraut Rosenberger über allem: „Sie müssen immer ein Kontobuch führen.“ So sehe sie Woche für Woche, „wo das Geld geblieben ist und wo ich besser hätte haushalten können“. Gleichzeitig führt sie sich immer vor Augen, dass sparsames Wirtschaften auch die Umwelt schützt. Dann falle manches leichter. „Wir sind am Scheideweg“, sagt die Neupotzerin. „Wir sind die Verursacher der Klimakrise, weil wir zu luxuriös leben.“ Sie schließt sich da mit ein. „Die Umstellung fällt uns allen schwer. Aber dieses Leben können wir nicht weiterleben, weil es der Planet nicht zulässt.“