Kommentar Shitstorm nach Artikel: So viel Hass

Soziale Medien werden gerne für Stimmungsmache genutzt.
Soziale Medien werden gerne für Stimmungsmache genutzt.

Ein kleiner Zeitungsartikel führt zu einem großen Shitstorm. Das ist nur ein Beispiel für eine gefährliche Entwicklung in der Gesellschaft.

Was ist aus unserem Land geworden? Eine Frage, die gerne suggestiv von rechter Seite gestellt wird, um dann viele einfache Antworten zu geben, deren Kern zum Beispiel lautet: „die“ Ausländer sind schuld, „die“ Migranten kosten uns zu viel. Das klassische Sündenbockmodell.

Keine zehn Tage ist es her, dass die AfD bei der Europawahl, aber auch im Landkreis hohe Zugewinne verzeichnen konnte. Doch Wählerbeschimpfung hilft nicht, die etablierten Parteien sollten sich besser fragen, welche Sorgen sie nicht gehört haben. Die AfD zu ignorieren oder zu dämonisieren hilft übrigens auch nicht, das haben die vergangenen Jahre gezeigt.

Was man aber festhalten kann: Die rechte Saat geht auf. Egal ob Frauenverachtung im Bundestag oder blanker Hass in den sozialen Medien – es herrscht ein Ton vor, den man sich vor einigen Jahren nicht vorstellen konnte. Was ist nur aus diesem Land geworden?

In Schweden, gerne als Musterdemokratie bezeichnet, kann man gerade beobachten, wie schnell es gehen kann, dass soziale Netzwerke gezielt von rechts unterwandert werden. Wie die Glaubwürdigkeit von Medien konsequent torpediert wird, wie anonyme Fake-Accounts versuchen, die Stimmung im Netz zu drehen.

Weit weg? Sicher nicht. Am Wochenende hat ein kleiner Artikel über einen Friseursalon, den ein gebürtiger Syrer eröffnet, ausgereicht, um einen Shitstorm loszutreten. Wenn über Nacht Fensterscheiben eines Ladens eines mutmaßlichen „Ausländers“ verklebt werden, wenn ein Geschäftsmann mit anonymen Drohungen überzogen wird, weil die Herkunft irgendjemandem nicht passt, muss man ganz laut fragen: Was ist aus diesem Land geworden?

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