Südpfalz / Karlsruhe
Südpfalz Technika will junge Leute für Technik begeistern
Alle Grundschulen der Verbandsgemeinde Kandel sind nun mit Fischer-Technik-Baukästen ausgestattet, sagte Verbandsbürgermeister Mike Schönlaub. Zuletzt war in der vergangenen Woche die Grundschule in Freckenfeld an der Reihe. Übergeben wurden Schulleiterin Julia Mayer und den Viertklässlern 15 Baukästen mit insgesamt 20.000 Teilen, 400 verschiedene, im Wert von 3000 Euro. Die Spenden überreichte Volker Bentz, Geschäftsführer der Firma Brandmauer IT in Bellheim und Initiator der Südpfalz Technika Initiative. Er hat bereits an zahlreichen anderen Orten in der Südpfalz Schulen solche Baukästen überreicht, zum Beispiel in Bellheim, Lambrecht, Lustadt und Lingenfeld.
Ziel der Initiative ist, so Bentz, die frühkindliche Förderung sowie die Vorbereitung von Kindern auf technische Berufe, was auch ein Anliegen Schönlaubs beziehungsweise der Verbandsgemeinde als Träger ist, der das Projekt auch finanziell unterstützt. Es gelte, Grundschüler spielerisch an technische Zusammenhänge heranzuführen und ihr Interesse für Technik und naturwissenschaftliche Themen zu wecken. Mindestens einmal pro Woche sollen sie sich mit dem Thema befassen, sagte Bentz. Durch den Einsatz der Baukästen sollen Schülerinnen und Schüler aber nicht nur erste technische Grundkenntnisse erwerben. Ferner würden Kompetenzen wie Teamarbeit, Kreativität, Neugier, Problemlösungsfähigkeit, Freude am Ausprobieren sowie selbstständiges Arbeiten gefördert.
Auf mehreren Bildungsebenen
Seine Initiative setzt auf mehreren Bildungsebenen an, so Bentz. Von Grundschulen mit altersgerechten Baukastensystemen über weiterführende Schulen mit Roboter- und Technik-Wettbewerben bis hin zu eigenen Technika-Studiengängen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Zudem bestehe die Möglichkeit zu zahlreichen Kontakten innerhalb des Netzwerks. Bentz weist darauf hin, dass die Ursprünge seiner Initiative auf der badischen Rheinseite zu suchen sind, wo es seit Jahren die Technika Initiative Karlsruhe gibt, die er in die Pfalz tragen wollte. Hervorgegangen sei die Karlsruher Initiative aus dem dortigen Cyberforum. Diese ehrenamtliche Initiative liege im bundesweiten Vergleich ganz weit vorne, vergleichbar mit Berlin und München.
Laut Bentz bieten die Initiativen, in denen er Mitglied ist, auch Unternehmen gute Chancen, nicht zuletzt jungen Unternehmen, sogenannten Start ups. Schließlich ermöglichten es die Netzwerke, Kunden Lösungen aus einer Hand anzubieten, Probleme, die man nicht allein lösen könne, mit Hilfe eines darauf spezialisierten Netzwerkspartners zu lösen.
Eigentlich kein Spielzeug
Beim Cyberforum handelt es sich um ein bundesweites Netzwerk mit rund 2000 Mitgliedern – Hightech-Unternehmen, sagte Joerg Torkler. Er koordiniert beim Cyberforum die sogenannten MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Nach seinen Angaben wurden bisher 210 Schulen im südwestdeutschen Raum mit den Fischertechnik-Baukästen ausgestattet, davon zwölf im vergangenen Jahr. Wobei Umfang und Ausstattung der Baukästen je nach Jahrgangsstufe ebenso variiere wie deren Wert. Die Baukästen für weiterführende Schulen kosteten 3900 Euro. Darin seien dann Sensoren, Robotikelemente und Softwareunterstützung enthalten; Computerprogramme sollen auch geschrieben werden. Insofern ist das laut Torkler eigentlich auch kein Spielzeug, weil selbst Ingenieure die Baukästen für ihre professionellen Zwecke nutzten.
Obwohl die Freckenfelder Schulkinder, nachdem ein Teil der Baukästen ausgepackt war, die ersten Bauteile sogleich unter die Lupe nahmen, wird es noch einige Zeit dauern, bis sie im Unterricht eingesetzt werden, sagte Mayer. So werden die Kinder derzeit noch in Containern unterrichtet, weil das auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehende Schulhaus saniert wird. Doch laut Schönlaub soll der Umzug in Kürze stattfinden, am Fasnachtswochenende Mitte Februar.
Bentz weist darauf hin, dass seine Initiative Ausdruck des sozialen Engagements der Brandmauer IT ist. Ziel sei es, pro Jahr ein, zwei Schulen auszustatten. Teilweise bezahle er die Ausstattung komplett, teilweise mit Unterstützung von Förderern. Solche suche er noch, weil er mehr Anfragen von Schulen nach der Ausstattung mit Baukästen habe, als er bedienen könne.