Rülzheim RHEINPFALZ Plus Artikel Radshop schließt noch vor der Sommersaison

Wieder aufgeräumt! Das Schaufenster, das beim Einbruch zerstört wurde, ist mit Blechplatten verschlossen.
Wieder aufgeräumt! Das Schaufenster, das beim Einbruch zerstört wurde, ist mit Blechplatten verschlossen.

Der Radshop Seither schließt nach fast 39 Jahren. Grund ist nicht der Einbruch vor wenigen Wochen, sondern einer, der in vielen Bereichen immer offenkundiger wird.

Erik Seither sitzt auf dem grauen Regiestuhl im hinteren Bereich seines Radshops, die Hände ineinander gefaltet, und man sieht ihm an, dass es ihm nicht leichtfällt, über die anstehende Schließung zu sprechen. „Es ist der Personalmangel, der mich zu diesem Schritt zwingt“, sagt der 48-Jährige. Eine Mitarbeiterin im Verkauf, einen Teilzeitbeschäftigten in der Werkstatt sowie Aushilfen und er selbst halten seit Wochen das Radfachgeschäft am Laufen. „Wir sind jetzt schon mit den Terminen im Mai“, sagt der Inhaber zu anstehenden Reparaturen oder Serviceleistungen. Was ist, „wenn die Saison losgeht? Wird der platte Reifen dann im Dezember repariert?“, wirft Erik Seither die Frage in den Raum. Das wolle er nicht. „Ich mach was richtig, oder gar nicht“, sagt Seither. Aus dem Grund „habe ich den Entschluss gefasst, Ende Mai zu schließen“.

Erik Seither hat nicht nur mit den Folgen des Einbruchs zu kämpfen.
Erik Seither hat nicht nur mit den Folgen des Einbruchs zu kämpfen.

Benötigt werden dem Firmeninhaber zufolge drei Vollzeitkräfte für die Werkstatt. Besetzt sei diese seit Monaten jedoch nur mit einer Person, die Teilzeit arbeitet. Im November und im Januar seien zwei Stellen weggefallen – eine davon sei im November und Dezember eingelernt worden. Der Mitarbeiter habe dann aber eine andere Arbeitsstelle angetreten. „Ich habe über die Agentur für Arbeit, Jobbörsen und Einkaufsverbände alles versucht“, sagt Seither. Weiter habe er über Meisterschulen, Leiharbeitsfirmen und soziale Medien per Reel (Video) nach Mitarbeitern gesucht. „Über 100.000 Mal wurde das Reel gesehen“, sagt Erik Seither. „Nicht eine Bewerbung habe ich bekommen.“ Zur Verdeutlichung hebt er eine Hand und macht sie zur Faust. Kein Finger steht ab. Für die anstehende Saison benötige er mindestens zwei neue Mitarbeiter, besser wären drei. Dann könnte es weitergehen. Seither hatte sich eigenen Angaben zufolge eine Frist gesetzt. Als diese verstrichen war, habe er die Schließung verkündet. Öffentlich wurde es auf seiner Homepage am Wochenende und per Aushang an der Ladentür.

Radbesitzer können sich vermessen und ihr Fahrrad exakt auf ihre Bedürfnisse einstellen lassen.
Radbesitzer können sich vermessen und ihr Fahrrad exakt auf ihre Bedürfnisse einstellen lassen.

Wie geht es für den Firmeninhaber weiter? „Das weiß ich nicht. Ich habe keinen Job in Aussicht“, sagt Erik Seither. Viele Händler, teilweise welche, die er gar nicht kannte, haben sich gemeldet. „Viele erzählen, dass sie selbst seit Jahren Personal suchen“, sagt der Rülzheimer. Dass Radgeschäfte aufgrund des Personalmangels überlastet sind, merkt man Seither zufolge auch daran, dass sie keine „Fremdfahrräder“ annehmen. Das werde gemacht, um den eigenen Kunden noch Service anbieten zu können.

Fahrräder werden immer hochwertiger.
Fahrräder werden immer hochwertiger.

Mehrere Kunden laufen während des Gesprächs zwischen den Rädern umher und schauen sich um. Räder verschiedener Preisklassen und Ausführungen stehen wieder fein säuberlich nebeneinander aufgereiht. Auf den Einbruch vom frühen Freitagmorgen, 20. Februar, weist nur noch das fehlende Schaufenster hin, das außen mit einer Metallplatte und im Gebäudeinneren mit einer Holzplatte verschlossen ist. „Das war das i-Tüpfelchen“, sagt Seither zum Einbruch. Den Sachschaden beziffern er beziehungsweise die Versicherungen inzwischen auf rund 100.000 Euro – für den Gebäudeschaden, die entwendeten und beschädigten Fahrräder. Denn mit einem Transporter wurde das Schaufenster eingedrückt und dabei sind auch einige Fahrräder umgestoßen worden.

Blick in den Verkaufsraum des Radshops.
Blick in den Verkaufsraum des Radshops.

Derzeit beginnt in dem 1987 durch seine Eltern gegründeten Geschäft der Abverkauf der Fahrräder. Die heutige Halle mit einer Verkaufsfläche von rund 350 Quadratmetern wurde 1999 errichtet. Auf die Frage, wie viele Fahrräder derzeit noch im Laden stehen, winkt Erik Seither ab. „Das will ich gar nicht wissen.“ Verkauft werden sollen sie alle. Ebenso das Zubehör, das im Laden ausliegt. Mit den Einkaufsverbänden sei er derzeit in Gesprächen. Weitergehen soll es Erik Seither zufolge mit dem Bikefitting – der individuellen Anpassung des Rades an den Menschen. Das liege ihm am Herzen. Es sei eine Erfüllung, wenn Menschen wieder schmerzfrei Rad fahren können. Auf der Homepage werde es demnächst eine Liste mit Adressen von Fachhändlern und Ansprechpartnern geben, für seine Kunden, damit diese ihre Räder anderweitig betreut bekommen. Dasselbe gelte für die Leasingräder wie Bikeleasing, JobRad etc.

In der Nacht nach dem Einbruch sah es im Radshop so aus.
In der Nacht nach dem Einbruch sah es im Radshop so aus.
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