Lustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Platznot im Tierheim: Wenn Tierliebe an Grenzen stößt

Tierheim-Leiterin Desiree Wabner mit einem Kätzchen auf der Quarantänestation.
Tierheim-Leiterin Desiree Wabner mit einem Kätzchen auf der Quarantänestation.

Im Tierheim geht der Platz aus. Immer mehr Tiere werden aus Verzweiflung oder Gleichgültigkeit hier abgegeben. Für kranke Katzen gibt es bald neue Räume.

Sie heißen Rosi, Bubi oder Jenna. Sie sind rot getigert, pechschwarz, bunt gefleckt oder haben graue Streifen im Fell. Einige Katzen sind noch jung und erst wenige Tage im Tierheim, andere wohnen schon länger in Lustadt. Die Mitarbeiter der Auffangstation betreuen derzeit 135 Tiere im Katzenhaus. „Wir haben ein Platzproblem“, sagt die Leiterin Desiree Wabner. Die Anzahl der Tiere, die ausgesetzt oder im Heim abgegeben werden, steige in den vergangenen Jahren an. „Die Zahlen explodieren.“ Das hat Gründe.

Ja, während der Corona-Zeit hätten sich viele Leute unüberlegt Haustiere angeschafft und wollen diese nun wieder loswerden, bestätigt Desiree Wabner ein bekanntes Problem. Aber es gebe noch einen anderen Grund: Besitzer können sich ihr Tier schlicht nicht mehr leisten. Nicht nur, weil die Inflation am Geldbeutel frisst. Auch, weil Tierärzte die Preise deutlich nach oben geschraubt haben: Ende 2022 ist bundesweit eine neue verbindliche Gebührenordnung in Kraft getreten. Praxisleistungen wurden laut Wabner teilweise bis zu 70 Prozent teurer. Vor allem Halter mit chronisch kranken Tieren kämen in Bredouille.

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Dramen spielen sich ab

Ein Stück weit versucht die Tierpflegerin Verständnis für ausweglose Lagen aufzubringen: Manchmal spielen sich Dramen ab, wenn verzweifelte Menschen ihr geliebtes Tier in Lustadt abgeben, erzählt sie. Andererseits werden Tiere auch einfach achtlos in Rucksäcken vor die Tür gestellt. „Wut und Zorn nützen mir nichts“, sagt Desiree Wabner. „Fakt ist: Die Tiere sind hier und ab jetzt beginnt ein neues Leben.“ Um dieses kümmern sich elf Mitarbeiter, davon sind sieben fest angestellt. Im Schnitt versorgen sie täglich 250 Tiere.

Katzenkinder sind leicht vermittelbar: Diese Fundkatzen aus einem Wurf sind schon reserviert.
Katzenkinder sind leicht vermittelbar: Diese Fundkatzen aus einem Wurf sind schon reserviert.
Die Boxen in der neuen Krankenstation sind bereits geliefert.
Die Boxen in der neuen Krankenstation sind bereits geliefert.
Die Tierpfleger packen beim Umbau selbst mit an.
Die Tierpfleger packen beim Umbau selbst mit an.
Warten auf ein neues Zuhause: Katzenkinder in einem Gruppenraum.
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Die Außenzimmer für die Katzen müssen umgerüstet werden.
Die Außenzimmer für die Katzen müssen umgerüstet werden.
Wenn die Katzen die Quarantänestation verlassen, leben sie in Kleingruppen zusammen.
Wenn die Katzen die Quarantänestation verlassen, leben sie in Kleingruppen zusammen.
Bubi ist ein »Straßenlkampf«-Kater mit einer Beinverletzung. Er wird lebenslang Medikamente brauchen.
Bubi ist ein „Straßenlkampf“-Kater mit einer Beinverletzung. Er wird lebenslang Medikamente brauchen.
Das Katzenhaus hat neun Innenzimmer, die die Tiere bis vor zwei Jahren über eine Klappe verlassen konnten. Die Außenzimmer müsse
Das Katzenhaus hat neun Innenzimmer, die die Tiere bis vor zwei Jahren über eine Klappe verlassen konnten. Die Außenzimmer müssen nun aber auch umgerüstet werden.

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Eine moderne Krankenstation

Zurück zur Katzenschwemme: Kommt eine Katze, weshalb auch immer, nach Lustadt, wird sie zunächst zur Beobachtung in einem von zwei Quarantänezimmern untergebracht. 16 Boxen stehen dort – sie reichen mittlerweile nicht mehr aus. Ein Riesenproblem: „Wenn ein erkranktes Tier dabei ist, ist die Ansteckungsgefahr groß.“ Deshalb soll es bald eine separate Krankenstation mit Platz für 25 Katzen geben. Ein Teil des Vogelhauses wird dafür gerade umgebaut. Die Räume haben eine eigene Futterküche und sind mit neuen Boxen mit Niesschutz ausgestattet. Die Tierpfleger erhalten Überziehkleidung. Handschuhe und Schuhwechsel sind Pflicht. Ein Luftreiniger wird installiert und ein Tauchbecken, um Futternäpfe und andere Dinge zu desinfizieren. „Es verlässt nichts den Raum – nur der Mensch und die Mülltüte.“

Desiree Wabner ist überzeugt, das die isolierte Krankenstation nicht nur Infektionen, sondern auch Tierarztkosten für die Auffangstation verringern wird. Gestemmt werden können alle Ausgaben in Lustadt nur über Spenden. Sie machen neben Mitgliedsbeiträgen, Patenschaften und Zuschüssen von Gemeinden einen Großteil der Einnahmen des Tierschutz-Vereins Terra mater aus, der das Heim betreibt. „Davon finanzieren wir auch 65 Freigänger-Katzen.“ Sie haben im Lauf der Jahre auf dem Gelände ein Zuhause gefunden, gehören quasi zum Inventar.

Hunde auf der Warteliste

Die Krankenstation ist nicht die einzige Investition, die ansteht. „Es gibt noch andere dringende Erweiterungen und Renovierungsarbeiten“, erzählt die Leiterin. Der Abwassertank müsse ausgetauscht und eine zweite Pumpe installiert werden. „Auch die bestehende Quarantänestation werden wir modernisieren.“ Ein weiteres Vorhaben hängt unmittelbar mit dem Platzmangel zusammen: Die Außenzimmer, in die die Katzen früher durch eine Klappe gelangten, werden winterfest gemacht. Hier müssen zusätzlich zu den neun Innenzimmern dauerhaft Gruppen untergebracht werden. Alles in allem kosten der Um- und Ausbau rund 80.000 Euro, obwohl viel in Eigenregie gemacht werde. Das Land steuert 34.000 Euro bei. Wabner hofft, dass die Krankenstation Ende des Jahres fertig sein wird.

Das Tierheim sei eigentlich nur für kurze Aufenthalte gedacht. Doch hier leben auch Katzen und Hunde, die kaum noch eine Chance auf eine Familie haben. So wie Ben. Der schwarze Labrador ist seit 12 Jahren in Lustadt, nachdem er sechs Mal den Besitzer gewechselt hatte. Er wird nicht mehr vermittelt, das Heim ist sein Zuhause. Für solche Tiere ist die Auffangstation auch Gnadenhof. Langzeitbewohner verschärfen wiederum die Platzproblematik. Derzeit können gar nicht alle Hunde angenommen werden, die einen Platz brauchen: „Wir haben sieben auf der Warteliste“, sagt Desiree Wabner. „Es kommen auch Leute, die gezielt ältere und kranke Tiere wollen.“ Oft komme das aber nicht vor.

Katzenkinder haben Glück. „Die Vermittlungsrate ist gut.“ Oft sind die Kitten schon reserviert, bevor sie alt genug sind, um abgegeben zu werden. Auch die Babys, die im Juli mit ihrer Mama Jenna, in einer Kiste in Wörth ausgesetzt wurden, sind mittlerweile bereit, das Heim zu verlassen.

Info

Die Tierauffangstation in Lustadt, Am Klärwerk 2, ist dienstags, mittwochs, freitags, samstags und sonntags von 14 bis 16.30 Uhr geöffnet. Kontakt unter Telefonnummer 06347 608672 oder per E-Mail an info@terra-mater-lustadt.de. Im Internet (www.terra-mater.de) werden Tiere zur Vermittlung vorgestellt.

Spenden für die Umgestaltung sind über Paypal (terra-mater.de/PayPal) oder auf folgendes Konto möglich: Terra mater Umwelt- und Tierhilfe; Betreff: Tierauffangstation Lustadt 2025; VR Bank in Holstein eG; IBAN: DE55 2219 1405 0034 9500 01

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