Neupotz / Casablanca RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Sternekoch mit Restaurant in Casablanca erfolgreich

Das Restaurant „Table 3“ in Casablanca.
Das Restaurant »Table 3« in Casablanca.

Wie geht es Kerstin und Faycal Bettioui nach dem Umzug nach Marokko? Das Gastro-Ehepaar spricht über eine neue Auszeichnung und Pläne für die „Krone“ in Neupotz.

Zirka 30 Grad in der Pfalz, etwa 30 Grad in Marokko: Beim Videogespräch mit der RHEINPFALZ sitzen Kerstin und Faycal Bettioui im schattigen Grün, in ihrem Restaurant „Table 3“. In der alten und neuen Heimat sind sie nach gut zweieinhalb Jahren gut angekommen. Zuvor hatte Familie Bettioui in Neupotz gelebt und mit feiner französischer Küche einen Michelin-Stern in das Dorf gebracht – und das vier Jahre in Folge. Doch dann zog es den Sternekoch mit internationaler Erfahrung Anfang 2023 zurück in seine Heimatstadt Casablanca.

Nachfolger im Fachwerkhaus „Krone“ war das Restaurant „Lilly“. Sous-Chef Matthis Nowak und Sommelier Stefan Echle hatten das Traditionshaus übernommen und direkt im März 2023 eröffnet. Nach einem Wasserschaden im August 2023 zogen sie nach Siebeldingen und betreiben dort das „Tischlein Deck Dich“. Nun soll es bald auch in der „Krone“ weitergehen, kündigt Kerstin Bettioui an. Das Gebäude, das sich noch in Besitz der Familie befindet, sei nach dem schweren Wasserschaden kernsaniert worden. Voraussichtlich wird es ab Ende August zum Verkauf stehen. „Wir sind langfristig hier“, sagt sie mit Blick auf das „Table 3“, daher sei ein Verkauf sinnvoller als eine erneute Verpachtung. Das Haus „soll in gute Hände kommen“, hinsichtlich der künftigen Nutzung sei man offen. „Die erste Idee wäre, dass ein Gastronom ’rein möchte“, sagt Faycal Bettioui und merkt schmunzelnd an: „Es wäre schön, wenn wir dann dort essen gehen könnten.“

Zwei neue Projekte laufen

Doch auch in Marokko gibt es neue Projekte: Ende September wird Bettioui in Casablanca ein neues Restaurant eröffnen, mit dem Schwerpunkt gesunde Küche. Während das „Table 3“ „Fine Dining“ anbietet, wird es in dem Bistro eher „Casual Dining“ geben. Mit einer anderen Karte und einer anderen Preisgestaltung wird es in einem eher touristischen Viertel von Casablanca angesiedelt sein. „Jeder Standort hat einen eigenen Stil“, erläutert Bettioui. Außerdem laufen gerade Bauarbeiten für einen Hotelneubau in Marrakesch, dort wird man das Restaurant übernehmen.

Das „Table 3“ hat sich seit seiner Eröffnung Mitte 2024 schon etabliert. Zuvor wurde das Art-Deco Gebäude im Stadtteil Anfa, etwa eine Gehminute vom Ain Diab Strand entfernt, etwa ein Jahr lang umgebaut. Zwei Einheiten im Erdgeschoss wurden verbunden, die Küche ist Teil des Gastraums und offen, damit Gäste die Zubereitungen mitverfolgen können. Nach dem historischen Fachwerkgebäude der „Krone“ habe man hier grundsätzlich den eigenen Stil einbringen können, sagen die beiden.

Ein kurzer Schwenk mit der Kamera zeigt: viel Holz, viel Design, man hat das Gefühl, im Freien zu sitzen. Auch ein begehbarer und klimatisierter Weinraum gehört dazu. Insgesamt gibt es nun Platz für 36 Gäste, zuvor konnten in der Krone 20 bis 24 Gäste bewirtet werden. Das Küchenteam besteht neben Faycal Bettioui aus zehn Köchen und Küchenhilfen und das Serviceteam besteht aus acht, inklusive dem Service Manager, Sommelier, Bartender und Empfangsdame.

Juror in einer Fernsehshow

Beide Teams halten die Stellung, wenn Faycal Bettioui auf Reisen ist. Und das ist nicht selten: Zuletzt hat er Ende Mai in Bahrain ein 4 Hands Dinner veranstaltet, ein Menu, das zwei Köche gemeinsam kreieren. Danach ging es nach Saudi Arabien, um dort als Juror bei der neuen Staffel der Reihe Top Chef – aufstrebende Köche treten gegeneinander an – für die MENA Region (Naher Osten und Nordafrika) vor der Kamera zu stehen. Regelmäßig wird er für Events im Ausland eingeladen und umgekehrt ist es ihm ebenso wichtig, Köche, unter anderem aus Deutschland, einzuladen, schildert Kerstin Bettioui.

Und es gibt schon die erste Auszeichnung. „Es hat natürlich etwas geschmerzt, den Stern in Deutschland zu lassen, als wir nach Marokko zogen“, sagten die beiden. Aber man hoffe, dass der Guide Michelin zukünftig auch im marokkanischen Markt vertreten sein, so wie dies im Mittleren Osten schon der Fall ist. Vor allem die Fußball WM in 2030 weckt in dieser Hinsicht Hoffnungen. Auf der „Liste der 50 Besten“ ist Bettioui für die Region MENA schon auf der „One to watch“-Liste gelandet und rechnet damit, kommendes Jahr fest aufgenommen zu werden.

Besucher aus der Pfalz

„Casablanca ist eine Weltstadt“, schwärmt Kerstin Bettioui. Hier haben viele Konsulate und weltweit agierende Konzerne ihren Sitz, aber auch viele Einheimische kommen in das „Table 3“. Und natürlich ehemalige Stammgäste der „Krone“, von denen schon einige nach Marokko gekommen seien. Der Name des Restaurants stammt übrigens von Bettiouis Lieblingstisch in der „Krone“ – dieser war eben der Tisch Nummer Drei.

Was vermissen die beiden nun so fern von Neupotz? „Spargel“ sagt Faycal Bettioui lachend. „Und wir vermissen die Menschen.“ Die vielen Beziehungen, die in der Krone-Zeit gewachsen seien, seien eine schöne Erfahrung gewesen. Doch nun fließt dieser Teil der Koch-Geschichte in die Karte mit ein: In der Pfalz habe es noch die Einflüsse seiner Zeit in den USA gegeben, nun haben neben den USA auch die Pfalz und die Zeit in Süddeutschland Spuren hinterlassen.

„Bärlauch gibt es auch hier im Wald“, erzählt er. Allerdings sei diese Speisepflanze in Marokko weniger bekannt. Auch gebe es zum Beispiel Pfifferlinge, die natürlich auch serviert werden. So gebe es viele Geschichten hinter den Gerichten, die dann zu Gesprächen führten, sagt er. Kompliziert wird es nur, wenn Wein aus der Ferne ausgeschenkt werden soll: „Es ist schwierig, Pfälzer Wein nach Marokko zu importieren.“

Kerstin und Faycal Bettioui beim Videotelefonat.
Kerstin und Faycal Bettioui beim Videotelefonat.
In den sozialen Medien finden sich auch Einblicke in die Speisekarte.
In den sozialen Medien finden sich auch Einblicke in die Speisekarte.
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