Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Oldtimer Club Kandel will Kulturgut Auto pflegen und erhalten

Ludwig Pfanger und seine Oldtimer: Hier mit seinem Porsche 356 und dem Ford Taunus 17 M (P2) . Foto: Iversen
Ludwig Pfanger und seine Oldtimer: Hier mit seinem Porsche 356 und dem Ford Taunus 17 M (P2) .

Vor drei Jahren wurde der Oldtimer Club Kandel gegründet und hat heute rund 50 Interessierte. Ausgangspunkt der Club-Gründung war das Jubiläum der Städtepartnerschaften Kandels mit Whitworth und Reichshoffen 2016. Gründer und Präsident ist Ludwig Pfanger, der aus eigener Erfahrung viel zu berichten weiß.

KANDEL. Was ist ein Oldtimer Club? „Es ist ein Spezialistenverein“, sagt Ludwig Pfanger. Der selbstständige Maschinenbauingenieur gründete vor drei Jahren den Oldtimer Club Kandel. Pfanger ist hier geboren und hat über die Bundesmarine und seinen Beruf buchstäblich die Welt gesehen. Zudem sitzt er seit 40 Jahren im Stadtrat. Mit diesem Blick wird aus einer „ganz, großen Leidenschaft“ eine Erzählung über den Wert von Heimat, Erinnerung und Wertschätzen. „Erst einmal muss man einen Unterschied machen zwischen Oldtimer-Besitzern und Oldtimer-Schraubern. Denn wenn man vieles nicht selbst machen kann, dann wird es schwierig und eigentlich nicht bezahlbar“, erklärt er Grundsätzliches. Er muss es wissen, weil sonst kein Fiat 124, kein Porsche 356 und erst recht kein Ford Taunus 17 M (P2) in seinem Fuhrpark stehen würde. Dazu kommen die zweirädrigen Klassiker BMW H65, ein Heinkel Roller sowie ein französisches Velosolex. Heute nennt man so ein Fahrrad mit Hilfsmotor wohl Pedelec. Im Club selbst finden sich weitere Klassiker von Mercedes bis Alfa Romeo, dazu kommen viele Traktoren oder „Lantz-Bulldogs.

Keine Designsprünge in 30 Jahren

Ausgangspunkt der Club-Gründung war das Jubiläum der Städtepartnerschaften Kandels mit Whitworth und Reichshoffen 2016, als die Freunde aus dem Elsass mit einer Oldtimer-Rallye durch Kandel begeisterten. Der OCK Club hat fast 50 Interessierte, wie sie sich nennen. Mitglieder wären es nur, wenn OCK ein Verein wäre. Sie decken die Region ab und kommen von Minfeld bis Neupotz, von Steinweiler bis Maximiliansau. Den meisten von ihnen wird es wohl wie Pfanger gehen: „Vom Design her gab es in den letzten 30 Jahren keine gravierenden Sprünge mehr. Wenn man früher einen Ford oder VW gefahren ist, dann wurde das erkannt.“ Er spricht von „künstlichem Aufbauschen“, wenn er von der Ausrüstung heutiger Autos spricht. Es gäbe viel zu viele Dinge, auf die man verzichten könne. Den ehrlichen Geruch von Diesel oder Benzin scheint er nicht zu vermissen. Vielmehr träumt er von einem Elektroauto in einer Sparausführung nur mit dem Nötigsten: „Das wäre der Renner!“

In Ente passt Bierzeltgarnitur und Getränke

Dennoch steckt bei Pfanger wohl mehr dahinter als die pure Äußerlichkeit. Seine Erinnerungen hingen halt an dem „alten Zeugs“. Der Vater war Schlosser, dessen Pritschenwagen Tempo Wiking sieht er noch heute vor sich. Oder den 2CV, seine Ente aus Studientagen. „Mit einem Griff konnte man die Rückbank herausholen“, schwärmt er: „Und was konnte man da alles reinlegen! Biertischgarnituren, Getränke und alles, was wir für eine kleine Party gebraucht haben. Der war unverwüstlich.“ Jetzt glänzen seine Augen und klingt der Sound unbeschwerter Vergangenheit heraus. Zwangsläufig muss jemand wie er mit der Gegenwart ein wenig unzufrieden sein. Man lebe in einer Wegwerfgesellschaft, klagt er. Einfach die Glühbirne wechseln sei nicht mehr drin, heute müsse man gleich die ganze Lampe austauschen. „Leute wie wir erhalten uns etwas von der guten alten Zeit, auch wenn sie nicht immer so war“, holt er sich jetzt wieder etwas ein. Dennoch betrachtet er „es als meine Aufgabe, diese alten Schätze den Jungen nahe zu bringen.“ Pfanger ist verheiratet, hat zwei Söhne und sieben Lebensjahrzehnte hinter sich: „Ich halte an der Erinnerung fest. Als Kleinkind haben Sie Eltern, die Ihnen beibringen, wie das Leben wird. Und in der Mitte des Lebens haben Sie Begleiter, die Sie fragen können. Aber jetzt gibt es kaum noch jemanden. Deshalb schaue ich gerne zurück und hole mir dort Mut für das Neue.“

Info

Termine: Samstag, 22. Juni, Weinfahrt Maikammer; Sonntag, 7. Juli, Oldtimertreffen Kandel; Sonntag, 14. Juli, Gommersheimer Oldi und Samstag, 12. Oktober, Veterama Mannheim. Weitere Infos über den Club unter www.oldtimer-club-kandel.jimdo.com.

Bei der Oldtimerausstellung in Steinweiler gab es unter anderem einen Mercedes 220 SE-B aus dem Jahr 1962 zu sehen. Foto: van
Bei der Oldtimerausstellung in Steinweiler gab es unter anderem einen Mercedes 220 SE-B aus dem Jahr 1962 zu sehen.
Bei der Steinweilerer Oldtimerausstellung war Ludwig Pfanger mit seinem Barock Engel (Ford Taunus) vor Ort.  Foto: van
Bei der Steinweilerer Oldtimerausstellung war Ludwig Pfanger mit seinem Barock Engel (Ford Taunus) vor Ort.
Der Mercedes 220 SE-B aus dem Jahr 1962 hat schöne geschwungene Formen.  Foto: van
Der Mercedes 220 SE-B aus dem Jahr 1962 hat schöne geschwungene Formen.
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