Kreis Germersheim Nur wenige Fragen beantwortet
Sieben Politiker und rund 120 Schüler des Goethe Gymnasiums Germersheim versammeln sich am Mittwoch in der Schulaula. Zwei Stunden lang wird über Themen der Europapolitik und der Innenpolitik diskutiert. Die Schüler stellen ihre Fragen persönlich und haken auch nach. Aus zeitlichen Gründen können jedoch von ungefähr 400 Fragen nur zehn beantwortet werden. Anlass der Podiumsdiskussion war der Europatag.
Das Ziel der Veranstaltung sei es gewesen, den Schülern Politik näher zu bringen, diese greifbar zu machen und sie so aktiv ins aktuelle, politische Geschehen mit einzubeziehen, wie Ann-Christine Gahn sagt. Diese Politiker stellten sich den Fragen der Schüler: Matthias Joa (AfD), Thomas Gebhart (CDU), Mario Brandenburg (FDP), Sebastian Frech (Linke), Tobias Lindner (B90/Grüne), Katrin Rehak-Nitsche (SPD) und Thomas Hitschler (SPD). Besonders wichtig war Gahn, Organisatorin und Vorsitzende des Fachbereichs für Politikwissenschaften, dass alle politische Richtungen vertreten waren. Das fand Zustimmung bei den Klassen der zehnten Stufe und dem Sozialkundeleistungskurs der elften Klasse. Betül erzählt, dass sie besonders den Streit zwischen den verschiedenen Parteien interessant fand. So beispielsweise bei der Diskussion auf die Frage von ihrem Mitschüler Wojciechs: „Was ist Deutschlands größtes Problem?“ Hierbei sieht die AfD ein Problem in der Flüchtlingspolitik und gibt an, dass diese auch der Grund für den Brexit sei, worauf es zu einem erregten Schlagabtausch kommt, an dessen Ende jeder weiterhin seine eigene Meinung zum Brexit hat. Fest steht jedoch, dass der Brexit kompliziert ist und dessen Gründe nicht verallgemeinert werden können. Weitere innenpolitische Themen der Runde waren die Digitalisierung und das Schulsystem. Beides Themen, die gerade für die Schüler interessant sind. „Die Zeit war zu kurz, es gab so viele Fragen“, bedauert die Schülerin Arlinda. Als europapolitisches Thema interessiert es Luca zum Beispiel, was die Parteien von Macrons Vorschlag zu einem EU-Finanzmister halten. Mario Brandenburg sieht den Vorschlag kritisch. Für ihn ist ein Finanzminister zu weit hergeholt. Die AfD vertritt die Meinung, dass erst einmal abzuwarten sei, wie sich die EU nach dem Brexit entwickelt. Deswegen ist sie auch vorerst gegen neue EU-Mitglieder. Die anderen Politiker antworten auf Yanicks Frage: „Ob die Aufnahme weiterer Länder der EU schadet oder nicht?“ zurückhaltender. Die SPD sieht mehr Vorteile für Studenten durch Austauschprogramme und möchte auch handwerkliche Berufe besser in Europa einbringen. Laut Tobias Lindner ist Europa der Prügelknabe für alles, was schief geht. Die FDP kritisiert den Verlust der Menschlichkeit durch die Bürokratie. Die wirtschaftliche Konkurrenz ist für die CDU eine Ursache dafür. Zum Ende der Veranstaltung fragt Lilly: „Wie dachten Sie selbst über Politik, als Sie in unserem Alter waren? Sagen wir einmal mit 16 Jahren.“ Es stellte sich heraus, dass egal welche politische Meinung heute vertreten wird, der Mauerfall bei vielen Diskutanten zum politischen Interesse führte. In den vergangenen Jahren besuchten immer mal wieder Politikwissenschaftler oder einzelne Abgeordnete das Goethe Gymnasium. Die diesjährige Veranstaltung stieß auf gutes Feedback, „da eine große Parteienvielfalt herrschte und keine Partei ausgeschlossen wurde“, so die Schülerin Betül.