Daimler Truck RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Lkw-Werk in Tschechien sorgt für Unruhe in Wörth

Das Unternehmen beschwichtigt: Wörth bleibe Leit- und Volumenwerk im Produktionsverbund.
Das Unternehmen beschwichtigt: Wörth bleibe Leit- und Volumenwerk im Produktionsverbund.

In Tschechien soll ein neues Werk entstehen und die Produktionskapazitäten von Daimler Truck erweitern. Der Standort Wörth schwankt zwischen Hoffnung und Sorge.

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Seit Wochen gab es Gerüchte, dass Daimler Truck ein neues Werk in Osteuropa bauen will. Die Sorge ging um: Was wird dann aus dem Lkw-Werk in Wörth? Auf Nachfrage wollte sich das Unternehmen zunächst nicht zu „Spekulationen“ äußern. Zu Wochenbeginn dann informierte der Nutzfahrzeughersteller in einer außergewöhnlich langen Pressemitteilung über die Pläne: In Cheb, im äußersten Westen Tschechiens, direkt an der deutschen Grenze, soll bis Ende des Jahrzehnts ein neues Montagewerk entstehen.

Der Konzern will einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag investieren. Geplant sind Montagekapazitäten für bis zu 25.000 Fahrzeuge jährlich. Wie in Wörth sollen neben Diesel-Lkw auch Fahrzeuge mit alternativen Antriebssystemen wie Elektro- und Brennstoffzellentechnologie gefertigt werden. Rund 1000 Arbeitsplätze sollen entstehen. Das Unternehmen hebt Chebs logistische Vorteile und die kosteneffizienteren Produktionsbedingungen hervor.

Manager reist nach Wörth

Bei einer Betriebsversammlung am Dienstag informierte das Unternehmen die Belegschaft des Lkw-Werks in Wörth über die Pläne. Mercedes-Lkw-Chef Achim Puchert reiste persönlich nach Wörth, um die Hintergründe zu erläutern. Dem Manager war wohl bewusst, dass die Nachricht Unruhe auslösen wird. Schließlich steht zu erwarten, dass das Produktionsvolumen in Wörth zugunsten von Cheb sinken wird. Das Pfälzer Werk mit seinen rund 10.000 Mitarbeitern steht unter wirtschaftlichem Druck, im vergangenen Jahr wurden dort noch 66.000 Fahrzeuge gebaut.

In der Mitteilung bemühte sich Puchert, die Vorteile für Wörth zu betonen: „Mit unserem neuen Montagewerk in Cheb stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit unseres Produktionsnetzwerkes mit Fokus auf Kostenoptimierung und Komplexitätsmanagement. Dies ermöglicht uns Wertschöpfung und Beschäftigung am Standort Wörth zu sichern und hier auch weiterhin investieren zu können.“ Zugleich teilte das Unternehmen mit, Wörth bleibe Leit- und Volumenwerk im Produktionsverbund.

Was der Betriebsrat sagt

„Auf den ersten Blick sieht es wie eine reine Verlagerung von Produktion in ein Niedriglohnland aus“, sagte Thomas Zwick, Stellvertretender Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats und Betriebsratsvorsitzender in Wörth, am Dienstag der RHEINPFALZ. „Dieser Schritt bringt dem Unternehmen natürlich Kosteneinsparungen und auch Effizienzgewinne. Umgekehrt wäre ein Stückzahlwachstum auf der begrenzten Wörther Fläche gar nicht möglich.“

In erster Linie gehe es den Arbeitnehmervertretern aber um Wachstum: „Wir vom Gesamtbetriebsrat drängen darauf, dass Mercedes-Benz Trucks in Deutschland und Europa Marktanteile zurückgewinnt. Mit dem neuen Werk schaffen wir bessere wirtschaftliche Voraussetzungen und auch die Kapazitäten für die hoffentlich in Zukunft steigende Nachfrage.“ Zwick betonte: „Für die Stammbelegschaft in Wörth gibt es bis Ende 2034 eine Beschäftigungsgarantie.“

Zwick weiter: „Durch den Zukunftsvertrag aus dem Jahr 2021 haben wir erreicht, dass in Wörth Lkw mit allen Antrieben produziert werden und wir Leitwerk im Produktionsverbund sind. Das bleibt auch so.“ Bei den Verhandlungen zum Sparprogramm „Cost Down Europe“ sei es unter anderem auch um die Zukunftsausrichtung von Wörth gegangen. „Hier haben wir vereinbart, dass wir eine Kapazität für ein Normaljahr vorhalten. Diese wird niedriger angesetzt als in den vergangenen Jahren. Geht die Nachfrage darüber hinaus, kann dies über das gesamte Netzwerk, also auch Cheb, abgedeckt werden. Wörth bleibt folglich nicht nur Leitwerk, sondern auch Volumenwerk. Da hatte das Management ursprünglich ganz andere Pläne.“

Eine Milliarde für Wörth

Der Landrat des Kreises Germersheim, Martin Brandl (CDU), sprach am Dienstag dennoch von „keinem guten Tag für den Standort Deutschland und Rheinland-Pfalz“. Trotz des Bekenntnisses zum Lkw-Werk Wörth täusche die Entscheidung nicht darüber hinweg, dass dort in Zukunft wahrscheinlich weniger Menschen arbeiten würden als heute. Dies zeige erneut: „Wir brauchen tiefgreifende Reformen in Deutschland und Rheinland-Pfalz, die uns helfen unseren Wirtschaftsstandort attraktiv zu halten.“ Die Entscheidung von Daimler Truck zeige einmal mehr, dass der Landkreis sich stärker unabhängig machen müsse von der Automobilindustrie. Gleichzeitig sei es eine gute Botschaft, dass sich Daimler Truck klar zum Werk Wörth als Leitwerk des Konzerns bekenne. Der Konzern plant, bis 2030 eine Milliarde Euro in den Standort zu investieren. Das Geld soll unter anderem in eine umweltfreundliche Lackieranlage und ein Umbau des Rohbaus für neue Fahrerhausgenerationen fließen.

Um in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein, richtet sich Daimler Truck in Wörth auf eine CO 2 -neutrale Produktion und zunehmend auf emissionsfreie Lkw aus. Auch der sogenannte Defence-Bereich soll stark wachsen. Er umfasst militärische Lkw und Lösungen für Streitkräfte und wird als Standbein immer wichtiger für Wörth. Bis 2028 peilt das Unternehmen eine Verdoppelung des Umsatzes in diesem Bereich an.

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