Kreis Germersheim
Neue Gesichter an der Spitze
Kandel: Michael Niedermeier ist neuer Stadtbürgermeister
61 Prozent (2243 Stimmen) für Michael Niedermeier, 39 Prozent (1434 Stimmen) für Amtsinhaber Günther Tielebörger (SPD): Das ist ein klarer Sieg für den CDU-Herausforderer. „Das Ergebnis ist eindeutig, die Stadt wünscht sich ein anderes Gesicht“, sagte Tielebörger kurz nach der Wahl. Mit der konstituierenden Stadtratssitzung am 25. Juni gehe nach 38 Jahren seine kommunalpolitische Karriere zu Ende. Im dicht gefüllten Saal gab es langen Applaus. „Mich erwarten große Fußstapfen“, sagte Niedermeier in seiner ersten Reaktion und in Richtung Tielebörger: „Ihrer politischen Leistung gebührt Respekt.“ Er wisse, dass die Wähler große Erwartungen haben. Nun wolle er eigene Fußstapfen hinterlassen. „Bitte begleiten Sie mich“, forderte Niedermeier die Kandeler auf.
Einwurf
Eine Ära geht zu Ende
Von Nicole Tauer
Mit der klaren Abwahl des amtierenden Stadtbürgermeisters Günther Tielebörger (SPD) geht eine Ära zu Ende: Seit 38 Jahren war „Tiele“ in Kandel kommunalpolitisch aktiv, von 1981 bis 2009 Verbandsbürgermeister, seit 2004 Stadtbürgermeister. Der 71-Jährige hat das Bild der Stadt Kandel zweifellos geprägt. Zweimal hatte er als Stadtbürgermeister sein Amt souverän gegen CDU-Kandidaten verteidigt und wollte es jetzt noch einmal wissen. Im schwersten Moment seiner Amtszeit hat er dann Haltung gezeigt: Gemeinsam mit seiner Familie das Wahlergebnis in der Verwaltung verfolgt, seinem Nachfolger gratuliert, sich kurz verabschiedet.
Kandel ist inzwischen hoch verschuldet, Unternehmen sind in Nachbargemeinden abgewandert. Michael Niedermeier (CDU) verspricht einen neuen Politikstil, einen kritischeren Blick auf die Finanzen, mehr Transparenz, mehr Bürgerbeteiligung. Das kam an, die Ankündigung der schwarz-grünen Koalition wohl ebenso. Niedermeier hat hohe Erwartungen geweckt, an denen er sich jetzt messen lassen muss.
Hagenbach: Christian Hutter folgt auf F.X. Scherrer
Hagenbachsnächster Stadtbürgermeister heißt Christian Hutter (CDU). Er setzte sich mit 55,7 Prozent (1200 Stimmen) gegen SPD-Kandidat Martin Gröschel (44,3 Prozent, 955 Stimmen) durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 51,1 Prozent. Etliche Bürger kamen zur Stimmauszählung ins Kulturzentrum. Mit Applaus und „Bravo“-Rufen quittierten sie das Wahlergebnis, das Vorgänger F.X. Scherrer (CDU) um 18.38 Uhr verkündete. Danach knallten die Sektkorken, weitere Gratulanten kamen. Der 43-Jährige war sichtlich gerührt: „Ich bin ein emotionaler Mensch.“ Der Sieg sei keine Selbstverständlichkeit und der Wahlkampf „eine harte Nummer“ gewesen. Jetzt sei er gespannt, wie die Zusammenarbeit im Stadtrat verlaufe. „Ich sehe das konstruktiv, nicht politisch.“ Der offenbar sehr enttäuschte SPD-Kandidat Gröschel verließ kurzfristig die Veranstaltung – ohne Gratulation an den Sieger. Für eine Stellungnahme war er danach nicht zu erreichen.
Einwurf
Aus dem Leeren schöpfen
Von Andreas Betsch
Mit 250 Stimmen Vorsprung gewinnt der bisherige Bürgermeister-Stellvertreter Christian Hutter (CDU) recht deutlich die Wahl zum neuen Stadtoberhaupt von Hagenbach. Die Aufgaben, die auf den 43-Jährigen warten, sind immens.
Er will die Weichen für die lange auf der Wunschliste stehende „Ortsrandstraße Nord“ stellen. Ein Thema, das im Detail nicht unumstritten ist. Gleiches gilt für das Neubaugebiet „Nord V“, das unter Vorgänger F.X. Scherrer auf den Weg gebracht wurde. Außerdem stehen im Umkreis von Festplatz und Schule „Entwicklungs“-Maßnahmen an. Da die Stadt nicht mit viel Geld gesegnet ist, muss Hutter gewissermaßen aus dem Leeren schöpfen. Andererseits bieten sich ihm genügend Möglichkeiten, eigene Akzente zu setzen und sich aus dem Schatten seines Vorgängers zu lösen.
Ein klägliches Bild gab SPD-Kandidat Gröschel am Wahlabend ab. Einfach so „abzudampfen“, ohne dem Sieger zu gratulieren, ist keine Art. Er sollte sich an seinem abgewählten SPD-Kollegen Tielebörger aus Kandel ein Beispiel nehmen, der in der Niederlage Haltung zeigte.
Büchelberg: Stefanie Gerstner ist neue Ortsvorsteherin
Mit einem hauchdünnen Vorsprung von 10 Stimmen gewinnt Stefanie Gerstner (CDU) die Stichwahl in Büchelberg: Mit 50,9 Prozent tritt sie als Ortsvorsteherin die Nachfolge von Klaus Rinnert (CDU) an. Gegenkandidat Udo Müller (FWG) bekommt 49,1 Prozent.
Vor drei Wochen war Gerstner auf 49,6 Prozent gekommen, Udo Müller erhielt 40,7 Prozent. Der dritte Kandidat Dris Gogel (SPD) landete mit 9,8 Prozent abgeschlagen auf Platz 3. Gerstner, 55, war seit fünf Jahren stellvertretende Ortsvorsteherin. Das Baugebiet Wiesengrund, das Dorferneuerungsprogramm und eine Verbesserung der Kinderbetreuung standen auf ihrer Agenda. Außerdem setzt sie sich für das Multifunktionsgebäude und seniorengerechte Wohnformen im Pfarrgarten ein.
Westheim: Susanne Grabau ist die neue Frau an der Spitze
Westheim wird auch weiter von einer Frau, künftig aber von einer FWG-Frau regiert: Susanne Grabau (FWG) hat sich bei der Stichwahl gestern gegen Uwe Wagner (SPD) durchgesetzt und ihren 55-Stimmen-Vorsprung aus dem ersten Wahlgang am 26. Mai auf 82 Stimmen ausgebaut. Grabau erhielt 465 Stimmen (54,8 Prozent), für Wagner votierten nur 383 Bürger (45,2 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag bei nur noch 61 Prozent. Vor der Stichwahl war Grabau „vorsichtig optimistisch“, dass es klappen könnte. Gestern äußerte sie sich erfreut, begeistert und erleichtert über den Wahlsieg – „dass jetzt alles vorbei ist, es tatsächlich geklappt hat“: „Ich freue mich riesig.“ Künftig wolle sie mehr Transparenz im Rat schaffen – und mit allen Fraktionen gut zusammenarbeiten, „damit alles auf gute Beine gestellt wird“. Ihren Erfolg feierte Grabau im Bürgerhaus: Ihre FWG-Freunde hatten für sie einen Sektempfang organisiert.
Schwegenheim: Bodo Lutzke wird neuer Ortschef
Großer Jubel im Lutzke-Lager: Im zweiten Anlauf hat er es geschafft – Bodo Lutzke (FWG) wird neuer Ortsbürgermeister in Schwegenheim. Bei der Stichwahl gestern setzte er sich mit 317 Stimmen Vorsprung deutlich gegen Anne Jäger (SPD) durch. Für Lutzke votierten 905 Bürger (60,6 Prozent), für Jäger nur 588 Personen (39,4 Prozent). Die Wahlbeteiligung war mit 65,5 Prozent geringer als vor drei Wochen (70,9 Prozent).
„Ich bin überglücklich und überwältigt von dem Freundeskreis, der gekommen ist, um mir zu gratulieren“, strahlte Lutzke, als das Ergebnis um 18.42 Uhr feststand. Er dankte allen Wählern, seiner Familie und seinem „super Team“: „Wir haben einen kreativen, anständigen Wahlkampf hingelegt, niemanden beleidigt, beschuldigt und keine Lügen verbreitet.“ Das hätten die Bürger deutlich honoriert. Er strebe eine gute Zusammenarbeit mit allen Ratsfraktionen und den Behörden an.