Kreis Germersheim Musik machen, nicht konsumieren
„Die Lehrer sagen oft, dass sie ihre Schüler nicht wiedererkennen. Und das im positiven Sinn!“ Axel Schwarz ist leitender Dozent für das Projekt „Pop macht Schule“ der Mannheimer Popakademie. Im gesamten März besucht er mit zwanzig Studenten sechs Schulen in der Metropolregion Rhein-Neckar. Mit dem gemeinsamen Zugang zur Pop-Musik sollen wichtige Kompetenzen gefördert werden. So wie gestern und heute in der Realschule Plus in Kandel. „Manche Leute unterschätzen das Erfolgserlebnis gemeinsamen Musizierens völlig“, weiß Schwarz um das gelegentliche Stirnrunzeln, wenn es um die Musik geht. Denn hierbei würden Schlüsselkompetenzen geschult, die jeder Arbeitgeber will. Es gehe um Sozialkompetenzen wie Teamwork, Kritik ertragen und äußern oder das gemeinsame Finden einer Lösung. Auch für seine jungen Studenten ist das Projekt wichtig. Denn das Unterrichten in der Praxissituation ist für sie ein Pflichtfach und daher Teil der Lehrprobe. Was sie wie mit den Schülern aus den Klassen 5 bis 10 erarbeiten, ist Teil ihrer Lehrprobe. Die rund 70 Schüler, die Musiklehrer Peter Eck an den beiden Tagen zusammengezogen hat, wissen dies nicht. Für sie steht nur die Musik im Vordergrund. Es sind unterschiedliche Gruppen gebildet worden, die sich Teilbereichen wie dem Schreiben eines Songtextes, dem Produzieren eines instrumentalen Sounds am Laptop oder dem Spielen mit orientalischen Musikinstrumenten widmen. Gerade diese Weltmusik ist für Eck wichtig. Denn Schüler mit Migrationshintergrund können hiermit nicht nur Wertschätzung für die Musik aus ihrer Heimat lernen, sondern diese auch von ihren Mitschülern erfahren. Und auch Schwarz betont: „Dieser kulturelle Austausch ist wichtig. Es ist plötzlich nicht mehr fremd, sondern cool.“ Grundsätzlich findet Lehrer Eck es allerdings auch wichtig, dass die Schüler zu einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung angeregt werden. Denn rückblickend auf seine bislang 25 Jahre als Lehrer hat er Veränderungen festgestellt: „Es ist schwieriger geworden. Denn man merkt, dass die Tendenz immer mehr zum bloßen Konsumieren von Musik geht.“ Besonders nach den Wochenenden sei es zudem schwierig, die Schüler zur Konzentration zu bringen. Denn dann haben sie zwei Tage hinter sich, in denen diese sich verstärkt mit ihren digitalen Medien beschäftigt haben. „Es ist schon etwas gewonnen, wenn es bei zwei oder drei Schülern gelingt, dieses Konsumverhalten aufzubrechen“, erhofft sich Eck einen positiven Effekt von „Pop macht Schule“. Später sieht er seinen Schüler Janik mit einer Gitarre um den Hals ihn anstrahlen: „Ich habe mein Instrument gefunden!“ Auch Denitsa ist begeistert. Seit 15 Monaten lebt die junge Bulgarin in Kandel und geht hier zur Schule. Zuhause habe sie vier Jahre lang im Chor gesungen, jetzt möchte auch sie Gitarre spielen lernen. Den Workshop findet sie „toll! Die Künstler, die Instrumente, alles.“ Für Axel Schwarz ist „es eines unserer Geheimnisse“, dass die Jugendlichen keinen Lehrern, sondern tatsächlichen Künstlern gegenüber stünden. Und dazu kommt, dass die Schüler ein gemeinsames Ziel haben. Denn es wird nicht nur herumprobiert und geübt, sondern am Ende der beiden Tage steht immer auch ein gemeinsames Konzert. „Und dann erleben die Schüler das magische Geräusch des Beifalls. Die Profimusiker sind süchtig danach und die Kinder erst recht. Dieses Gefühl, gemeinsam mit anderen etwas geschafft zu haben, ist essenziell.“