Sportstypen RHEINPFALZ Plus Artikel Mikaelle Assani aus Kuhardt mit Chancen aufs Finale bei Leichtathletik-WM

Mikaelle Assani mit Trainer Udo Metzler bei der U23-DM in Göttingen.
Mikaelle Assani mit Trainer Udo Metzler bei der U23-DM in Göttingen.

Weitspringerin Mikaelle Assani aus Kuhardt tritt auf der Leichtathletik-WM an. Dass sie ins Finale kommt, ist realistisch. Als sie in der fünften Klasse war, hatte ihr Sportlehrer vergeblich versucht, sie für die Leichtathletik zu begeistern.

Eine Weitspringerin, die in Kuhardt lebt, fährt zu den Leichtathletik-Weltmeisterschaften nach Budapest. Mikaelle Assani vertritt dabei ihr großes Idol. Am Samstag um 12.25 Uhr beginnt der Qualifikationswettkampf für das Finale am Sonntag.

„In der fünften Klasse hat mein Sportlehrer eine Telefonnummer an die Tafel geschrieben, die ich anrufen sollte“, erzählt Assani, wie sie zu ihrem Glück gezwungen wurde. Sie beteiligte sich in AG’s, fuhr mit ihrer Schule zu „Jugend trainiert für Olympia“. Versuche ihres Lehrers, sie aufgrund ihrer Schnelligkeit für die Leichtathletik zu begeistern, gingen, so Assani, „ins rechte Ohr rein und aus dem linken wieder raus“.

Neun Monate in den USA

Bis vor zwei Jahren wohnte die 20-Jährige in Karlsruhe. Ihre Eltern, die Mutter aus Kamerun und der Vater aus Nigeria, kamen um die Jahrtausendwende nach Deutschland. In Kamerun war sie schon mehrmals, steht in Kontakt mit ihren vielen Cousins. Kurz nach dem Umzug in die Pfalz zog es sie in die USA, sie studierte mit einem Sportstipendium an der University of Lincoln-Nebraska. Nach neun Monaten im Mai vergangenen Jahres aber die Rückkehr: „Es hat trainingstechnisch einfach nicht gepasst.“ Seither studiert sie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Bioingenieurwesen. Berufswunsch? „Was es letztendlich wird? Keine Ahnung. Vielleicht was mit Umwelt, vielleicht in die Kosmetikbranche. Vielleicht auch etwas im Sport ...“

Sowieso richtet sich ihr Tagesablauf nach den Trainingseinheiten. Danach kommen Physiotherapie und andere Termine, „und für die Uni muss ich ja auch noch was machen“. Dies geschehe entweder frühmorgens oder spät am Abend, wenn alles andere abgearbeitet sei. Trainiert wird täglich, meist am KIT-Sportgelände neben dem Wildparkstadion.

Zunächst Mehrkämpferin

Nach ihrem Einstieg als Elfjährige hatte sie die klassische leichtathletische Ausbildung als Mehrkämpferin durchlaufen. Sie konnte im Weitsprung und als Staffelläuferin immer mehr überzeugen. In der LG Region Karlsruhe gab es eine starke Trainingsgruppe um den mehrfachen deutschen Meister Julian Howard, dessen Trainer Udo Metzler sie bald auch unter seine Fittiche nahm. Mit ihm und Teilen ihrer Trainingsgruppe wechselte sie später zum SCL Heel Baden-Baden. Schon bald stellten sich Erfolge ein: 2020 war sie erstmals deutsche U20-Meisterin in der Halle. 2021 folgte die erste internationale Medaille: Auf der U20-EM im estnischen Tallinn erreichte sie den Bronzerang. Generell bezeichnet sie jeden internationalen Einsatz als Erfolg. 2019 nahm sie am European Youth Summer Olympic Festival in Baku teil.

Die Qualifikation zu den Europameisterschaften 2022 in München bezeichnet sie als „Traum, der Realität wurde“. 2018, Assani war mit dem DLV-Jugendlager als Zuschauerin bei der Europameisterschaft in Berlin, machte es „Klick“: „Das war so krass, als Malaika mit dem letzten Sprung Europameisterin wurde. Schon damals habe ich ihre mentale Stärke bewundert. Und mich fortan als Weitspringerin gesehen.“

Malaika Mihambo getroffen

Ihrem großen Idol Malaika Mihambo („mit 16 wäre ich ausgerastet, wenn ich sie gesehen hätte“), Olympiasiegerin und mehrfache Welt- und Europameisterin, kam sie erstmals 2021 bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig näher: „Sie wusste, glaube ich, wer ich war. Sie ist wirklich super nett. Eine richtig coole, witzige und entspannte Person. Seit wir uns mal richtig kennengelernt haben, ist sie wie eine große Schwester für mich.“ In Budapest wird die gebürtige Heidelbergerin Mihambo nicht dabei sein. Sie musste verletzungsbedingt absagen. Assani: „Ich hätte es ihr so gegönnt, um den dritten WM-Titel hintereinander kämpfen zu können. Zusammen mit Maryse Luzolo wären wir ein schönes Trio gewesen.“

Nicht nur, dass sie ohne ihr großes Vorbild antreten muss. Assani vertritt sie auch noch als deutsche Nummer eins. Mit 6,91 Metern katapultierte sie sich vor drei Monaten in Weinheim in die Weltspitze. Trotz nicht immer linearer Vorbereitung. Ab und zu hat sie Probleme am Fuß, war im Frühjahr zur Reha schon mehrere Wochen in Herxheim im Gesundheitspark von Johannes Eisinger. Als Bürde sieht sie die neue Bestleistung nicht: „Durch Malaika hat der Weitsprung viel an Aufmerksamkeit gewonnen. Ich sehe das eher als Motivation.“

Trainingslager in Erding

Kuhardt oder Karlsruhe? Baden oder Pfalz? Mikaelle Assani lacht. Und will sich nicht festlegen. „Jedes hat seinen eigenen Reiz. In Karlsruhe bin ich groß geworden, habe Abitur gemacht. Als Studentin ist Karlsruhe sowieso perfekt.“ Über dem Rhein aber sei „die Luft eine andere, ein richtiger Tapetenwechsel“. Und zum Entspannen ideal: „Hier kann man gut runterkommen, die Leute sind furchtbar nett und zuvorkommend.“

Erst mal geht es für Assani, die am Freitag ihren 21. Geburtstag feiert, vom Vorbereitungstrainingslager im bayrischen Erding zur WM. Sie will sich auch andere Disziplinen („da bin ich voll dabei“) und die Stadt („das kommt leider oft zu kurz“) anschauen. Am Sonntag um 16.55 Uhr steht das Finale an. Das ist ihr Primärziel und anhand der Saisonbestleistung realistisch. In der Qualifikation ausscheiden? „Daran denke ich nicht!“

Mikaelle Assani feiert am Freitag ihren 21. Geburtstag.
Mikaelle Assani feiert am Freitag ihren 21. Geburtstag.
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