Kreis Germersheim Mehr Wiesen an den Bachläufen

Im Spannungsfeld zwischen Kultur-und Naturlandschaft: Der Bienwald und die Wiesen an seinem Rand.
Im Spannungsfeld zwischen Kultur-und Naturlandschaft: Der Bienwald und die Wiesen an seinem Rand.

Für die einen ist es eine „Herzensangelegenheit“. Andere wiederum fürchten eine „monotone Landschaft“. Wenn die Rede auf das Naturschutzgroßprojekt Bienwald kommt, gehen die Meinungen auseinander. Und das gilt auch für das Flurbereinigungsverfahren, das für das Großprojekt durchgeführt wird. Hier sehen viele Menschen zahlreiche Chancen für den Naturschutz. Andere wiederum fürchten, dass es nur um „betriebswirtschaftliche Vorteile“ für die hier begüterten Landwirte oder die Bewirtschafter gepachteter Flächen gehe. Ohne Flurbereinigung allerdings, so der neue Projektleiter Manfred Wüst, könne man die Ziele des Naturschutzes kaum erreichen. Deshalb wurde damit schon 2011 begonnen. Es galt, „agrarstrukturelle Mängel zu beseitigen“ und „Landnutzungskonflikte“ aufzulösen. Im Klartext bedeutete dies, in ein wildes Durcheinander von Grün- und Ackerflächen eine bessere Struktur zu bringen. Auch ging es um eine bessere Erschließung der Grundstücke und um die Umsetzung des Pflege- und Entwicklungsplanes Bienwald (PEPL). Hierzu gehört die Anlage von Gewässerrandstreifen, die bis 40 Meter breit sein können. Diese sollten künftig extensiv als Wiese oder Weide genutzt werden. Vor allem aber ohne intensive Düngung! Man möchte einen größeren Anteil an Wiesenflächen schaffen, so, wie es in früheren Jahren der Fall gewesen war. Damals allerdings, das wissen ältere Menschen in den Dörfern am Bienwald, gab es noch viel mehr Landwirte, die Großvieh hielten und ihre Mahd verfüttern konnten. Der Umbruch der Wiesen zu Ackerland erfolgte in den 1970er Jahren. Im Projektbüro im Kandeler Bahnhofsgebäudes hängt eine große Karte. Auf der sind die Stellen verzeichnet, an denen wichtige Tierarten festgestellt wurden. Über den Schutz des Kiebitz, der Schwarz- und Braunkehlchen wurde bereits berichtet. Wüst bekennt, dass es sich beim Naturschutzgroßprojekt Bienwald für ihn persönlich um eine Herzensangelegenheit handelt. Auf der Bienwaldmühle aufgewachsen, sei er sozusagen „mitten im Wald groß geworden“. Von Anfang an sei er am Projekt beteiligt gewesen und arbeite gerne noch etwas länger mit, über den geplanten Ruhestand hinaus. Die rund 10 Millionen Euro, die das Projekt kosten wird, sind laut Wüst gut angelegt. Rund 70 Prozent des Geldes kommen vom Bund, 20 Prozent steuert das Land Rheinland-Pfalz bei. Den Rest, 10 Prozent, teilen sich die Landkreise Südliche Weinstraße (ein Drittel) und Germersheim (zwei Drittel). Für den Minfelder Beigeordneten Rainer Ulm ist die Flurbereinigung notwendig, vor allem deshalb, weil Flächen zusammengelegt werden und damit besser genutzt werden können. Ein Problem sieht er im gewünschten Rückschnitt der Hecken entlang der Gewässer. Christoph Blankenburg resümiert zur Halbzeit des Flurbereinigungsverfahrens „Kandel-Ost“ (Freckenfeld/Minfeld), dass erst einige Generationen nach uns beurteilen können, ob die Maßnahmen von Erfolg gekrönt seien. Die Natur brauche Zeit, so Blankenburg. Zeit spielt auch eine Rolle im 2. Abschnitt der Flurbereinigung, der den westlichen Bienwald betrifft. Hier geht es um eine Fläche von 620 Hektar mit etwa 1300 Eigentümern. Der Projektzeitraum wurde im Oktober zwar erst um zwei weitere Jahre verlängert, aber die Flurbereinigung erfordere eine bestimmte, gesetzlich geregelt Vorgehensweise. Die Gemarkung Schaidt ist nicht an der Flurbereinigung beteiligt. Nach Angaben von Ortsvorsteher Kurt Geörger hat dies viele Gründe. So sorgte noch in jüngster Zeit der Vorschlag, die innerörtlichen Bäche trocken zu legen und andernorts neue Bäche zu schaffen, für viel Widerstand in der Bevölkerung, die schon immer eng mit dem Bienwald verbunden war. Auch seien die Menschen in den Dörfern nicht richtig mitgenommen worden, mutmaßt Geörger: Kein Mensch habe Verständnis dafür, das Wasser den örtlichen Bächen - wo sich in den letzten Jahren wieder große Mengen Fische wohlfühlen – zu entziehen, dort das Leben von vielen Tieren zu zerstören, um es an anderer Stelle mit viel Geld zu platzieren. Teil 2 folgt

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