Germersheim / Rülzheim
Kunden spendieren Schokolade und Pralinen
Die „Spuckschutz“-Plexiglasscheiben sind jetzt Standard. Ebenso die Aufkleber auf dem Boden, dass Kunden voneinander Abstand halten sollen. Beim Real-Markt in Germersheim hat man schon in der ersten Corona-Woche einen Krisenstab ins Leben gerufen, der sich täglich mit der aktuellen Lage auseinander gesetzt und jeweils alle Mitarbeiter über Sicherheitsmaßnahmen in puncto Hygiene informiert hat. „Wir haben Desinfektionsspender an den Eingängen sowie vor den Kassen aufgebaut“, sagt Real-Pressereferent Frank Grüneisen. Markt-Bereiche, wo die Infektionsgefahr besonders hoch ist wie etwa an der Brotschneidemaschine seien eingestellt. Denn besonders über offene Lebensmittel sei die Ansteckungsgefahr hoch. Verkostungen gibt es deshalb ebenfalls keine.
Auf Abstand wird geachtet
Drei zusätzliche, geschulte Sicherheitskräfte beschäftigt der Markt Germersheim Real zufolge jetzt. Sie weisen Kunden gegebenenfalls auf die neuen Verhaltensregeln hin. Je eine Person steht an einem der beiden Markteingänge, bittet Kunden um Mitnahme eines Einkaufswagens, auch wenn sie wenige oder nur einen Artikel kaufen möchten. Auf diese Weise behält man laut Real den Überblick, wie viele Menschen sich gerade im Markt aufhalten. Zudem halten Kunden mit Einkaufswagen besser voneinander Abstand. Eine dritte Person steht in der Kassenzone und ruft, falls nötig, die Sicherheitsabstände in Erinnerung. „Alle diese Maßnahmen werden von den Kunden glücklicherweise in der großen Mehrzahl positiv aufgenommen“, so Frank Grüneisen: „Vereinzelt stößt jedoch leider besonders die Abstandsregelung auf Unverständnis.“
Sämtliche Reaktionen der Kundschaft und extreme Gefühlslagen in beide Richtungen erlebt Janika Antoni beim Edeka-Markt Rülzheim direkt und ungefiltert. Von ihrem achtstündigen Arbeitstag verbringt sie momentan etwa fünf volle Arbeitsstunden hinter der Kasse. „Viele Kunden sind jetzt superfreundlich und kommentieren zum Beispiel unsere neuen Regeln mit viel Verständnis“, sagt die gelernte Einzelhandelskauffrau. Als etwa die Schälchen eingeführt wurden, in die Leergutzettel, Rabattmarken und Wechselgeld gelegt wird, um Handkontakt zu vermeiden, löste das bei manch einem leutseligen Small Talk aus.
Oft wird Gesicht verzogen
Doch Janika Antoni hat auch anderes zu berichten: „Man merkt durchaus bei Vielen am Tonfall, dass sie insgesamt verärgert sind.“ Vor allem, wenn Ware vergriffen ist. Zu offen geäußerten Unfreundlichkeiten oder gar Beleidigungen komme es quasi nie. Stattdessen werde aber oft das Gesicht verzogen und Miesepeter gespielt. So hinterlassen viele Kunden an der Kasse gern ungesagt einen Vorwurf, als ob das Personal für die Engpässe verantwortlich sei. Im Rülzheimer Edeka bekommt seit vergangener Woche jeder nur noch eine Packung Toilettenpapier und maximal zwei Tüten Mehl. Größere emotionale Aussetzer kämen nicht vor. „Gestresste und uneinsichtige Kunden versuchen wir zu besänftigen und das hat bislang immer geklappt“, sagt Janika Antoni. Für schlimme Fälle hat das Kassenteam die Vereinbarung getroffen, über Durchsage Kollegen zur Klärung zu rufen. Das gilt immer, auch jenseits von Corona, sagt Janika Antoni: „Hier muss niemand arbeiten, um sich beschimpfen zu lassen.“
Bei Aldi Süd war der Personalbedarf in den letzten Tagen so hoch, dass kurzfristig Teilzeitkräfte eingestellt wurden, die von den Schnellrestaurants übernommen werden konnten, weil sie dort keine Aufgaben mehr hatten. Die Aldi Süd Filiale in Germersheim plant keine Verlängerung der Öffnungszeiten. Als Dank für die besonderen Leistungen während Corona gibt Aldi Süd seinen Mitarbeiter in Verkauf und Logistik einen Warengutschein im Wert von 250 Euro. Bei real kriegen alle, egal ob in Teil- oder Vollzeit, mit ihrem nächsten Gehalt einen Warengutschein im Wert von 100 Euro. Dort übrigens haben sich nicht nur die Chefs, sondern auch Kunden selbst erkenntlich gezeigt. Als Dank haben sie am Servicecenter kleine Geschenke wie Schokolade oder Pralinen abgegeben.