Kreis Germersheim
Kreis Germersheim: Serbische Pflegekräfte schließen Lücken am Krankenbett
Ohne ausreichend Pflegekräfte hat ein Krankenhaus keine Zukunft. Das weiß man auch bei den Asklepios-Südpfalzkliniken in Germersheim und Kandel. Inzwischen werden gezielt Kräfte aus dem Ausland angeworben. Die jungen Frauen und Männer stoßen hier manchmal auf unerwartete Probleme.
Ende 2017 hatten auch die Asklepios-Kliniken in Kandel und Germersheim mit dem Fachkräftemangel im Pflegebereich zu kämpfen. Damals mussten mehrere Betten der Intensivversorgung geschlossen werden, da die Versorgung nicht mehr gewährleistet war. Daraufhin hatte die Geschäftsführung eine offensivere Werbung um Pflegepersonal angekündigt. Seit dem Frühjahr 2018 haben die Südpfalzkliniken ihre Fühler unter anderem in Richtung Serbien ausgestreckt. Inzwischen arbeiten 24 ausländische Pflegekräfte an den beiden Standorten in der Südpfalz. Pflegedienstleiterin Andrea Armbrust war stets an der Auswahl beteiligt.
Vom Militärkrankenhaus in die Südpfalz
Zwei der neuen Kräfte sind Tamara Nikolic und Ana Durovic. „Es war schwer mit der Sprache“, erinnert sich Nikolic. Denn viele Patienten sprechen Pfälzisch, „aber wir lernen Hochdeutsch“. Die 27-Jährige hat in Serbien in einem Militärkrankenhaus gearbeitet. Die Schichten dauerten oft 12 Stunden, es gab im Monat oft nur zwei oder vier freie Tage, ergänzt Pflegedienstleiterin Armbrust.
„Die Bezahlung war nie gut“, sagt Nikolic, die nur 80 Euro im Monat verdiente. Damit eine Wohnung finanziert werden konnte, war oft noch ein zweiter Job notwendig. Durovic erging es ähnlich: Sie habe oft 12 Tage Nachtschicht gehabt, danach 24 Stunden frei, „dann ging es einfach weiter“, erinnert sie sich. Die Arbeit in Serbien läuft anders ab, oft übernehmen dort die Angehörigen die Pflege, in Deutschland spiele die Hygiene eine viel größere Rolle, sagt Nikolic.
Beide sind über eine Agentur auf die Kliniken in der Südpfalz aufmerksam geworden. Man habe verschiedene Agenturen überprüft, sagt Geschäftsführer Frank Lamberth. Schließlich hat die Agentur eines Serben, der in Deutschland aufgewachsen ist, das Rennen gemacht. Pflegedienstleiterin Armbrust reiste nach Belgrad, um sich selbst ein Bild von den Bewerberinnen zu machen.
Der Sprachlehrer kommt in die Klinik
Im Frühsommer 2018 lief das Auswahlverfahren, Verträge wurden unterschrieben. Sie laufen als Anerkennungspraktikanten, bekommen Anstellungsverträge. Nach dem Anerkennungsverfahren sollten alle Nachweise erbracht sein, damit der Abschluss als Examen anerkannt wird. Dazu muss ein Sprachkurs absolviert werden. Hier nimmt die Klinik Geld in die Hand: Die Dozenten kommen zweimal in der Woche in die Kliniken, die Dienstpläne werden entsprechend angepasst, damit alle teilnehmen können, erläutert Armbrust. Im Rollenspiel werden Gespräche mit Patienten geübt, auch werden testweise Dokumentationen ausgefüllt.
Nach der Zusage gibt es eine enge Begleitung, egal ob es um die Wege zu Ämtern, Wohnungssuche oder eine deutsche Telefonkarte geht. Nikolic wartet darauf, dass ihr Mann endlich einen Termin bei der Botschaft bekommt, „Serbien hat strenge Auflagen“, sagt Armbrust.
Patienten sind offen, Vermieter nicht
Die Resonanz bei den Patienten sei durchweg gut, berichten Nikolic und Durovic. Es gebe viel gutes Feedback. „Viele wissen zwar nicht, wo Serbien liegt, aber alle kennen Ex-Jugoslawien“, sagt Durovic mit einem Schmunzeln. Denn gerade älteren Patienten fällt dann gerne ein Stichwort ein: Sliwowitz - ein hochprozentiger Obstbrand aus Pflaumen.
Doch so entspannt es mit den Patienten läuft, so schwierig ist es zumindest im südlichen Landkreis Germersheim mit der Wohnungssuche. Hier gebe es gewisse Vorbehalte bei den Vermietern, sagt Armbrust. Durovic hat inzwischen dennoch etwas eigenes gefunden. In Germersheim seien die neuen Kräfte ebenfalls gut ins Team aufgenommen worden, sagt Pflegedienstleiterin Daniela Gschwind. Dort sei die Wohnungssuche auch etwas entspannter - vielleicht, weil man wegen der Universität schon Erfahrungen mit internationalen Studenten gesammelt habe.
Weltweit sind derzeit auch die Klinikchefs auf der Suche: „Es gibt auch Lösungen des Konzerns“, sagt Lamberth mit Blick auf Asklepios-Kontakte nach Mexiko oder den Philippinen. Aber man habe das Thema in der Südpfalz eben auch selbst in die Hand nehmen wollen. Dabei laufe es durchaus nicht immer rund, sagt Armbrust. Man habe sich auch wieder von Pflegekräften getrennt, sagt sie und nennt vor allem zwei Gründe: Keine Sprachkenntnisse und kein Willen, sich ins Team zu integrieren.
„Die Krankenhauslandschaft wird über den Arbeitsmarkt entschieden“, sagt Geschäftsführer Lamberth. „Wir müssen uns breit aufstellen.“ Für 2020 werden wieder 20 Pflegekräfte aus dem Ausland angepeilt.
Zur Sache: Die ausländischen Pflegekräfte
In der Asklepios-Klinik am Standort Kandel arbeiten derzeit 200 Pflegekräfte auf Vollzeit - und Teilzeitstellen, am Standort Germersheim arbeiten 140 Pflegekräfte.
Durch die Auslandsakquise sind inzwischen 24 Kräfte im Anerkennungsverfahren (7 in Germersheim, 17 in Kandel) , 6 Kräfte werden noch erwartet.
Die Pflegekräfte stammen aus Serbien (17), Jordanien (5), Indonesien (2), Albanien (2), Russland (2) und Rumänien (1)
Bis zum Jahreswechsel sollen alle ihr Anerkennungsverfahren durchlaufen haben und sich Gesundheits- und Krankenpfleger/in nennen dürfen.
Einwurf: Keine andere Wahl?
Von Nicole Tauer
Egal, ob die Kardiologie an der Uniklinik in Gießen, eine Kinderonkologie in München oder Operationssäle in Karlsruhe: Bundesweit müssen immer wieder Stationen wegen des Fachkräftemangels geschlossen werden. Auch die Asklepios-Kliniken in der Südpfalz haben regelmäßig Intensivbetten bei der Leitstelle „abmelden“ müssen, weil nicht genug Personal vor Ort war. Die Not ist also groß.
Erst Anfang Dezember hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Saarland eine Agentur gegründet, die die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen beschleunigen soll. Im Testlauf geht es erst einmal um Bewerber aus Mexiko und den Philippinen. Es sollen also Fachkräfte aus einem anderen Land geholt werden, die später in ihrer Heimat fehlen.
Kliniken müssen schnell Kräfte einstellen, um nicht weiter Betten schließen zu müssen. Für sie gibt es derzeit kaum Alternativen. Man sollte im Bundesministerium aber besser über eine angemessene Bezahlung und moderne Arbeitszeiten nachdenken, damit auch mit eigenen Bürgern eine Struktur aufgebaut werden kann.