Kreis Germersheim Kreis Germersheim: Lehrergewerkschaft sieht Lehrermangel an Grundschulen
Eines der größten Probleme in der rheinland-pfälzischen Bildungslandschaft ist das Fehlen ausgebildeter Lehrer für die Grundschule, aber auch für die Förderschule. Dieser Meinung vertritt die Vorsitzende des Hauptpersonalrates für die Grundschulen, Marlies Kulpe (Kandel), bei der Jahreshauptversammlung der Lehrergewerkschaft VBE (Verband Bildung und Erziehung) in Germersheim.
Marlies Kulpe wie zuvor schon die VBE-Kreisvorsitzende Gabi Schneider (Mitglied im Bezirkspersonalrat für die Grundschulen) bezeichneten es als schlimm, dass es derzeit kaum noch Bewerber für die offenen Stellen gebe.
Immer mehr schwierige Schüler
Der stellvertretende Kreisvorsitzende Christian Eberle, ebenfalls Mitglied im Hauptpersonalrat für die Grundschulen berichtete über die Situation vor Ort. Man müsse sich mit immer mehr schwierigen Schülern befassen, die viel mehr Zeit beanspruchten und viel Zuwendung brauchten. Wichtig sei sicherlich, den Beruf des Lehrers aufzuwerten. Sicher komme auch Rheinland-Pfalz nach Ansicht des VBE nicht an einer besseren Bezahlung der Grundschullehrer vorbei.
Für das Lehramt an Gymnasien ausgebildete Pädagogen hätten derzeit nur wenige Einstellungsmöglichkeiten. Eine Zahl machte das Missverhältnis deutlich. Von 2329 ausgebildete Gymnasiallehrer seien nur 78 eingestellt worden, war auf einer Präsentation über die Bildungslandschaft Rheinland-Pfalz zu entnehmen, die Vorstandsmitglied Tom Mell zeigte. Man bilde am Bedarf vorbei aus.
Mit Rad zur ersten Lehrerstelle
Die Jahreshauptversammlung war auch der Ort für die Ehrung langjähriger Mitglieder: 25 Jahre: Ursula Nagel und Ralf Johannes; 40 Jahre: Helmut Hör; 50 Jahre: Hildegard Gebhard, Pia Leineweber-Knoch und Klemens Forler. Einer schönen Tradition folgend erzählten die Jubilare über ihre Erlebnisse in der „Junglehrerzeit“, über die die heutige Generation nur so „schmunzeln“ konnte. So erinnerte Klemens Forler an seine anfänglichen Probleme, von seinem Wohnort in Landau zur ersten Stelle in Neupotz zu kommen. Das Fahrrad durfte er „Gott sei Dank“ im Pfarrhaus von Rheinzabern abstellen. Als sein alter Lehrer und neuer Schulrat Huber dann anrief, und ihn an seinen Wunschort nach Bellheim versetzte, sei dies für ihn sehr erfreulich gewesen. Da man Lehrer brauchte, die an der neuen Hauptschule Englisch unterrichten, lud man die „Freiwilligen“ schon mal zur Weiterbildung nach London ein, erzählte Pia Leineweber-Knoch. Helmut Hör skizzierte seinen Weg vom jungen und selbstbewussten Lehrer, ausgestattet mit den allerneuesten Erkenntnissen in Methode und Didaktik zum älteren Lehrer, der das berufliche Handeln der ’jungen Kollegen’ schon oft kritisch meinte hinterfragen zu müssen. Kreisvorsitzende Gabriele Schneider erinnerte daran, dass man als Lehrergewerkschaft VBE viele Verbesserungen für die Lehrer durchgesetzt habe, wie der Rückblick der Jubilare verdeutlichte.