Kreis Germersheim
Kreis Germersheim: Genuss ohne Plastikmüll
Wer seinen eigenen Becher mitbringt und damit auf einen Wegwerfbecher verzichtet, zahlt weniger für seinen Kaffee to go: Das geht jetzt auch im Landkreis Germersheim. Bisher sind vor allem die Bäckereikette Reuther und kleine Unternehmen in Kandel dabei.
Der Müllberg wächst jeden Tag: Rund 2,8 Milliarden Becher werden alleine in Deutschland pro Jahr für Heißgetränke „to go“ verwendet - und direkt danach entsorgt. Verschiedene Projekte wollen gegensteuern, eines davon ist der „Becherbonus“ der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen. Im Landkreis Germersheim liegt Kandel derzeit vorn. Das ist kein Zufall, schließlich wurde die Kampagne von der Kandeler Agentur Frey & Meute konzipiert. Als Citymanagerin Tschirner davon erfuhr, stand sie am Tag darauf bei den Kandeler Unternehmen in der Tür, von denen sie dachte, dass sie sich beteiligen könnten. Das Interesse sei groß gewesen, sagt Tschirner. Allerdings gebe es gerade bei Bäckereien noch Bedenken wegen der Hygienevorschriften.
Ein, zwei Stammkunden bringen schon Becher mit
„Wir bieten das schon geraume Zeit an“, sagt eine Mitarbeiterin der Aral-Tankstelle mit Blick auf entsprechende Vorgaben des Konzerns. Etwa 80 bis 100 Heißgetränke im Becher gehen wohl pro Tag in der Tankstelle über die Theke. „Ein bis zwei Stammkunden“ hätten schon ihren eigenen Becher dabei, beim Durchgangsverkehr sei das leider noch recht selten. Doch sie bleibt optimistisch: „Es braucht alles seine Zeit.“ Ebenfalls dabei ist Uwes Bistro. Dort schwankt der Verkauf, „mal keiner, mal 30 bis 40 pro Woche.“ Das Bistro befindet sich in Nähe des Arbeitsamts, ensprechend verkürzen sich Wartende die Zeit gerne mit einem Kaffee, auch Bauarbeiter schauen oft vorbei. Nun überlege man, eigene Becher mit eigenem Logo anzubieten, sagt eine Mitarbeiterin.
Der Kaffee wird aus einer Kanne eingegossen
Auf der Suche nach eigenen Mehrwegbechern für ihr Sortiment ist auch Anné-Marie Laffineur von „L’affineur - Café & Pralinerie“. Aber: „Es gibt nicht wirklich was Gutes“ sagt sie kritisch mit Blick auf Becher aus Bambus, Glas oder Metall. Laffineur selbst ist begeisterte Kaffeetrinkerin und geht morgens schon mit einer vollen Porzellantasse aus dem Haus. Der Becherbonus ist „die einzige sinnvolle Alternative“, sagt Jens Reuther, Geschäftsführer der Bäckereikette Reuther. Das Thema Plastikmüll sei schon lange aktuell, „wir müssen uns irgendwie beteiligen“. In den Filialen seien auch vorher mitgebrachte Tassen und Becher befüllt worden, „aber ab jetzt gibt’s Rabatt“. Hygienische Bedenken hat er keine: Der Becher wird vom Kunden ohne Deckel auf ein kleines Tablett gestellt, der Kaffee aus einer kleinen Kanne eingegossen. „Das ist recht simpel erklärt“, lobt er das Informationsmaterial. Außerdem sei alles mit den Lebensmittelbehörden abgestimmt. Aber: „Es werden viel mehr Joghurtbecher als Kaffeebecher verbraucht“, gibt er zu bedenken.
Zur Sache: Der Becherbonus
„’BecherBonus’: eine Initiative zur Abfallfallvermeidung“ heißt es auf der Homepage des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums. Die Idee dahinter: Wer seinen eigenen Mehrwegbecher mitbringt, muss weniger für sein Heißgetränk „to go“ bezahlen - mindestens 10 Cent weniger. In Hessen wurde der Becherbonus März 2016 ins Leben gerufen. Aktuell beteiligen sich hessenweit mehr als 120 Unternehmen mit rund 900 Filialen. In Rheinland-Pfalz will man seit Mitte Mai nachziehen: Es sei sinnvoll, den „BecherBonus“ zukünftig in Rheinland-Pfalz als flächendeckendes Angebot zu etablieren, teilt das Mainzer Ministerium mit. Die Agentur Frey & Meute aus Kandel hatte seit Februar die Kampagne entworfen. Mittlerweile sollen über 370 Filialen dabei sein, sagt Agentur-Inhaberin Marlene Frey. „Da ist jetzt was ins Rollen gekommen“, sagt Frey. „Ich glaube, das wird eine Riesenwelle.“
Kontakt
Auf der Website des Ministeriums bekommen Unternehmen ein kostenloses Paket mit Info- und Werbematerialien. https://mueef.rlp.de, auf „Mehrweginitiative“ klicken.
Der Becherbonus im Kreis
Diese Unternehmen machen im Landkreis Germersheim laut der Liste des Umweltministeriums beim Becherbonus mit. Da die Liste ständig aktualisiert wird, besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit: Bellheim: Bäckerei Reuther, Albert Schweitzer Straße 21, Hintere Straße 43; Lustadt: Bäckerei Reuther, Auf der Weide 26, Obere Hauptstraße 275; Kandel: Aral-Tankstelle, Rheinstraße 128, Bahnhofs-Kiosk Wedekind, Georg-Todt-Straße 2, Gelateria La Rosa Rossa, Hauptstraße 112, Eiscafé Laguna, Hauptstraße 56, Gleis 3 - Nugesser, Georg-Todt-Straße 2b, L’affineur, Hauptstraße 76, Lauras Bistro, Jahnstraße 1a, Uwes Bistro, Saarstraße 97, Zeitschriften-Tabak-Lotto, Hauptstraße 106; Rülzheim: Bäckerei Reuther, Norma, Gutenbergstraße 1a, Mittlere Ortsstraße 99; Bäckerei Heid, Jahnstraße 21; Zeiskam: Bäckerei Reuther Hauptstraße 40 1/2.