Rülzheim Krötenwanderung: Neue Probleme für Verein wegen Straßensperrung
Die Kröten müssen die Straße überqueren, um in ihr Laichgewässer neben dem Strandbad zu kommen. Um den Hundeplatz und den Modellflugplatz zu erreichen, sollten Betroffene ursprünglich Wirtschaftswege der Gemeinde Herxheimweyher nutzen. Auch der Campingplatz sollte darüber angefahren werden können, weil die Brücke an der Zufahrtstraße derzeit erneuert wird. Mitte Februar informierte Ortsbürgermeister Michael Braun über eine Lösung, die er mit der Ortsgemeinde Herxheimweyher und der Verbandsgemeinde Herxheim gefunden hatte. „Wir waren uns sicher, dass wir damit die für alle Beteiligten beste Option realisiert hatten“, sagt Braun.
Doch mittlerweile habe sich die Situation grundlegend verändert, teilt er nun mit. Die Wanderbewegungen der Amphibien sind demnach auch auf der Umleitungsstrecke erheblich. Da im hinteren Bereich um den Badesee und den Angelweiher viele getötete Amphibien gefunden worden seien, habe der Naturschutzverein seinen Suchbereich auf dieses Gebiet ausgeweitet, teilt auch dessen Vorsitzender Karl Jäger mit. Entsprechende Hinweise seien aus der Bevölkerung gekommen und bestätigt worden. Die aktuellen Zahlen und Kartierungen zeigten, dass es in diesem Jahr in dem Bereich erhebliche Wanderbewegungen gebe.
Naturschutzverein bietet Hilfe an
Allein am Donnerstagabend vergangener Woche wurden mehr als 250 Erdkröten auf der Strecke zwischen dem Parkplatz des Hundevereins und der T-Kreuzung gezählt. „Ein einziges Auto hätte hier schon gereicht, um Dutzende Tiere zu töten“, so Jäger. Das liege daran, dass die männlichen Kröten – teilweise für Stunden – auf der Straße auf die Weibchen warten. Im Bereich um den Hundesportverein hat der Verein Jäger zufolge auch mehrere Exemplare der streng geschützten und seltenen Wechselkröte gefunden.
Aus diesem Grund muss die Gemeinde ab sofort analog zur bereits bestehenden Sperrung auch die bisher als Umleitungsstrecke genutzten Wege täglich ab Sonnenuntergang bis 7.30 Uhr sperren. „Leider steht uns hier keine bessere Alternative zur Verfügung, mit der wir unsere rechtlichen Verpflichtungen wirkungsvoll erfüllen können“, erklärt Ortsbürgermeister Braun. Der Naturschutzverein bietet Menschen mit Behinderung, jungen unbegleiteten Frauen oder Sportlern, die Ausrüstung transportieren müssen, Hilfe an – beim Transport, zum Ausleuchten des Weges oder einfach nur als Begleitung. Helfer des Vereins seien jeden Abend vor Ort und könnten jederzeit angesprochen werden, sagt Jäger. Für den Fall, dass mal niemand zu finden sei, reiche eine kurze Nachricht an den Verein: „Wir organisieren Hilfe.“
Verein stellt Verhältnismäßigkeit in Frage
In seiner Mitteilung weist Braun auf das Bundesnaturschutzgesetz hin. Demnach ist es verboten, besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten zu verletzen oder zu töten. „Wir sind als Ortsgemeinde verpflichtet, in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um dies zu verhindern“, so der Bürgermeister. Die Behörde schließt sich der Einschätzung der Gemeinde an: Die Verlängerung der bestehenden Sperrung und Ausweitung nach Norden hält sie „für dringend erforderlich“. Die Argumentation und die Kartierungsnachweise des Naturschutzvereins hätten „fachgutachterliche Qualität“.
Der Verein der Hundefreunde steht nun vor Problemen. Nach der zunächst gefundenen Lösung waren die Trainingszeiten umgestellt worden. „Die nunmehrige Rücknahme dieser Lösung führt erneut zu erheblicher Planungsunsicherheit“, erklärt Vorsitzender Marc Etoll. Man respektiere selbstverständlich die gesetzlichen Verpflichtungen, dennoch stelle sich für den Verein die Frage der Verhältnismäßigkeit. Die vollständige Sperrung beider Zufahrtsmöglichkeiten sei für einen ehrenamtlich geführten, selbstfinanzierten Verein eine faktisch wiederkehrende Einschränkung der Funktionsfähigkeit.
Neben den bereits entstandenen wirtschaftlichen Einbußen betreffe dies die abgesagte Begleithundeprüfung, die Kreismeisterschaft am 19. April sowie den regulären Trainingsbetrieb. Die wiederholten, kurzfristigen Änderungen ohne belastbare Planungsperspektive erschwerten eine verantwortungsvolle Vereinsführung erheblich.
Auch die für Freitag, 20. März, im Vereinsheim geplante Mitgliederversammlung kann nun nicht dort stattfinden. Die Gemeinde hat dafür aber bereits eine Lösung gefunden: Die Versammlung findet nun im Anbau der Dampfnudel statt.