VG Lingenfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Kommunale Wärmeplanung: „Kein Sprint, sondern ein Marathon“

Woher kommt eines Tages die Energie zum Heizen? Diese Frage stellen sich Bürger. Städte und Gemeinden wollen mit der kommunalen
Woher kommt eines Tages die Energie zum Heizen? Diese Frage stellen sich Bürger. Städte und Gemeinden wollen mit der kommunalen Wärmeplanung eine Strategie entwickeln, die als Planungsgrundlage zur Wärmewende dient.

Die Verbandsgemeinde Lingenfeld treibt die kommunale Wärmeplanung voran und lädt die Bürger im August zu Informationsveranstaltungen ein. Was erwartet die Bevölkerung?

Was ist das Ziel der kommunalen Wärmeplanung in der Verbandsgemeinde Lingenfeld?
Ziel der kommunalen Wärmeplanung sei es, den Bürgerinnen und Bürgern Planungssicherheit zu bieten – und zwar in Form einer „kosteneffizienten, nachhaltigen, sparsamen, bezahlbaren, resilienten und treibhausgasneutralen Wärmeversorgung bis spätestens zum Jahr 2045“, sagt Christian Cherie (FWL), Dritter Beigeordneter der Verbandsgemeinde Lingenfeld, auf RHEINPFALZ-Anfrage. Die Wärmeplanung solle den Bürgern eine Orientierung bieten, in welche Richtung sich die Wärmeversorgung und die nötige Infrastruktur entwickeln werden. Die Verbandsgemeinde habe jetzt den Startschuss gegeben. „Doch das Ganze ist kein 50-Meter-Sprint, sondern ein Marathon über die nächsten 15 bis 20 Jahre. Der Prozess wird im Abstand von fünf Jahren kontinuierlich fortgeschrieben“, heißt es aus dem Rathaus der Verbandsgemeinde.

Wie ist der Ablauf der kommunalen Wärmeplanung?
In Deutschland ist jede Kommune verpflichtet, eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen. In der Verbandsgemeinde Lingenfeld ist – wie in anderen Kommunen auch – zuerst einmal eine umfassende Erhebung des aktuellen Wärmebedarfs und der aktuellen Wärmeversorgung angedacht. Diese Analyse schaffe eine solide Grundlage. „In Form eines Maßnahmenkatalogs wird das große Projekt Wärmewende dann in einzelne, übersichtliche Handlungsfelder und Maßnahmen unterteilt, die die Umsetzung erleichtern“, teilt die Verbandsgemeindeverwaltung mit. Ein wichtiger Schritt der Wärmeplanung sei außerdem die Prüfung, welche Versorgungsnetze (Strom und Gas) ausgebaut werden müssen. Die Verbandsgemeinde analysiert gemeinsam mit einem Ingenieurbüro des Weiteren, welche Wärmequellen in welcher Menge und in welchen Gebieten möglich sind (zum Beispiel Wasserstoff und Geothermie) und welche Wärmevollkosten sich aus welchen Erzeugungsmöglichkeiten ergeben. Klar sei allerdings, dass die kommunale Wärmeplanung keine individuelle Energieberatung ersetze. „Dennoch möchten wir den Bürgerinnen und Bürgern eine erste Orientierung bieten sowie unabhängige Anlaufstellen und Informationsangebote aufzeigen“, sagt Thomas Wagner, Projektleiter Wärmeplanung vom beauftragten Ingenieurbüro Muth Engineering (Ludwigshafen).

Welche Bedingungen für die Wärmeversorgung herrschen in der Verbandsgemeinde Lingenfeld und welche Potenziale gibt es?
Aktuell erheben die Verbandsgemeindeverwaltung und das Ingenieurbüro noch Bestandsdaten und führen eine Potenzialanalyse durch. „Um die Unterschiede und Besonderheiten der einzelnen Ortsgemeinden präzise zu erfassen, sind während der Sommerferien nochmals vertiefende Gespräche vor Ort vorgesehen. Diese werden vom beauftragten Planungsbüro Muth Engineering geführt.“ Der Prozess soll bis zu den Informationsveranstaltungen Ende August abgeschlossen sein. „Die Ergebnisse werden anschließend – wie gesetzlich vorgesehen – veröffentlicht, vorgestellt und hoffentlich intensiv diskutiert“, sagt Maximilian Schneider, Klimaschutzmanager der Verbandsgemeinde Lingenfeld.

Ist denn schon eine Wärmewendestrategie für die VG Lingenfeld absehbar?
„Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich dazu noch keine abschließende Aussage treffen – wir müssen zunächst die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung abwarten“, sagt der Klimaschutzmanager der VG. Er verweist jedoch auf das übergeordnete Ziel: Bis 2040 will Rheinland-Pfalz klimaneutral sein. Da die Verbandsgemeinde jedoch Bundesfördermittel erhält, gelte vorrangig das bundesweite Zieljahr 2045. Sobald Bestands- und Potenzialanalysen abgeschlossen sind, will die Verbandsgemeinde mit dem Ingenieurbüro einen konkreten Fahrplan sowie einen Maßnahmenkatalog erstellen. „Fest steht bereits: Die energetische Sanierung und Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in öffentlichen Liegenschaften werden eine zentrale Rolle spielen – ganz im Sinne der Vorbildfunktion der Kommunen“, sagt Maximilian Schneider.

Welche Wärmemittel sind ab wann wo realistisch?
Dazu kann das beauftragte Ingenieurbüro zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen. „Das wird sich aus der Wärmewendestrategie ergeben. Uns ist es wichtig, die zukünftige Wärmeversorgung realistisch zu betrachten. Falls sich Wärmenetze als technisch und wirtschaftlich attraktiv zeigen, ist ein Betrieb erst in frühestens fünf bis zehn Jahren möglich. Da voraussichtlich weder ausreichend Kapazitäten im aktuellen Stromnetz für eine Wärmeversorgung mit hauptsächlich Wärmepumpen noch genug grüner Wasserstoff oder andere grüne Gase kurzfristig zur Verfügung stehen werden, ist unser Ziel einen Technologiemix zu berechnen, der eine realistische Umsetzung ermöglicht“, so Wagner.

Termine

Informationsveranstaltungen zur Kommunalen Wärmeplanung in der Verbandsgemeinde Lingenfeld am Mittwoch, 20. August, 19 Uhr, in der Sängerhalle in Lustadt, Hauptstraße 179a (für Freisbach, Lustadt und Weingarten), am Montag, 25. August, 19 Uhr, in der Goldberghalle in Lingenfeld, Humboldtstraße 9 (für Lingenfeld und Westheim) und am Donnerstag, 28. August, 19 Uhr, im Bürgerhaus Schwegenheim, Am Bahndamm 12 (für Schwegenheim). Eine zweite Veranstaltungsrunde ist für November/Dezember geplant.

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