Knittelsheim
„Knittelsheimer Mühle“ öffnet wieder (mit Bilderstrecke)
An der Kreuzung von Rhein- und Rübenradweg sowie Queichtalradweg, also da wo sich abseits des Kätzeldorfes Fuchs und Hase „gute Nacht!“ sagen könnten, liegt idyllisch zwischen Wald und Wiesen die „Knittelsheimer Mühle“. Die Mühle klappert zwar schon lange nicht mehr, dafür ist das Rauschen der Queich zu vernehmen. Der Wirtschaftsbetrieb des einst sehr beliebten Ausflugslokals ist schon länger eingestellt. Zuletzt wurde das „Waldhaus Knittelsheimer Mühle“ von Barbara Müller nur noch als Hotel geführt. Im Oktober vergangenen Jahres war auch damit Schluss, als sie die Mühle den neuen Eigentümern verkaufte. Die übernahmen das Anwesen im Januar und sind seitdem kräftig am Renovieren.
Die Neuen sind ein Quintett plus: Hanna Neureuther und Marc Dasing mit Sohn Aike, Alice Schubitz und Steven Gaudlitz sowie Esra Kreder mit Töchterchen Moana. Teilweise wohnen sie schon im Haus, die anderen warten darauf, einziehen zu können, wenn auch die letzte Wohnung im Haus bezugsfertig ist. Dazu kommen noch Kreders Partner und Neureuthers Mutter. Die fünf Eigentümer sind zwischen Anfang und Mitte 40 und seit Jahren miteinander befreundet. Kennengelernt haben sie sich in Stuttgart. Dort beziehungsweise im Großraum der Schwabenmetropole haben sie zuletzt alle gelebt und großteils gearbeitet. Wobei Neureuther in Mannheim aufgewachsen ist und Gaudlitz ursprünglich aus Chemnitz stammt.
Mehrgenerationen-WG
Bereits zuvor haben sie zusammengelebt. „Es war vorher eine WG und wird jetzt wieder eine“, sagt Neureuther. Im Hinblick auf die Kinder und ihre Mutter sogar eine Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft. Die Idee hinter dem Vorhaben ist, „leben und arbeiten an einem Ort zu verbinden“. Mit anderen Worten: „Wir wollen auch unseren Lebensmittelpunkt hierher verlegen.“ Und wie sind die Kurpfälzerin und die Schwaben auf Knittelsheim gestoßen? „Über eine Kleinanzeige im Internet“, sagt Schubitz. Ursprünglich hätten sie für ihr Projekt nach einem Aussiedlerhof gesucht, aber nichts Passendes gefunden. „Dann habe ich den Suchbegriff ’Hotel’ eingegeben und – tata! – die ’Knittelsheimer Mühle’ gefunden“, ergänzt Neureuther. Das war vor etwa einem Jahr.
Nachdem die Mühle allen gefallen hatte, fand im April der erste Besichtigungstermin statt. Ein halbes Jahr später folgte der Kauf. Zum Preis machten die neuen Eigentümer keine Angaben. Nur so viel: „Es war ein fairer Preis“, sagt Neureuther. Schließlich sei ja noch einiges zu tun. Da ist nach ihren Angaben zum einen das große Mühlengebäude und das sie umgebende rund 15.000 Quadratmeter umfassende Mühlengelände. Hinzu komme eine etwa genauso große verpachtete Wiesenfläche.
Viel Arbeit
Beim Renovieren unterstützen sie zahlreiche Freunde, Verwandte und Bekannte, erzählen die Fünf. Weil das Anwesen nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen ist, mussten beispielsweise die Pflanzen in der Naturkläranlage geschnitten werden. Schließlich ist geplant, am 1. Mai zu eröffnen.
Allerdings wird es einige Veränderungen geben, kündigen die Fünf an: Zunächst einmal wird es keinen regulären Bewirtungsbetrieb in der gewohnten Form mehr geben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Großküche in der „Knittelsheimer Mühle“ nicht mehr den modernen Anforderungen entspreche, keine Zulassung mehr erhalten würde und ersetzt werden müsste. Und so eine Profiküche sei sehr teuer. Ungeachtet dessen soll es laut Dasing Aktionen geben, zum Beispiel einen Pizza- oder Waffeltag. Der Biergarten werde wieder möbliert und ein Selbstbedienungskühlschrank aufgestellt, so dass die Besucher hier rasten und ihr mitgebrachtes Vesper verspeisen können. Allerdings müsse der Wirtschaftsbetrieb noch genehmigt werden.
Familiär
Ansonsten wollen sie den Beherbergungsbetrieb fortführen. Dafür müssten noch die Zimmer fertig renoviert und nach dem Geschmack der Fünf eingerichtet werden. Für die Gäste, mit Beistellbetten sei Platz für 15 bis 20, werde kein Frühstück bereitgestellt. Vielmehr soll noch eine Küche eingerichtet werden, „die alle Gäste mitbenutzen können. Es geht in Richtung Selbstversorgung“. Zudem müsse noch das Frühstückszimmer im ehemaligen Gastraum hergerichtet werden.
Kulturelle Angebote geplant
Pläne für weitere Veränderungen im Mühlen-Angebot haben die Fünf reichlich. Die studierte Sozialpädagogin und Philosophin Neureuther will zusammen mit Schubitz, einer ausgebildeten Jugend- und Heimerzieherin, Angebote für Kinder machen. Da sie auch ausgebildete Yoga-Lehrerin sei, will Neureuther ab kommendem Jahr auch Yoga-Kurse anbieten. Kreder schweben Kulturveranstaltungen, Theateraufführungen zum Beispiel vor. Deshalb hat die Schauspielerin und Regisseurin nach eigenen Angaben bereits Kontakt zum Chawwerusch-Theater in Herxheim aufgenommen. Zudem denke sie über eine Theaterfreizeit für Kinder und Jugendliche nach. Denn: „Wir wollen einen Begegnungsraum schaffen“.
Diesem Zweck können auch die von Schubitz, Gaudlitz und Dasing geplanten Konzerte dienen. Da sie in Stuttgart mehrere Jahre in der Veranstaltungsbranche gearbeitet hätten, verfügten sie über Erfahrung auf dem Gebiet. Damit Gäste in der Mühle größere Veranstaltungen, Familienfeste etwa, ausrichten können, wird derzeit der ehemalige Stall renoviert. Und damit auch die Kinder auf ihre Kosten kommen, ist geplant, den Spielplatz vis a vis der Mühle zu vergrößern und neu zu gestalten. Dafür wird Dasing verantwortlich zeichnen; er arbeite schließlich bei einer Fachfirma, die Spielplätze herstellt.