Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Kita kämpft mit Ausfällen und verkürzten Zeiten

In Kitas arbeiten viele Erzieher am Limit.
In Kitas arbeiten viele Erzieher am Limit.

Wechsel in der Leitung, viele Ausfälle, frühe Schließungen: Eltern sorgen sich darum, wie es mit der kleinsten städtische Kita weitergehen soll.

Der Elternausschuss der städtischen Kita Kandel schlägt Alarm wegen anhaltender personeller Ausfälle und Einschränkungen im Betrieb. Zwar gab es Gespräche deswegen mit der Stadt, aber die Elternvertreter haben den Eindruck, vertröstet zu werden.

Vor dem Jahreswechsel kündigte die stellvertretende Leitung, erzählt Andreas Tafel, Vorsitzender des Elternausschusses. Eine dauerhafte Nachbesetzung erfolgte nicht. Die eigentliche Kita-Leiterin sei seit längerer Zeit abwesend. Schon im alten Jahr seien aufgrund von Erkrankungen Betreuungszeiten häufig gekürzt worden. „Im neuen Jahr haben wir fast nur noch frühere Kita-Schließungen“, so Tafel. Die Erzieher, die noch da seien, gingen „auf dem Zahnfleisch“ und hätten eine Überlastungsanzeige an den Arbeitgeber gerichtet. „Den Erzieherinnen kann man keinen Vorwurf machen“, betont der Vater. „Sie machen aus der Situation das Beste.“ Letztlich leide aber die pädagogische Arbeit mit den Kindern. Es fänden aus Zeitmangel keine Entwicklungsgespräche mehr statt und die Schlafenszeiten der Kleinen seien beeinträchtigt. Sowohl das Kreis- als auch das Landesjugendamt (LJA) sind über die Situation informiert.

Kein Einzelfall

Die Stadt Kandel stehe regelmäßig mit dem Jugendamt im Austausch, um Lösungen für personelle Engpässe zu finden, heißt es in einem Schreiben des LJA an die Elternvertreter. Beispielsweise durch den Einsatz von Vertretungskräften. Offene Stellen seien aufgrund des Fachkräftemangels aber schwer zu besetzen. Das gilt nicht nur für Kandel, sondern landesweit. „Die derzeitige Situation in der Kita Sonnenschein stellt leider keinen Einzelfall dar.“ Offene Stellen, aber auch kurzfristige Personalausfälle, bedingt durch Krankheit oder Urlaub, können laut Landesjugendamt dazu führen, dass der so genannte Maßnahmenplan mit verkürzten Betreuungszeiten angewendet werde. Der entsprechende Plan der Kita sei dem LJA vorgelegt worden und erfülle, so heißt es in dem Schreiben, die erforderlichen Kriterien.

Kritik am Kita-Management

Für die Kandeler Eltern ist das wenig tröstlich. Dass die Situation vielerorts angespannt ist, mache die Sache umso schlimmer, zumal die Politiker immer wieder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie propagieren, meint Andreas Tafel. Das Vertretungs- und Springerkonzept funktioniere in der Kandeler Kita, die seit rund zwei Jahren in Betrieb ist, nicht. „Wir haben, seit es die Kita gibt, keine stabilen verlässlichen Öffnungszeiten.“ Die Leitung habe mittlerweile dreimal gewechselt. Derzeit übernimmt die Leiterin des Schülerhorts kommissarisch diese Aufgabe. Es fehle ein strategischer Ansatz, ein Konzept, um Ausfälle zu kompensieren, ergänzt Melina Müller vom Elternausschuss. Zwar werde seit März eine Aushilfskraft eingesetzt und die Betreuungszeiten seien aktuell im Normalbereich, die geplante Nachbesetzung einer Vollzeitstelle werde nach Angaben der Eltern jedoch wohl nicht angegangen. Die Kita Sonnenschein sei mit 28 Kindern die kleinste in der Stadt und werde, so der Eindruck der Elternvertreter, stiefmütterlich behandelt.

Stadt dementiert Gerüchte

Der Elternausschuss wünscht sich eine städtische Kita-Strategie und eine transparente Kommunikation mit Vertretern der Stadt und an erster Stelle, dass die Erzieher entlastet werden. Außerdem soll die Stadt klar Stellung zu Gerüchten beziehen, wonach die Kita Sonnenschein und die Kita Wasserturm zusammengelegt werden sollen. In der jüngsten Sitzung des Stadtrats hat Andreas Tafel auf die Probleme und Sorgen der Eltern hingewiesen.

Es werde ein Treffen mit Eltern und Mitarbeitern der Kita Sonnenschein geben, berichtet Bürgermeister Michael Gaudier auf RHEINPFALZ-Nachfrage. „Grundsätzlich stehen wir in engem Austausch über die Situationen in allen städtischen Einrichtungen.“ Den genannten Spekulationen erteile die Stadt eine ausdrückliche Absage. „Unsere Aufgabe ist es alle Varianten für einen bestmöglichen Betrieb der Kita ins Auge zu fassen. Eine Entscheidung zur Sache erfolgt nach Abstimmung mit allen Beteiligten, also auch Kreis- und Landesjugendamt. Dazu wird auch der Elternausschuss mit einbezogen.“ Auf RHEINPFALZ-Fragen zur aktuellen Personal- situation, Überlastung und geplanten Maßnahmen zur Entschärfung ist die Stadt bislang nicht weiter eingegangen.

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