Kreis Germersheim Kirche voll besetzt

Ein Laufsteg in der Kirche.
Ein Laufsteg in der Kirche.

«Kandel». Dieser Einladung sind so viele Menschen gefolgt, dass die Kirche fast bis auf den letzten Platz besetzt war. Bei seiner Begrüßung, die er, wie er gut gelaunt sagte, erstmals auf einem Laufsteg vornahm, machte Pfarrer Arne Dembek wohl auch dem letzten Zweifler klar, dass Mode und Kirche durchaus zusammen passen. Ansonsten hätten er und das Presbyterium, das sich sehr lange mit dieser Frage beschäftigt hatte, der Modeschau nicht zugestimmt. Den Besuchern der Schau wurde wirklich viel geboten. Denn auf dem Laufsteg, der im Hauptgang und den beiden Quergängen der Kirche aufgebaut war, wurden nicht nur historische Kleider sondern zwischendurch auch Mode der Jetztzeit gezeigt. Mit den Kleidern, die im späten Mittelalter getragen wurden, könnte man, so eine ältere Dame, auch heute noch in die Kirche gehen. Trugen die Frauen damals doch über der Unterkleidung ein eng anliegendes, oft vielfarbiges Oberkleid bei dem der Gürtel lose über der Hüfte saß. Gestört beim heutigen Kirchgang hätte vielleicht der tiefe Ausschnitt der damals üblich war. Jedoch schon einige Jahre später, nämlich in der Renaissance, war ein solcher Ausschnitt verpönt. Die langen Kleider lagen zwar nicht mehr eng am Körper, am Hals trug man sie aber fast geschlossen. In Barock- und Rokoko änderte sich die Mode in fast ganz Europa, denn damals trugen die feinen Damen „Robe à la Française“, also Kleider wie sie am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV. zu sehen waren. Zwei solcher prunkvoller mit vielen Fransen und Rüschen besetzten und aus Seide, Atlas und Samt gefertigten Kleider, die einst auch Liselotte von der Pfalz trug, wurden, sehr zur Freude der Besucher auf dem Laufsteg gezeigt. Genäht wurden die vier vorgeführten historischen Kostüme von Claudia Bischoff. Sie hatte sich zuvor über die jeweilige Mode informiert und auch den Stoff für die Kleider besorgt. Zwischen der Vorführung der historischen Gewänder wurde auf dem Laufsteg auch die Frühjahrs- und Sommermode des Jahres gezeigt: Die Kleidung, die Schuhe, der Schmuck, die Brillen. Beteiligt waren dabei das Modehaus Meier, das Schuhhaus Grahn, das Juweliergeschäft Pitrov und Wir sind die Brille Schöttinger. Zwischendurch erfreute Markus Eisel die Besucher mit zwei Liedern und zum Schluss kam noch, zur Überraschung aller Anwesenden, ein Brautpaar auf den Laufsteg und zeigte die modische Bekleidung von Braut und Bräutigam. Am Ende der von Jutta Klein ganz toll moderierten Schau gab es lauten und lang anhaltenden Beifall. Der galt aber nicht nur den Mitwirkenden des Abends und den schon genannten Firmen. Denn danken musste man auch dem Bauhof der Stadt und dem Maler Roth die den Laufsteg errichteten, dem Blumenhaus Roth für den Blumen-schmuck, dem Salon Zimmer, der für die Frisuren zuständig war und einem Atelier aus Karlsruhe, das die beteiligten Damen schminkte.

Farbenprächtig.
Farbenprächtig.
Hochgeschlossen.
Hochgeschlossen.
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