Wochen-spitzen Kerwefeier und die Tradition

Fascht 30 ...
Fascht 30 ...

Feiern von Festen unterliegt einem Wandel. Dieser wird von Generation zu Generation anders gesehen.

Kerwe: Traditionsbruch oder nicht

Nun ist es mal gut. Bricht Rülzheim nun mit einer Tradition, oder war es gar keine Tradition. Fest steht, dass es bei der Kerwe-Eröffnung am heutigen Samstag zuvor keinen Umzug durch das Dorf und auch kein Hochziehen des Kerwekranz’ auf den Mast geben wird. Der Mast erscheint der Gemeinde nicht mehr standsicher genug. Schließlich ist der schon fast 30 Jahre alt – so alt wie die Kerwe nach ihrem Umzug auf den damals neu gestalteten Kerweplatz. Apropos Umzug. Auch der wurde eingeführt, als die Kerwe an neuem Platz eröffnet wurde. Bloß waren es 1993 rund 30 Vereine und Gruppen, die teilnahmen. In jüngster Zeit wurden es jedoch immer weniger. Also haben Kulturgemeinde und Vereine beschlossen, auf den Umzug zu verzichten – vielleicht auch auf den Kerwekranz, bevor der zur Tradition wird?

Die Generationenfrage

Wann wird eigentlich etwas zur Tradition? In der Regel, wenn Gebräuche von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden. Das war bisher so etwa alle 25 Jahre. Doch hat sich das verändert, weil viele Frauen immer später gebären und es von der Geburt eines Elternteils bis zur Geburt eines ihrer Kinder inzwischen durchaus 29 bis 33 Jahre vergehen können. Damit wäre der Umzug und der Kerwekranz keine Tradition. Denn die Kerwe in ihrer bisherigen Form gab es nur 29 Jahre.

Kerwe mit „neie Ferz“

Doch mit der Kerwe wird eigentlich die Kirchweihe gefeiert. Und das hat bestimmt Tradition in Rülzheim, denn schließlich wurde 1498 der Grundstein für die katholische Kirche St. Mauritius gelegt, auch wenn von dieser Kirche nur noch Teile der Grundmauern stehen. Und nur wenige Jahre zuvor, 1492, als Kolumbus Amerika entdeckte – oder zumindest eine Insel davor – wird als Beginn der Neuzeit angesehen. Und damit schlagen wir den Bogen zur heutigen Kerwe, denn die soll nach den Worten von Michael Braun, dem Ortsbeigeordneten, einige Überraschungen bereit halten – als Ersatz für den ausgefallen Umzug und den Kerwekranz. Es wird somit eine Kerwe mit „neie Ferz“ – wie der traditionsbewusste Pfälzer sagt. Also lassen wir uns überraschen. Der traditionelle Fassanstich ist übrigens heute, Samstag, um 18 Uhr. Prost!

Ein schönes Wochenende wünscht Ralf Wittenmeier

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