Kreis Germersheim Keine Wand entspricht Vorschrift
«Minfeld». Die Liste ist lang. 32 Mängel mit unterschiedlichen Bewertungen stellte der Brandschutzsachverständige Rüdiger Günther aus Kandel in der Kulturscheune (Kuschmi) fest. Unter anderem fehlende Fluchtwege, fehlende Beschilderung, fehlende Saugabzüge und Panikbeschläge – die Tür muss mit einem Griff auch in geschlossenem Zustand von innen zu öffnen sein. Es gibt leicht brennbare Materialien in der Scheune, beispielsweise muss die Decke 30 Minuten einem Feuer widerstehen. Und auch die Feuerstelle im Treppenraum (Gasheizung) stelle einen gravierenden Mangel dar, so Günther. „Es sind Grundlagen dabei, die schon bei der Baugenehmigung gefordert wurden“, stellte der Prüfer klar. Auch wenn es jetzt ein Abnahmeprotokoll geben würde, müssten trotzdem alle Forderungen der Baugenehmigung erfüllt werden. Eine Bauabnahme hebt nicht Auflagen in der Baugenehmigung auf, so Günther auf die Frage von Richard Geiler (SPD). Allerdings hätte man gleich nachbessern können. „Hätte ich die Scheune abgenommen, säßen wir nicht hier“, erklärte Günther. Hätte man damals (1988) alle Auflagen erfüllt, wäre eine Ertüchtigung der Scheune nach heutigen Brandschutzbestimmungen sicher einfacher. Nun werde die Umsetzung schwer. So sei eigentlich keine Wand, so wie sie sein soll. Aber es gebe auch Möglichkeiten, manche Fehler auszugleichen. Man müsse sehen, was getan werden muss und welche Maßnahmen dann günstiger seien, so Günther. Eine Genehmigung für eine dauerhafte Nutzung der Küche der Scheune hält Günther für nicht möglich. „Es gibt keine Baubehörde, die dies glaubt, wenn man so eine Halle zur Verfügung hat“, meint der Experte. Denkbar und auf einigermaßen rechtlichen Füßen wäre in Absprache mit der Unteren Baubehörde nach Einleitung von einigen Maßnahmen wohl eine teilweise Nutzung. Einige Mängel müssen schon wegen des Nachbarschaftsschutzes gleich umgesetzt werden. So fehlt eine Brandwand zum Nachbarn. Wolle man die Scheune weiter betreiben, müsse man alles angehen. Allerdings sollte man nicht die Baugenehmigung eins zu eins umzusetzen. Vielmehr sollte ein Konzept erstellt werden, um Dinge zu verändern. Dazu werde dann eine neue Baugenehmigung benötigt. Günther wurde bei zwei Gegenstimmen und vier Enthaltungen vom Rat beauftragt, ein Konzept zu erstellen. Kosten: etwa 7000 Euro. Das Konzept wird im September im Gemeinderat vorgestellt. Dann soll nach Wunsch von Bürgermeister Manfred Foos (Freie Wähler), der seine letzte Ratssitzung leitete, auch über den Vorschlag von Altbürgermeister Clemens Nagel (SPD) diskutiert werden. Der schlug in einem Brief vor, den Nachlass des KuschMi-Vereins, immerhin 10.000 Euro, für die Sanierung der KuschMi bereit zu stellen. Eigentlich war das Geld ausdrücklich zur Förderung der Jugend vorgesehen. Über eine Änderung wolle er jetzt nicht mehr entscheiden, so Foos.