Kreis Germersheim
Kandel: Trotz großer Hitze viele Besucher auf Kräuter- und Ölmarkt
Kandel. Hitze flimmert bei 35 Grad, Frauen tragen Sonnenhüte, Männer tragen große Taschen nebenher, literweise wird erfrischende Hollerbrause und Zitrone-Ingwer-Cocktail geschlürft und mancher Besucher hält seinen Kopf unter den Sprühnebel, der die Kräuter- und Blumenpflanzen erfrischt. „Hier sind immer die nettesten Kunden“, verkündet die Chefin von OeldeVie inmitten ihrer mediterranen Spezialitäten. „Da nehme ich auch in Kauf, dass an solchen Tagen der Absatz nicht so prickelnd ist“. Die Atmosphäre des Marktes loben auch zwei Ehepaare, die aus dem Pforzheimer Raum angereist waren. „Meine Kunden kommen von Mannheim bis Rastatt“, verkündet der Feinkosthändler mit scharfen Grillsoßen und lädt zum Probieren.
Pflanzen sollen nicht in Schottergarten landen
Bei Gärtnerei Götz aus Kuhardt sind dieses Jahr Schleierkraut, die Lilly-Rose und Pflanzen für Bienen besonders gefragt, „immer in der Hoffnung, dass die Pflänzchen nicht im grauen Schottergarten landen“. Bei den reichhaltigen kulinarischen Angeboten probiert ein junges Paar aus Neuburg: „Wir sind Hobbyköche, immer auf der Suche nach neuem Geschmack“. Und auf die Frage, ob sie sich auch das reichhaltige Kunstprogramm dieses Wochenendes in Kandel anschauen, verneinen sie lächelnd: „das ist wohl wie bei gutem Wein, das dauert, wir sind dafür noch zu jung“. Trotzdem finden Besucher auch den Weg zur Foto-Ausstellung im nahen Rathaus, bei der Anke Sommer mit Kennerblick in der Natur viele skurrile Aufnahmen von Bäumen und Früchten zeigt, während Edgar Schloß aus Kandel den Zauber buntschimmernder Libellen beim Liebesspiel eingefangen hat.
„Selbstverständlich gehen wir zu all diesen Aktivitäten dieses Wochenende“, verkünden Barbara und Jürgen Hanß überzeugt. „Wir haben auch schon die Ausstellung in der Georgskirche ,Wir sind Kandel – Kandeler Köpfe im Portrait’ besucht. Unsere Stadt lebt durch dieses Miteinander; das ist auch eine Wertschätzung für all die aktiven Mitbürger“. Ähnliche Meinungen sind öfter zu hören. „Gerade Kandel, das durch diese Samstagsdemo so geplagt ist, muss tatkräftig unterstützt werden“, ergänzt ein Ehepaar aus Ingenheim. Sie schlendern am heißen Nachmittag die Hauptstraße entlang Richtung „art street“, einem Kunstprojekt in einem großen leeren Ladenlokal, in dem 21 Künstler einen Einblick in ihr Schaffen zeigen.
Kunst erobert leeren Raum mit lebhaftem Flair
Initiiert wurde es zur Belebung der Stadt vom Verein für Handel- und Gewerbe, doch erstaunlicherweise haben viele Geschäfte um 16 Uhr bereits geschlossen. Hochbetrieb hat dagegen die Eisdiele gegenüber des Kunstprojektes Hauptstraße 101, so dass auch einige Zufallsgäste nachmittags den Weg in die Ausstellung finden. Die vielseitigen Werke haben mit Malerei, Zeichnungen, Fotografien, Installationen und Skulpturen aus Holz und Metall den leeren Raum mit lebhaftem Flair „erobert“.
Dass der Besuch morgens deutlich besser war, kann die vielen Künstler nicht enttäuschen, immerhin bleibt so Zeit, sich den interessierten Besuchern zu widmen. „Wie kann man einen Cadillac so malen, dass es nach Fotografie aussieht?“, wird Joachim Polke gefragt. „Und wieso malt Wolfgang Heiser erst Bilder, die er dann in Streifen geschnitten miteinander verwebt und verflechtet?“ Viele Künstlerkollegen schätzen hier den gegenseitigen Austausch und trösten sich über das Fehlen von Besucherströmen. „Die kommen vielleicht am Sonntag“, hoffen auch die Marktleute.