Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kandel: Sorge um Zukunft der 200 Jahre alten Linde

Die Schiller-Linde steht im rückwärtigen Teil des Grundstücks. Ihre große Krone wirkt sich im Sommer kühlend aus, das soll nach
Die Schiller-Linde steht im rückwärtigen Teil des Grundstücks. Ihre große Krone wirkt sich im Sommer kühlend aus, das soll nach dem Willen der Ratsmehrheit auch so bleiben. Foto: Iversen

Seit dem Brand in der „Alten Post“ ist das Gebäude in der Hauptstraße 27 Gesprächsthema in Kandel. Nun stand es auf der Tagesordnung des Stadtrates. Dabei ging es nicht um Denkmalschutz, sondern den Naturschutz. Und um einen Baum, der nicht nur einen Garten kühlt.

52 Feuerwehrleute waren in der Nacht auf dem 31. Oktober im Einsatz, als im Obergeschoss der „Alten Post“ ein Feuer ausgebrochen war. Sie konnten verhindern, dass der Brand in dem denkmalgeschützten Gebäude auf benachbarte Häuser übergriff. Doch schon vor dem Großeinsatz stand das Anwesen auf der Tagesordnung des Kandeler Stadtrates. Genauer: Ein alter Baum im rückwärtigen Teil des Grundstücks. Die Fraktion Bündnis 90/Grüne macht sich Sorgen um das Wohl der Schiller-Linde und möchte sie als Naturdenkmal unter besonderen Schutz stellen.

Beim Bauen Wurzeln schützen

Der Baum sei etwa 200 Jahre alt und solle in jedem Fall erhalten werden, erläuterte Norbert Rapp (Grüne). Bei einem Termin vor Ort, gemeinsam mit Kreisverwaltung, Investor und dem Architekten, habe man über die bestehende Bepflanzung auf dem Gelände gesprochen. Dennoch sei nun in vielen Bereichen „alles rasiert“. Er habe „die schlimmsten Befürchtungen“, so Rapp, vor allem wenn eine geplante Tiefgarage gebaut werden sollte. Der große Wurzelbereich der Linde dürfte bei Bauarbeiten nicht beschädigt oder überfahren werden, heißt es auch im Antrag. Deshalb müsse es einen Stammschutz und einen Überfahrschutz geben, sonst riskiere man auch Schäden in der Krone. Der Baum biete im Sommer „Kühlung für umme“, sagte Rapp.

Bei einem Naturdenkmal habe man größere rechtliche Handhabe, um einen Baum zu schützen, sagte Jutta Wegmann (Grüne), Beigeordnete der Stadt Kandel und Kreisbeigeordnete. Die Stadt könne hier Richtung Kreisverwaltung ein wichtiges Votum abgeben. Bisher gebe es in Kandel nur ein Naturdenkmal, eine Kastanie in der Marktstraße.

Verschrecken Vorgaben den Investor?

Andere Ratsmitglieder sahen den Antrag skeptisch. Ihr Tenor: Man wolle den Investor nicht durch strenge Vorgaben verschrecken. Er kenne den Investor nicht und halte es auch nicht für gut, wie dieser mit den Auflagen umgehe, sagte Markus Schowalter (FDP). Aber: „Der Baum steht so, dass ihn kein Mensch sieht.“ Jetzt sei jemand da, „der endlich was macht“. Der Umgang mit dem Baum sei Sache das Investors, „das ist meine persönliche Meinung, auch wenn ich mich damit unbeliebt mache.“ Vor 28 Jahren hätte die Stadt das Gebäude günstig kaufen könne, sagte Ludwig Pfanger (Freie Wähler). Das Gebäude sei in desolatem Zustand, alles sei eingefallen. Auch würde darin übernachtet. „Wir schrecken den Investor ab“, lautete seine Befürchtung. Bei der CDU sah man einen Eingriff in den Grund- und Privatbesitz. „Als Stadt muss man froh sein, dass ein Investor da ist, das sollte nicht von einem Baum abhängig gemacht werden“, argumentierte Gilda Moser (CDU).

CDU-Bürgermeister für Grünen-Antrag

„Es ist eine präventive Maßnahme um den Baum zu schützen“, sagte hingegen der Beigeordnete Michael Gaudier (CDU), „Jetzt haben wir das Heft in der Hand.“ Nicht zuletzt gehe es neben dem Mikroklima auch um die Glaubwürdigkeit, betonte Ulrike Regner (Grüne): Schließlich habe sich die Stadt erst am 3. Oktober öffentlichkeitswirksam an einer Baumpflanzaktion beteiligt.

All das seien kleine Puzzleteile, sagte Bürgermeister Michael Niedermeier (CDU), auch mit Blick auf Diskussionen über Steingärten. „Es geht um ein klimapolitisches Zeichen.“ Wenn das mit den Plänen des Investor vereinbar sei, spreche für ihn nichts dagegen, den Baum unter Schutz zu stellen.

Der Antrag wurde bei 13 Ja-Stimmen, 6 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen angenommen. Entschieden wird allerdings beim Kreis.

Das Anwesen „Alte Post“ ist seit Jahrzehnten nicht mehr bewohnt und steht unter Denkmalschutz. Der Brand hat sichtbare Spuren am
Das Anwesen »Alte Post« ist seit Jahrzehnten nicht mehr bewohnt und steht unter Denkmalschutz. Der Brand hat sichtbare Spuren am Dach hinterlassen. Foto: Iversen
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