Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kandel: Rote Karte für Geschöpf der Nacht

Die Bewohner der Sommerwiese zeigen sich zunächst von ihrer unfreundlichen Seite.  Foto: jopa
Die Bewohner der Sommerwiese zeigen sich zunächst von ihrer unfreundlichen Seite.

Eine überzeugende Leistung boten die Schüler der Theater-AG der Ludwig-Riedinger-Grundschule Kandel unter der Leitung der Lehrerinnen Katja Klosendorf und Kirsten Röber bei ihrer einstündigen Aufführung des Musicals „Geschöpf der Nacht“ von Andreas Schmittberger für ihre Mitschüler der 2. bis 4. Klassen in der Stadthalle.

„Ich habe daraus gelernt, dass man immer nachdenken muss, was man braucht – vor allem Freunde“, sagte der große Zauberer Victor Zackenbarsch nach der Aufführung. Das Musical ist eine Geschichte um das Thema Freundschaft und Ausgrenzung. Die „Schauspieler“ merken letztendlich, dass jeder ein Talent hat, das Respekt verdient und dass man niemanden aus der Gemeinschaft ausschließen sollte. Vielleicht braucht man den zuvor noch Unerwünschten ja doch.

Wohnung auf der Sonnenseite des Lebens wird nicht geteilt

„In unsere Welt voll Sonnenschein, da kommt uns nie ein Fremder rein“, ist der Wahlspruch der Sommerwiesenbewohner Giovanni (eine italienische Ameise), Schleimer (eine Schnecke) sowie Fine und Tine (zwei Bienen). Luzie, das leuchtende Glühwürmchen, will mit ihnen spielen, wird aber verscheucht. Sie machen sich nur über es lustig, sind unfreundlich und überheblich. „Wir haben genug Licht. Wir haben eine Wohnung auf der Sonnenseite des Lebens. Du bist ein Obdachloser. Hau ab, du bist hier unerwünscht.“ Das Ameisenheer und der Bienenschwarm zeigen ihm beim Chorgesang die Rote Karte.

Das Glühwürmchen singt: „Was kann ich dafür, dass ich so anders bin? Was ist denn so Schlimmes an mir? Mein Leben hat keinen Sinn.“ Wenig später erscheint der große Zauberer Victor Zackenbarsch. Er ist unzufrieden. Es gehe ihm schlecht, was er auf eine Winter-Depression in seiner Burg zurückführt. Er zaubert, stiehlt den Wiesenbewohnern das Sonnenlicht und hinterlässt ihnen nur einen Kerzenstummel.

Auch Wiesenbewohner und Zauberer brauchen Freunde

Nach langem Zittern und Fürchten kommt Glühwürmchen Luzie, das „Geschöpf der Nacht“, und wird ihnen helfen. Dafür müssen sie sich auf den Weg zur Burg des Zauberers machen – weit und gefährlich – wie sie meinen. Sie singen: „Hunderttausend Meilen durch die Dunkelheit“, verlassen die Bühne und laufen durch den Saal der Stadthalle – unter Führung der Ameisenkönigin zusammen mit dem Glühwürmchen.

Auf der Burg hadert der Zauberer mit seinem Schicksal. „Hier fehlt mir etwas, ich weiß nicht, was. Ich bin allein, ganz für mich.“ Zunächst lehnt er die Forderung der ankommenden Bienen und Ameisen, ihnen ihr Licht zurückzugeben, ab. Nach dem Bienen-Ameisen-Angriff geht es dem Zauberer auf einmal „so gut wie nie“. Er fragt Glühwürmchen, wer es sei und ob es nicht bei ihm einziehen wolle. So wird ein „Obdachloser“ zum Schlossbesitzer und man hört „Viva Luzie, Viva Victor. Lasst uns feiern.“ Sie entschuldigen sich beim Glühwürmchen: „Es tut uns leid“. Das gemeinsame Lied: „Sole, sole, let the sunshine in“ beendet das Musical und alle Mitschüler fordern eine Zugabe.

Diese gaben die „Schauspieler“ gerne und der ganze Saal sang mit. Hochkonzentriert und fehlerfrei hatten sie das Musical auf die Bühne gebracht, die ein tolles Bühnenbild präsentierte. Dieses hatte die AG in den Projekttagen selber gebastelt. Großartig waren auch die Gesangs-Soli der Hauptdarsteller, aber auch der Chor der Ameisen und Bienen wusste wohl zu gefallen und erntete zwischendurch viel Beifall. Mit Beginn dieses Schuljahres hatte die Arbeit mit dem Musical begonnen.

Nach der Aufführung zu ihren Rollen gefragt, meinte Giovanni, dass ihm diese „italienische“ Rolle gut gefallen habe. „Es waren mehrere Bewerber. Ich wurde dann ausgewählt.“ Lehrerin Klosendorf bestätigte, dass ein Casting in der AG stattgefunden habe und die Gesangsstimme letztendlich entschieden habe. Schnecke Schleimer: „Ich wollte diese Rolle. Lied und Text haben mir gefallen.“ Den beiden Bienen Tine und Fine haben die Lieder gut gefallen. Dabei muss erwähnt werden, dass Fine erst zu Beginn des Schuljahres nach Deutschland gekommen ist und fließend akzentfrei Deutsch spricht. Auch der Ameisenkönigin hat die Auswahl des Liedes und der Sologesang besonders gefallen, während das Glühwürmchen Luzie erst die Rolle der Biene Fine haben wollte. „Dann gefiel mir aber Luzie, weil ich erst beleidigt wurde und dann ihnen helfen konnte. Das fand ich toll.“

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