Kreis Germersheim
Kandel: Gegentrend zum Online-Shoppen
Zum Auftakt der Aktion „Heimatshoppen“ sind am Samstag nicht nur Einkaufslustige nach Kandel gekommen, sondern auch Wirtschaftsminister Wissing und der Landtagsabgeordnete Schweitzer. Ziel ist es, die Menschen zum Einkaufen vor Ort zu animieren. Eine Familie will bis Weihnachten nur in kandel einkaufen.
„Wir lassen uns vom Internet nicht kaputt machen. Kein Trend ohne Gegentrend“, meinte Dirk Kunstmann, Junior-Chef vom Modehaus Meier anlässlich der von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz ins Leben gerufenen und von der VR-Bank und den Sparkassen unterstützten Aktion „Heimatshoppen“ am Samstag in Kandel. Beim Gang durch sein Geschäft sprach er von seinen motivierten Mitarbeitern mit einem fundierten Fachwissen, das sie sich über Schulungen angeeignet hätten und von deren Bezahlung über Tarif.
47 Geschäftsleute machen mit
Die Citymanagerin der Stadt Kandel, Jennifer Tschirner, hatte sich zusammen mit dem Verein für Handel und Gewerbe für das Mitmachen an der Aktion entschieden, um auf die Einkaufsmöglichkeiten vor der Haustür und deren Vorteile gegenüber dem Online-Handel hinzuweisen. „Zudem ist uns der Begriff „Heimat“ allein aufgrund der zahlreichen Demos in Kandel besonders wichtig. Allerdings habe man deshalb auch nicht groß Werbung im Vorhinein bei der Bevölkerung für den Rundgang gemacht.“ Sehr erfreut war sie über die Teilnahme von 47 Geschäftsleuten an der Aktion. So sah man beim Gang durch die Stadt überall auch die Tüten mit der Aufschrift „Ich bin Heimat Shopper“ hängen.
„Nicht nur die großen Städte bieten einiges, sondern auch die Mittelzentren. Da ist Kandel ein sehr attraktives Beispiel, exemplarisch für Rheinland-Pfalz. Deswegen haben wir auch Wirtschaftsminister Volker Wissing hierher eingeladen“ – so der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Pfalz, Jürgen Vogel.
Vor Ort einkaufen ist Erlebnis besonderer Art
Minister Wissing (FDP) nannte das Einkaufen vor Ort ein Erlebnis besonderer Art, das auch wieder an Attraktivität gewinnt. „Du hast die Individualität vor Ort. Du triffst Bekannte, kannst dich unterhalten, kannst dich beraten lassen. Daran müssen wir die Leute erinnern, positive Botschaften senden. Wir müssen erhalten, was die Stadt besonders macht, uns zu Kandels Schönheit bekennen. Das Land steht hinter dieser Initiative der IHK.“
Der Landtagsabgeordnete Alexander Schweitzer (SPD) sprach von einem „tollen Projekt“, während Verbandsbürgermeister Volker Poß sagte: „Wir müssen die örtliche Wirtschaft mit ihrem großen Angebot gemeinsam stärken.“
Mit dem Rad zum Shoppen schont die Umwelt
Dieser Meinung schloss sich auch das Kandeler Ehepaar Dagmar und Manfred Ehrhardt an, das gerade beim Shoppen war. „Die persönlichen Gespräche und die gute Beratung mit verschiedenen Vorschlägen – das haben wir im Internet nicht. Zudem können wir hier mit dem Fahrrad einkaufen, was umweltschonender ist im Gegensatz zur benötigten Logistik und den langen Wegen der Paketdienste.“
Jetzt wird die Kandeler Familie Sarah und Hendrik Krug mit ihren beiden vier- und sechsjährigen Jungen bis Weihnachten ausschließlich in Kandel einkaufen. Sie wurde nach einer Ausschreibung dafür ausgewählt. Auf Instagram lässt sie an ihren Einkaufserlebnissen teilhaben. „Wir zeigen, was man alles in Kandel kaufen kann. Wir zeigen gerne, dass es so geht. Das ist für uns eine willkommene Sache, genau für uns passend.“
Einwurf: Jobs vor Ort sichern
Wie in der RHEINPFALZ AM SONNTAG zu lesen war, haben im vergangenen Jahr 63 Prozent der Rheinland-Pfälzer online eingekauft. Warum machen das inzwischen so viele Leute? Anscheinend ist es nicht nur die jüngere Generation. Aber ist den Online-Käufern nicht bewusst, dass dadurch das Gewerbe vor Ort keinesfalls profitiert? Wenn dann Geschäfte schließen, ist das Jammern wieder groß. Deshalb ist die Initiative der Industrie- und Handelskammer (IHK) sehr lobenswert, und es ist erfreulich, dass Kandels Geschäftswelt dabei ist. Hier konnte man am Samstag erleben, wie wertvoll das persönliche Gespräch, die Beratung mit Fachverkäufern ist. Aber auch das Sichern von Arbeits- und Ausbildungsplätzen vor Ort spielt eine entscheidende Rolle. Man kann nur hoffen, dass diese Aktion das Kaufverhalten mancher Kunden verändert oder sie es überdenken.