Kreis Germersheim
Kandel: Erste Kleidertauschbörse im Jugendzentrum
Am Freitag fand im Jugendzentrum Kandel zum ersten Mal eine Klamottentauschbörse statt. Mit dabei waren Jugendliche und Erwachsene, die untereinander Kleidungsstücke tauschten, beim anderen Passendes entdeckten und dabei viel Spaß hatten.
„Wie findest du den Schal, ist der nicht toll?“, tönt es durch den Raum. Die Teilnehmer der Klamottentauschbörse im Jugendzentrum („Juze“) Kandel probieren und tauschen bereits eifrig die vielen, sich in gutem Zustand befindenden, mitgebrachten Kleidungsstücke und Accessoires. Was der eine nicht mehr braucht, passt und gefällt vielleicht dem anderen und umgekehrt. Auch der Leiter des Jugendzentrums Sigi Berninghaus hat schon eine Mütze und ein T-Shirt gefunden. „Warum nicht mal schauen, was andere haben?“, meint er und erzählt, dass die Idee einer Klamottentauschbörse in einer Gesprächsrunde entstanden sei. 20 Plätze habe man angeboten, sieben Tauschfreudige hätten sich schließlich angemeldet, plus zwei, die einfach Klamotten zur Verfügung stellen wollten. „Für das erste Mal ist das schon okay. Wir haben gesagt, wir probieren es“, sagt Berninghaus und meint weiter: „Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft.“ Deshalb seien nachhaltigkeitsfördernde Projekte umso wichtiger.
„Nachhaltigkeit ist sehr wichtig“
Nachhaltigkeit ist auch für die 24-jährige Angie „sehr wichtig“. Sie geht eher ungern shoppen und bevorzugt Secondhandläden, also Läden, die gebrauchte Ware aus zweiter Hand (englisch „second hand“) verkaufen. Auf ihrem Tisch liegen unter anderem Kleider, Pullover und andere Oberteile. „Manche habe ich mit 13 oder 14 Jahren gekauft, das letzte Mal vor acht Jahren angehabt und die sind dann einfach bis heute durchgerutscht“, erzählt sie.
Sowieso ist die Aktion ein guter Anlass zum Ausmisten nicht mehr passender Klamotten, so auch für Jasmin und ihren Bruder David. „Aus den meisten Sachen sind wir einfach herausgewachsen“, erklären die beiden Teenager. „Mein Schrank ist voll“, meint auch Friederike, und einen Teil ziehe sie nicht mehr an. „Ich hoffe, die Klamottentauschbörse findet noch mehrmals statt, dann bringe ich mehr mit als dieses Mal“, sagt sie schmunzelnd.
Kleid und zwei Hosen entdeckt
Doch der Fokus liegt auf dem Tausch von Kleidungsstücken, was also nicht nur die Möglichkeit bietet, zu verschenken, sondern auch, selbst bei den anderen zu stöbern und Passendes zu finden. Caro ist dabei sehr erfolgreich, nach einer Weile hat sie schon ein schwarzes Kleid und zwei Hosen entdeckt. Auf ihrem eigenen Tisch liegt „alles, was sich so angesammelt hat“. Shoppen gehe sie „nur wenn es sich ergibt und nicht einfach nur so“. Es gebe ja genug Kleidung, man müsse nicht immer gleich Neues kaufen – ihre bisherigen Tauschgeschäfte sind das beste Beispiel dafür.
„Ich finde es krass, wie der Kleiderkonsum durch die Decke gegangen ist“, meint Monique. „Wir sollten alle etwas für Nachhaltigkeit tun“. Sie selbst kaufe, sofern es geht, nur noch Secondhandkleidung. In ihrem Angebot finden sich vor allem Klamotten, die ihr nicht mehr passen oder „die nicht mehr so altersgemäß sind“. „Wir haben heute ein super gemischtes Publikum, das ist toll“, ergänzt sie.
Kleine Änderungen erfolgen sofort
Im „Juze“ sei sowieso „immer etwas los“, stellt die stellvertretende Leiterin Tanja Meyer fest. Ihre Aufgabe ist diesmal mit Nadel, Faden und Nähmaschine kleinere Änderungen an den Kleidungsstücken vorzunehmen – etwas, das sie offensichtlich gut kann, denn „mein heutiges Outfit habe ich mir gestern Morgen selbst genäht“, erzählt sie stolz.
Die Stimmung im „Juze“ ist gut. Ein dazu passendes Schlusswort zur Klamottentauschbörse findet Teilnehmerin Ellen: „Es ist spannend und macht viel Spaß!“