Kreis Germersheim
Kandel: Bei Christkindel-Markt auf Tiertransporte aufmerksam gemacht
Wer am Samstagabend über den Christkindel-Markt in Kandel schlenderte, konnte auf eine Gruppe Kinder und Jugendlicher treffen, die auf ein für sie ganz wichtiges Thema aufmerksam machten. Etwas abseits der Glühwein- und Bratwurststände hielt der Verein „Schüler für Tiere“ eine Mahnwache, um über Missstände beim Tiertransport aufzuklären.
Die Aktion heißt „Light the Sky“. Die Gruppe zündet Kerzen für Tiere an: „Mit den Lichtern wollen wir den Tieren auf den Transporten gedenken“, so Sabine Luppert. Sie hat 2009 mit Andreas Luppert den Verein gegründet. Doch die Lichter haben nicht nur symbolische Bedeutung. Nach Einbruch der Dunkelheit beleuchten sie Fotos von Tiertransporten, die auf einem Tisch ausgelegt sind.
Bunter Spielzeuglaster mit Tieren
Diese Bilder stehen im starken Gegensatz zu einem bunten Spielzeuglaster, der ebenfalls auf dem Tisch steht und mit niedlichen Tierfiguren beladen wird. „Wir wollen damit aufzeigen, wie grotesk solche Spielzeuge eigentlich sind. Millionenfach werden Tiere unter schlimmsten Bedingungen auf solchen Lastern transportiert. Tiertransporte werden durch sowas verharmlost“, sagte Andreas Luppert. Daher sei die Aufklärungsarbeit auch so wichtig. Er und seine Frau stellen klar, dass es der Gruppe nicht um Indoktrination gehe. „Wir wollen aufklären und informieren. Die Kinder müssen letzten Endes selbst entscheiden, was sie für richtig halten.“, ergänzte Sabine Luppert.
Kinder werden Vegetarier
Viele Kinder, die dem Verein beitreten, werden aber Vegetarier. So auch die 13-Jährige Jule, die seit acht Jahren dabei ist. Sie ist durch ihre große Schwester auf den Verein aufmerksam geworden und hat schon bei diversen Aktionen mitgemacht. Dadurch wurde sie auf Missstände bei Tiertransporten aufmerksam und ist jetzt seit eineinhalb Jahren Vegetarierin. Es ist ihr wichtig, andere aufzuklären: „Wir wollen die Leute darauf aufmerksam machen, dass die Tiere während dem Transport leiden müssen“, sagt sie. Der ebenfalls 13-Jährige Jannis ist vor zwei Jahren dem Verein beigetreten. Sabine Luppert war damals seine Lehrerin an der IGS Kandel. Durch sie ist er auf „Schüler für Tiere“ aufmerksam geworden. Er war zu dem Zeitpunkt bereits Vegetarier. Für ihn war es ein logischer Schritt, sich in einem Verein für Tierrechte zu engagieren. Insgesamt hat der Verein etwa 25 aktive Mitglieder, die regelmäßig bei Aktionen dieser Art mitmachen. Ihr Alter reicht dabei von 5 bis 67.
Positive Reaktionen
Bei Aktionen wie „Light the Sky“ würden die Leute in der Regel äußerst positiv auf das Engagement der Kinder reagieren, sagte Sabine Luppert. „Viele finden das toll, dass sie sich für Tierrechte einsetzen. Gerade bei so schlechtem Wetter wie heute hätten die Kinder ja auch zu Hause im Warmen bleiben können“, sagt sie. Auch ihr eigentliches Anliegen findet immer mehr Zuspruch. „Es hat ein Umdenkprozess eingesetzt, die Leute haben immer mehr Verständnis für dieses Thema“, so Andreas Luppert. Negative Reaktionen, wie beispielsweise der Vorwurf man würde doch übertreiben, gäbe es zwar immer noch, doch sei dies in den letzten Jahren deutlich weniger geworden.
Neben der Aufklärungsarbeit sammelt der Verein an diesem Abend auch Spenden und verkauft selbst gemachte Marmelade und Hundekekse an seinem kleinen Stand. Die Einnahmen gehen an „Animals' Angels“, eine Tierschutzorganisation, die sich unter anderem für eine Verbesserung der Transportbedingungen und für ein Verbot von Langstreckentransporten einsetzt.
Veganer Festtagsbraten
Neben dem Tierschutz spielen bei „Schüler für Tiere“ auch der Umweltschutz und soziales Engagement eine wichtige Rolle. So möchten Andreas und Sabine Luppert am 24. Dezember alleinstehende Personen zum Weihnachtsessen einladen, damit diese Heiligabend nicht alleine verbringen müssen. Es soll einen veganen Festtagsbraten geben. Beiden ist klar, dass nur wenige Menschen ganz auf Fleisch verzichten wollen. Doch es sei bereits ein Schritt in die richtige Richtung, wenn man den Konsum etwas reduziert und Fleisch aus der eigenen Region kauft, so die beiden.