Bellheim RHEINPFALZ Plus Artikel Jäger schlagen Alarm: Hunde hetzen mehrere Rehe

Rehkitze sind leichte Beute für Hunde und Landmaschinen.
Rehkitze sind leichte Beute für Hunde und Landmaschinen.

Sechs Rehe wurden in diesem Jahr rund um Bellheim von Hunden gerissen, berichten zwei Jäger. Ihre Kritik und ihre Bitten an Hundehalter.

Der Hund ist bekanntlich des Menschen treuester Freund. Doch auch ein gut erzogener Wauwau kann zum Raubtier werden, wenn er Witterung aufnimmt, der Jagdtrieb von ihm Besitz ergreift und er, weil nicht angeleint, losstürmt, um zum Beispiel ein Reh zu hetzen oder gar zur Strecke zu bringen. Das ist in den vergangenen Monaten wiederholt um Bellheim geschehen, berichtet Jäger Andreas Meyer. Während er erzählt, legt er Bilder von zwei offensichtlich gerissenen toten Rehen mit Bauchverletzungen auf den Tisch. Nicht nur ein Foto zeigt reichlich unappetitlich ein Reh, das im Gras liegt mit aufgerissenem Bauch und herausquellenden Gedärmen. Da die Wunde größer ist und das Tier auch erst einige Tage nach seinem Tod gefunden wurde, geht Meyer davon aus: „Da war wohl auch der Fuchs dran.“ Das erste, nicht ganz so schlimm zugerichtete Reh wurde laut Meyer am 2. Juli entdeckt und das zweite am 29. November.

Dieses bei Bellheim gefundene Reh wurde laut Jäger von einem Hund gerissen.
Dieses bei Bellheim gefundene Reh wurde laut Jäger von einem Hund gerissen.

Meyer schließt anhand der Verletzungen der Rehe aus, dass sie von einem Wolf gerissen wurden. Denn im Gegensatz zum Hund gehe der Wolf Rehen an die Kehle, um sie zu töten, und nicht an die Bauchpartie.

Schicksal unklar

Darüber hinaus berichtet Meyer von einem dritten Fall, der sich in der dritten November-Woche zugetragen haben soll. Eine Passantin habe beobachtet, dass ein weißer Schäferhund bei Bellheim ein Reh gejagt und angefallen hat. Der Fall sei auch in den Akten der Polizei. Das Reh habe dann zunächst ruhig dagelegen, sei berichtet worden. Als er mit einem Jägerkollegen zu der Stelle gekommen sei, wo das Reh gelegen haben soll, sei es jedoch nicht mehr da und auch nicht mehr zu finden gewesen. Deshalb wisse er nicht, was mit dem Reh geschehen ist. Ob es noch lebt oder sich verletzt irgendwo hingeschleppt hat und dort verendet ist. Der Halter des besagten Hundes habe indes nicht ermittelt werden können.

Die Zahl der von Hunden gerissenen Tiere sei mit zwei seit einigen Jahren konstant, sagt Meyer. Sein Bellheimer Revier, der Jagdbogen 1, erstrecke sich halbkreisförmig von der Bahnlinie gen Rülzheim im Süden Bellheims in Richtung Knittelsheim und weiter zum Waldgebiet zwischen Bellheim und Zeiskam. Meyer appelliert an Hundehalter, ihre Vierbeiner anzuleinen. Denn zum einen bedeute eine Hetze für ein Wildtier erheblichen Stress, der für dieses auch dann böse Folgen haben könne, wenn die Jagd für den Hund erfolglos bleibe. Bisher sei es noch nicht gelungen, eines solchen Hundehalters habhaft zu werden. Es gebe zwar Verdachtsmomente, aber keine stichhaltigen Beweise. Hundehalter würden zwar immer wieder angesprochen auf ihr Fehlverhalten, aber oft fehle es an Einsicht.

Ein Hinweis

Meyers Kollege Sebastian Kraus spricht sogar von vier gerissenen Rehen in diesem Jahr, je zwei im Norden Bellheims in Richtung Westheim und auf den Holzwiesen gen Zeiskam. Solche Fälle gebe es Jahr für Jahr, eine Statistik führe er aber nicht. Er kritisiert wie Meyer, dass viele ihre Hunde frei laufen lassen, sogar in der Brut- und Setzzeit. „Da kannst Du sagen, was Du willst.“ Unverständlich ist für Kraus auch, dass viele Hundehalter nicht auf den zahlreichen Wegen blieben, sondern über die Äcker und Wiesen liefen, wo sie Pflanzen zertreten und Tiere aufscheuchen könnten. Er erzählt von einem Landwirt, der einen Mann beobachtet hat, der seine Hunde von der Leine ließ, als sich im Süden Bellheims ein Rudel Rehe zu einer Gruppe formierte, um sich eng zusammenstehend vor der Kälte zu schützen. Leider sei es weder gelungen, rechtzeitig vor Ort zu sein, noch den Mann zu identifizieren.

Bei dem von ihm angesprochenen Gelände am Waldrand im Norden handelt es sich laut Kraus, der auch Ortsbeigeordneter ist, um eine Ausgleichsfläche für das nahe gelegene Neubaugebiet. In der Schutzfläche befänden sich auch seltene Tier- und Pflanzenarten. Dennoch würden dort viele Hunde ausgeführt, teils von Leuten von weiter her. Zwecks Artenschutz sei die Fläche dann eingezäunt worden. Doch auch das könne Hundebesitzer nicht davon abhalten, die Fläche zum Gassigehen zu nutzen. Schäden am Zaun und an Zauntoren seien die Folge. Um Verständnis für die Schutzfläche zu wecken, sollen in den nächsten Wochen Hinweisschilder dort aufgestellt werden. Laut Kraus bekommen Hundehalter oft gar nicht mit, was ihre Vierbeiner im hohen Gras oder auf einem bewachsenen Acker anrichten. Teilweise würden sie Eiergelege räubern und/oder zerstören, teilweise aber auch junge Rehe aufstöbern.

Das junge Reh darf keinen Menschengeruch annehmen. Deshalb Handschuhe tragen und zusätzlich mit Gras schützen.
Das junge Reh darf keinen Menschengeruch annehmen. Deshalb Handschuhe tragen und zusätzlich mit Gras schützen.

Drohneneinsatz

Dabei seien gerade Rehkitze besonders gefährdet, sagt Meyer. Denn wenn sie von einem fremden Tier oder gar Mensch berührt würden, dann würden sie vom Muttertier nicht mehr angenommen, was das Todesurteil für die Kitze bedeute. Wenn Wiesen und Felder teils auch mit Hilfe von Drohnen abgesucht werden, würden die Rehkitze, um sie vor Mähmaschinen zu schützen, für kurze Zeit beiseitegeschafft. Dazu würden sie nur mit Handschuhen angepackt, ehe sie nach getaner Landarbeit zurückgebracht werden, damit sie vom Muttertier wieder gefunden werden.

Beide Jäger appellieren an Hundehalter, im Wald sowie auf Wiesen und Feldern ihre Tiere anzuleinen und auf den Wegen zu bleiben. Das gelte insbesondere für die Brut- und Setzzeit, um die Tiere und ihren Nachwuchs nicht zu stören, sie am Leben zu erhalten. Meyer ist bewusst, dass auch ein sonst gut hörender Hund mal vom Jagdtrieb gepackt werden und ausbüxen kann. Falls so etwas passiert, ein Wildtier zu Schaden kommt, bittet er darum, die Jäger zu verständigen. Dann gehe es in erster Linie ums Wohl des Tieres und nicht darum, jemanden anzuzeigen. Meyer weist aber auch darauf hin: Wenn ein Hund für sich einen Jagderfolg verbuchen kann und ein Wildtier gerissen hat, dann hat er Blut geleckt, dann wird er zum Wiederholungstäter. Und das gelte es zu verhindern.

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