Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Investor für ehemaliges CJD-Gelände gesucht

Blick auf das Hauptgebäude auf dem ehemaligen CJD-Gelände.
Blick auf das Hauptgebäude auf dem ehemaligen CJD-Gelände.

Ein interessantes Quartier soll aus dem ehemaligen CJD-Gelände werden. Die Voraussetzungen sind nach Ansicht der Experten gut. Aber einige Hürden sind noch zu nehmen.

Wohnen, Gesundheit, Gastronomie und Boarding – das sind die erfolgversprechendsten Nutzungsmöglichkeiten für das ehemalige CJD-Gelände, das seit Ende 2024 im Besitz der Stadt ist. Die Nachfrage nach Büroflächen ist derzeit gering, sie sollen auf dem gut 13.500 Quadratmeter großen Areal keine Rolle spielen. Zu diesem Ergebnis kommt die Analyse der Werkgemeinschaft Landau. Das Architekturbüro war von der stadteigenen Grundstücksverwertungsgesellschaft (GVG) mit einer vertiefenden Studie über die Nutzungsmöglichkeiten des ehemaligen CJD-Geländes beauftragt worden. Im Ausschuss für Stadtentwicklung und Bauen stellte Jean-Philippe Maul von der Werkgemeinschaft die Ergebnisse der Studie vor.

Sie bekräftigt den von der Stadt gewünschten Nutzungsmix, zu dem auch der frühere Besitzer Christliches Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) gehört. Mit ihm hatte man sich schon im Vorfeld auf ein Mietverhältnis geeinigt. Von den rund 12.000 Quadratmetern Nutzfläche, die auf dem Gelände zur Verfügung stehen und früher vom CJD genutzt wurden, hat das Bildungs- und Sozialunternehmen rund 2000 gemietet.

Experte sieht viel Entwicklungspotenzial

Die Studie ist der nächste Schritt, um das Gelände „Östlich der Rheinstraße“, wie es laut des in Aufstellung befindlichen Bebauungsplans offiziell heißt, zukunftsfähig zu machen. Ende vergangenen Jahres hatte bereits das Planungsbüro BBP aus Kaiserslautern die städtebauliche Planung vorgelegt. Demnach soll in dem urbanen Gebiet auch der Naturschutz nicht zu kurz kommen. Das bestätigte auch Jean-Philippe Maul, der den Erhalt der „parkähnlichen Struktur“ im Zentrum des Geländes empfiehlt. Ansonsten sieht Maul viel Entwicklungspotenzial in dem Gelände, allein schon wegen der Lage direkt am Rhein und der günstigen ÖPNV-Anbindung.

Dank der Lage direkt am Rhein sei das Gelände laut Analyse für auch für Gastronomie-Betriebe interessant.
Dank der Lage direkt am Rhein sei das Gelände laut Analyse für auch für Gastronomie-Betriebe interessant.

Für Läden eignet sich in erster Linie das Erdgeschoss des großen Gebäudes. Denkbar seien auch noch Gewerbeansiedlungen im ersten Obergeschoss, falls die Nachfrage entsprechend groß ist. Ansonsten soll vor allem Wohnraum entstehen. Wobei laut Studie die offene Skelettbauweise ganz unterschiedliche Wohnnutzung erlaubt. Maul nannte sowohl freies und gefördertes Wohnen als auch betreutes Wohnen. Insgesamt sind zwischen 62 und 84 Wohnungen sowie 4 bis 9 Gewerbeeinheiten vorstellbar.

Wie sich das letztendlich verteilen wird, ist abhängig von den Vorstellungen eines möglichen Investors, ohne den es nicht gehen wird. Die GVG ist bereits auf der Suche nach einem solchen Investors. Durch die Gestaltung der Verträge und Rahmenbedingungen könne die Art der Ausgestaltung beeinflusst werden, teilt die Stadt in diesem Zusammenhang mit.

Gastronomie direkt am Rhein

Aus dem Komplex sticht das sogenannte Haus 5 heraus. Es ist deutlich flacher als die anderen Gebäude. Bei ihm empfiehlt Maul eine Aufstockung um zwei Stockwerke. „Dieses Haus liegt auf der Rheinseite, hier ist sehr gut ein Gastronomiebetrieb vorstellbar“, sagte Maul. Denkbar sei hier auch eine Außenterrasse. Ein weiterer Vorschlag ist ein Boardinghaus. Mit Boarding ist das Angebot von Übernachtungsmöglichkeiten gemeint, die meist wie ein Hotel, aber ohne Rezeption funktionieren. In sogenannten Boardinghouses bucht man die Zimmer oder Apartments online und erhält Zugang über einen Code.

Für das in den 1920er Jahren gebaute Haus 1 wird ein eigener Investor gesucht.
Für das in den 1920er Jahren gebaute Haus 1 wird ein eigener Investor gesucht.

Mit Kurt Ertel gibt es bereits einen Investor für einen Teil des Grundstücks. Der ehemaligen Chirurg aus Neuburg hat von der Stadt ein Grundstück im südlichen Teil des CJD-Geländes erhalten, auf dem derzeit noch eine große Baracke steht. Diese wird abgerissen, um Platz für eine Hausarztpraxis, eine Praxis für Arbeitsmedizin sowie eventuell weitere medizinischen Einrichtungen zu schaffen. Die zweite Baracke, die weiter städtisches Eigentum ist, soll ebenfalls abgerissen werden. Dort soll laut Maul ein weiteres Wohnhaus gebaut werden.

Aus der Analyse herausgenommen ist auch das an der Rheinstraße gelegene Haus 1, der imposanteste Bau auf dem Areal. Für das aus den 1920er Jahren stammende Haus gibt es laut Stadt bereits Pläne, mit einem weiteren Investor Wohnungen einzurichten.

Zu wenig Platz für Parkplätze

Bei so vielen geplanten Wohnungen stellt sich die Frage nach den Parkplätzen. Das sei tatsächlich ein Problem, sagte Maul. Er zeigte verschiedene Möglichkeiten, wo auf dem Gelände überall Pkw-Stellplätze eingerichtet werden könnten. Mindestens 177 Parkplätze werden gebraucht, für so viele gibt es in keinem Fall Platz. Die Idee ist deshalb, eine auf der anderen Straßenseite liegende Fläche zu erwerben, um dort die Parkplätze einzurichten. „Die Fläche ist in Privatbesitz. Mit dem Inhaber hat es bereits Gespräche gegeben“, sagte der für die GVG zuständige Beigeordnete Jürgen Weber (CDU). Der Ausschuss billigte die Pläne, stimmt nun der Stadtrat noch zu, soll die GVG ermächtigt werden, das Gelände als Einheit anzubieten und mit möglichen Investoren zu verhandeln.

Die mit der Analyse beauftragte Werkgemeinschaft hat die denkbaren Nutzungsmöglichkeiten visualisiert. Ob es aber tatsächlich so
Die mit der Analyse beauftragte Werkgemeinschaft hat die denkbaren Nutzungsmöglichkeiten visualisiert. Ob es aber tatsächlich so kommen wird, ist noch offen.
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