Wörth In Kiste ausgesetzt: Wie es der Katzenfamilie jetzt geht
Das Wochenende war fast vorüber, da machte ein Mann am Sonntagabend vorige Woche im Wörther Industriegebiet eine traurige Entdeckung: In einer Plastikbox kauerte eine Katzenmama mit ihren vier Babys. Sie waren offenbar ausgesetzt worden. Er übergab sie der Polizei. Die Beamten ermitteln seither wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und veröffentlichten ein Foto der auffälligen Kiste, in der die Tiere gefunden wurden.
Hinweise von Zeugen seien bislang keine eingegangen, sagt ein Polizeisprecher nun auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Mittlerweile hat sich auch die Tierrechtsorganisation Peta eingeschaltet. Um den Fall aufzuklären, setzen die Tierschützer eine Belohnung von 500 Euro aus, „die zur rechtskräftigen Verurteilung der tatverantwortlichen Person oder Personen“ führen.
Familienzimmer steht bereit
Der Mutterkatze und den Kitten geht es gut, sagt Desiree Wabner vom Tierheim „Terra mater“ in Lustadt. Dort sind die Fundtiere untergekommen. Sie hatten anfangs einen leichten Schnupfen und sind erstmal in die Quarantänestation eingezogen. Die Mama sei außerdem sehr gestresst gewesen. Die Babys sind vier bis fünf Wochen alt, sagt die Leiterin der Tierauffangstation: „Die sind so süß und freundlich.“ Wenn alle Symptome weg sind, dürfen Mutter und Kinder in ein Familienzimmer umziehen und dort unter sich bleiben.
Die Zahl der abgegebenen oder ausgesetzten Tiere nehme leider zu, sagt Desiree Wabner. Mit der Urlaubszeit habe das nichts zu tun: „Es ist ein ganzjähriges Problem.“ Als Gründe nennt sie gestiegene Lebenshaltungskosten und höhere Tierarztpreise. „Wir haben vermehrt Anfragen, weil Menschen sich die Tiere nicht mehr leisten können.“ Um die 60 vermittelbare Katzen wohnen momentan im Lustadter Tierheim.
Krankenstation für Katzen
Derzeit werde eine eigenen Krankenstation für Katzen eingerichtet. Gäbe es diese schon, wären die Katzenmama und ihre Jungen wahrscheinlich erstmal dort untergekommen, sagt Wabner. Mit acht Wochen werden die Kätzchen geimpft und gechipt. Wenn alles nach Plan laufe und neue Zuhause für die Tiere gefunden werden, dürfen sie um die zehnte Lebenswoche ausziehen. Die Namen der Kleinen dürfen dann natürlich die neuen Besitzer aussuchen. Die Katzenmama hat das Tierheim-Team Jenna getauft.
Landesweit steigen die Zahlen der ausgesetzten Tiere. Laut Anna-Lena Busch, Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes Landesverband Rheinland-Pfalz, treffe hauptsächlich Katzen dieses Schicksal. Das Aussetzen eines Haustieres kann in Verbindung mit Tierquälerei als Straftat eingestuft werden. Allein das Aussetzen eines Haustieres gilt als Ordnungswidrigkeit und kann mit bis zu 25.000 Euro geahndet werden.
„Wir möchten helfen aufzuklären, wer die Katzenfamilie einfach in einer Plastikbox ausgesetzt und damit ihren Tod billigend in Kauf genommen hat“, so Björn Thun, Fachreferent bei Peta zu dem Fall in Wörth. Die Tierschützer von Peta setzen regelmäßig Belohnungen in Fällen von misshandelten oder ausgesetzten Tieren aus, um eigenen Angaben zufolge bei der Ermittlung der Verantwortlichen zu helfen. Von der Belohnung im Wörther Fall wusste die Polizei bislang nichts.
Info
Hinweise zu dem Inhaber der Kiste oder sonstige Zeugenbeobachtungen nimmt die Polizei unter Telefonnummer 07271 92210 oder per E-Mail an piwoerth@polizei.rlp.de entgegen. Auch die Tierrechtsorganisation Peta bitte um Hinweise per E-Mail oder unter der Telefonnummer 0711 8605910.