Erlenbach
Immer im Einsatz für Erlenbach: Lothar Pfalzgraf wird 80
Viele Erinnerungen werden wachgerufen. Immer wieder, wenn Lothar Pfalzgraf an Erlenbach denkt und daran, wie sich der Ort in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat. Und das ganz bestimmt nicht nur an seinem 80. Geburtstag. Denn der Ur-Erlenbacher stand zwei Jahrzehnte lang als Ortsbürgermeister an der Spitze der Gemeinde. In Erlenbach, das heute um die 760 Einwohner zählt, kennt man sich und weiß, an wen man sich wenden muss, wenn man ein Anliegen hat. Lothar Pfalzgraf kannte das schon aus seinem Elternhaus, war sein Vater Richard ihm in mancherlei Hinsicht doch ein großes Vorbild. Schon er war Ortsbeigeordneter. Viele Gespräche am Tisch drehten sich um das Dorfgeschehen.
35 Jahre in der Kommunalpolitik haben Kraft gekostet
Der Weg für Sohn Lothar war damit vorgezeichnet: Er ging zur Freiwilligen Feuerwehr, war bald Wehrführer, wurde in den Ortsgemeinderat gewählt, dann zum Beigeordneten, ein Amt, das er fünf Jahre lang ausübte, bevor er Ortsbürgermeister wurde und es mehr als 20 Jahre lang blieb. Die 35 Jahre in der Kommunalpolitik hätten viel Kraft gekostet, sagt er heute und überlegt, ob er das alles nochmal auf sich nehmen würde. Denn ganz nebenbei, vertrat er auch die Interessen seines Dorfes 30 Jahre lang im Kandeler Verbandsgemeinderat und war zehn Jahre lang zweiter Beigeordneter der Verbandsgemeinde Kandel.
Eine mit viel Eigenleistung erbaute Grillhütte, der Neubau des Bürgerhauses und der Storchenbrunnen stehen in seiner Bilanz – unter anderem. Nachdem die Einwohnerzahlen nach dem Zweiten Weltkrieg stark zurückgingen, bot man vielen Menschen in den Neubaugebieten „Am Eselspfad“ oder „Im Storchennest“ wieder eine neue Heimat. Aber Lothar Pfalzgraf war nicht nur Kommunalpolitiker mit Leib und Seele, tatkräftig unterstützt durch seine Frau Irene, die ihm so manche Aufgabe abnahm. „Ohne ihre Unterstützung wäre vieles nicht so gegangen“, gesteht er heute. „Sie hat mir immer den Rücken frei gehalten und viele Aufgaben abgenommen, vor allem am Schreibtisch“, zeigt sich Pfalzgraf heute sehr dankbar.
Torhüter und Chorsänger mit Chorleiter-Diplom
Pfalzgrafs Interesse galt schon seit früher Jugend dem Chorgesang. Kein Wunder, war ihm auch dabei sein Vater Richard ein Vorbild, nicht nur als Vereinsvorsitzender des Gesangvereins, den es heute nicht mehr gibt, was der Jubilar sehr bedauert. „Ja, der Gesangverein und die Singstunden, die ich 60 Jahre lang besucht habe, fehlen mir wirklich“, gesteht er ein. Das ist verständlich für einen, der als junger Mann mit dem Singen begann, obwohl er zunächst mehr Interesse am Fußball hatte und für seinen Verein auch das Tor hütete, bald das Chorleiter-Diplom erwarb, zeitweise drei Chöre leitete, ganz lange auch den Chor im eigenen Dorf. Dessen Vorsitzender war er zuletzt auch noch.
Aber die Zeiten hätten sich geändert, und auch die Menschen, meint Pfalzgraf, der als Landwirt und Gemüsebauer oft und gerne tagsüber an der frischen Luft war. Auch heute ist er gerne unterwegs, geht mit seiner Frau Irene, mit der er seit 55 Jahren verheiratet ist, zum Seniorennachmittag im Dorf, der ehrenamtlich organisiert wird. Auch wenn er mal genauer hinhören muss, „schließlich ist man ja nicht mehr der Jüngste“, beteiligt er sich gerne am gesellschaftlichen Leben. Glücklich ist er über die Aktivitäten des jungen Chores „Voice of Happiness“. Er hofft wie viele andere, dass die Sängerinnen und Sänger bei ihrer Freizeitbeschäftigung bleiben.
Denn das kulturelle Leben sei in einer so kleinen Gemeinde sehr wichtig, auch für den Zusammenhalt. Gerade die Corona-Jahre hätten arge Spuren im Gemeinschaftsleben hinterlassen, die bis heute noch nicht ganz verwischt seien, sagt der Jubilar.