Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel IG Queichwiesen: Furcht vor zu vielen Touristen in den Wiesen

Mit Schließen versehene Gräben ermöglichen es, die Queichwiesen zu bewässern und so feucht zu halten.
Mit Schließen versehene Gräben ermöglichen es, die Queichwiesen zu bewässern und so feucht zu halten.

Es wird befürchtet, dass die Digitalisierung der Erlebniswelt Queichwiesen zu viele Menschen anlockt, die der Landschaft schaden könnten.

Das wurde bei der Jahreshauptversammlung der Interessengemeinschaft (IG) Queichweisen in Ottersheim deutlich. Knapp 30 Teilnehmer waren gekommen, in erster Linie Landwirte und (ehemalige) Kommunalpolitiker. Bemängelt wurde, dass seit der Corona-Zeit mehr Leute in den Queichwiesen zwischen Landau und Germersheim unterwegs sind, zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Zum einen sei es wichtig, diese Ströme zu lenken. Andererseits sei es aber auch wichtig, die Menschen über die Bedeutung der Queichwiesen und deren Bewässerungssystem, das 2023 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt wurde, zu informieren, um Verständnis zu wecken, sagte IG-Sprecher und Gründungsmitglied Pirmin Hilsendegen. Er wies darauf hin, dass es „zwei neue Natur- und Gästeführer gibt mit der Zusatzqualifikation Queichweisen“. Zudem soll es in Kürze Arbeitskreise geben, um die Qualität der ins digitale System einzuspeisenden Informationen zu gewährleisten.

Mit Hilfe der feuchten Wiesen gelang es, den Storch in der Region wieder anzusiedeln.
Mit Hilfe der feuchten Wiesen gelang es, den Storch in der Region wieder anzusiedeln.

Axel Wassyl, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Offenbach, sagte, dass es mehrere digitale Infopunkte zwischen Landau und Germersheim geben soll. Zur gewünschten Lenkungswirkung merkte ein Teilnehmer an: „Welcher Besucher lässt sich heute noch lenken?“ Ottersheims Bürgermeister Gerald Job sagte mit Verweis auf eigene Erfahrungen, dass sich Touristen von weither bei Naturwanderungen meist auf ihr Navigationssystem auf dem Handy verließen und der vorgeschlagenen Route folgten. Diejenigen, die Wege verließen und in den Wiesen umherspazierten, seien in aller Regel Hundehalter aus der Region. Die Kreis-Beigeordnete Anette Kloos geht ebenfalls davon aus, dass die Leute das bestehende Geh- und Radwegenetz nutzen. Es sei kein ausufernder Tourismus gewünscht. Das Projekt sei mit viel Geld vom Land und von der Europäischen Union umgesetzt worden.

Auszeichnung hilft

Die Auszeichnung als UNESCO-Welterbe habe aber auch in anderer Hinsicht geholfen, sagte Hilsendegen, der unter anderem die Waldbewässerung nannte. So sei vor kurzem begonnen worden bei Offenbach eine kleine Waldfläche zu bewässern – ein vom Land unterstütztes Pilotprojekt. Die vor 30 Jahren gegründete IG hofft, dass es erfolgreich ist und auf weitere Waldgebiete in der Region ausgedehnt wird. Ziel der wiederbelebten alten Technik ist es, so Wassyl, den Grundwasserpegel zu halten und den Waldboden in Zeiten der Klimaerwärmung feucht zu halten, damit die Bäume überleben können. Eine dauerhafte Überschwemmung sei nicht geplant, weshalb der Zu- und Abfluss reguliert werden müsse. Dazu müssten die Gräben freigehalten werden. Bei der Waldbewässerung dürfe man das Schnakenproblem nicht aus den Augen verlieren. Im Winter ist das laut Wassyl kein Problem, aber im Frühjahr böten die feuchten Böden den Stechmücken gute Brutmöglichkeiten.

Hilsendegen sagte, dass er das Land wegen des Umgangs mit giftigen Pflanzen wie der Herbstzeitlosen angeschrieben hat. Das Land habe die Behandlung der Pflanzen mit Herbiziden abgelehnt.

Wiesenbewässerung wieder ausdehnen

Es wurde angesprochen, dass Lustadt seit einiger Zeit nicht mehr die Queichweisen bewässert. Ex-Beigeordneter Ernst Gamber begründete dies damit, dass vor Jahren beim Bau einer Fischtreppe das Bewässerungssystem zerstört wurde. Zwar gebe es Überlegungen, wieder zu bewässern, doch dazu müsste das Bewässerungssystem instand gesetzt werden, wozu Lustadt nicht in der Lage sei.

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