Sparen mit der Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Hohe Drehzahlen fressen Sprit

Die erste Fahrstunde nach fast 30 Jahren: Fahrschulleiter Andreas Deck zeigt Redakteurin Natascha Ruske wie man den Tank schont.
Die erste Fahrstunde nach fast 30 Jahren: Fahrschulleiter Andreas Deck zeigt Redakteurin Natascha Ruske wie man den Tank schont.

Der Blick auf die Anzeigetafel an der Tankstelle tut weh. Der Verzicht aufs Auto auch. Die Alternative: Sprit sparen. Ein Fahrlehrer erklärt, wie das geht. Mit überraschendem Ergebnis.

„Du machst alles so, wie du es immer machst.“ Andreas Deck lehnt lässig im Beifahrersitz. Ich halte mich zugegebenermaßen ein wenig verkrampft am Steuer fest. Liegt schon ein paar Jährchen zurück, die letzte Fahrstunde. Der Startknopf ist gedrückt, der A3 beginnt zu surren. Vor uns liegt zweimal die gleiche Strecke: Einmal in gewohnter Fahrweise, einmal mit Anleitung des Fahrlehrers. Am Ende soll sich der Spritverbrauch auf beiden Fahrten unterscheiden. Mit ein paar Kniffen den Tank schonen, so das Ziel. So viel nimmt Deck schonmal vorweg: „Wenn man das aufs Jahr hochrechnet, kommt was zusammen.“

Es geht über die B9 nach Germersheim, durch die Stadt und über die Landstraße zurück. 20 Kilometer – es ist fast genau der tägliche Weg zur Arbeit. Nah an der Realität und an Otto-Normal-Verbraucher soll das Experiment sein. „Sonst bringt’s ja nichts“, sagt Deck. Die erste Fahrt ist unspektakulär: Im Radio laufen Charthits, wir plaudern über Senioren im Straßenverkehr, über E-Autos und über Decks Fahrschule, in der auch seine zwei erwachsenen Söhne arbeiten. Läuft.

Spiel mit Kupplung und Gas

Nach 20 Minuten sind wir zurück am Startpunkt, haben im Schnitt 5 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. „Du bist gar nicht schlecht gefahren“, zieht der Fahrlehrer kurz Bilanz. „Fünf Liter sind schon gut.“ Er hat mich allerdings auch ertappt – beim Zu-viel-Gas-Geben auf der Landstraße und noch mehr: „Das Auto hat sechs Gänge“, sagt der Fahrlehrer. „Du warst nicht ein Mal im sechsten.“ Das frisst unnötig Sprit. „Du musst die Anzeige im Blick haben, die Gangzahl und das Tempo.“ Den höchstmöglichen Gang einzulegen, ist das A und O für benzinsparendes Fahren.

Fahren wie immer: 5 Liter auf 100 Kilometer ist schon mal keine schlechte Ausgangslage.
Fahren wie immer: 5 Liter auf 100 Kilometer ist schon mal keine schlechte Ausgangslage.

„Ohne Gas“ – zwei Worte, die während der zweiten Fahrt am laufenden Band fallen. Einfach anrollen mit der Kupplung. Dann schnell hochschalten und mit niedriger Drehzahl fahren. Umgekehrt lange mit dem Runterschalten warten. Aber nicht zu lange, sonst fängt das Auto an zu ruckeln. Deck hat eine Faustregel parat: Bis zur Zahl im Tacho runterbremsen, die dem Gang entspricht, der gerade drin ist. Also: Mit Tempo 40 im vierten Gang durch den Ort – dann ist alles im Butter. Wir treiben das Fahr-und-Spar-Experiment bis aufs Äußerste. Der A3 streikt unter meiner Fahrweise hier und da und ich komme mir vor wie ein blutiger Anfänger. Es ist halt ungewohnt. „Ich gehe mit der Drehzahl einen Ticken höher, aber ich bilde meine Fahrschüler tatsächlich so aus“, sagt Deck. Spritsparendes Fahren sei sogar prüfungsrelevant – nicht erst seit der Energiekrise. „Wenn du im vierten Gang über die Autobahn fährst, bemängelt das ein Prüfer.“

Es kommt nicht aufs Auto an – oder doch?

Am Ende habe ich den Dreh raus. Was das Auto nach der zweiten Fahrt auf gleicher Strecke anzeigt, überrascht uns beide: 4,1 Liter Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometern – eine Ersparnis von hochgerechnet fast einem Liter gegenüber der ersten Runde. Das ist schlichtweg pures Geld an der Tankstelle. „Das hast du jetzt verändert, mit deiner Fahrweise“, sagt Andreas Deck. „Trotz dreimal verschaltet und abgemurkst.“

Jeder könne was sparen, wenn er seinen Fahrstil überprüft, meint der Fahrlehrer. Egal, welches Auto er oder sie fährt. Bei älteren Autos mit höherem Verbrauch sei das Sparpotenzial noch höher. Wichtig sei vorausschauend fahren, rechtzeitig schalten, frühzeitig vom Gas gehen, statt abrupt zu bremsen. Und ein paar Dinge zu beachten, bevor der Motor startet – etwa dass man keinen unnötigen Ballast im Auto hat, der Reifendruck stimmt und man nicht unter Zeitdruck losfährt. „Viele sind morgens auf den letzten Drücker unterwegs. Das sind alles Dinge, die aufs Autofahren einwirken“, sagt Deck. Drei Minuten länger hat die zweite Tour gedauert.

Fahren unter Anleitung: 4,1 Liter. Mit einigen Kniffen lässt sich nicht wenig Sprit sparen.
Fahren unter Anleitung: 4,1 Liter. Mit einigen Kniffen lässt sich nicht wenig Sprit sparen.

Und wie hart treffen den Fahrlehrer selbst die hohen Benzinkosten? „Die Gewinn-Marge wird geringer“, sagt Deck. Seine Fahrschule betreibt er an drei Standorten – in Herxheim, Steinweiler und Bad Bergzabern. Er beschäftigt sechs Fahrlehrer, neun Autos rollen über die Straßen. Zuletzt habe er sich keine Neuwagen, sondern gebrauchte Fahrzeuge gekauft, um die höheren Ausgaben teilweise zu kompensieren. Seine Preise hat Deck bislang nicht erhöht. Das Geld sei bei allen knapp, meint er. „Es bringt ja nichts, wenn die Leute dann keinen Führerschein mehr machen könnten.“

Andreas Deck hat Fahrschul-Standorte in Herxheim, Steinweiler und Bad Bergzabern.
Andreas Deck hat Fahrschul-Standorte in Herxheim, Steinweiler und Bad Bergzabern.
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