Rülzheim
Hightech aus der Pfalz: Start-up Ubitium entwickelt Mikrochip
Einen RISC-V-Prozessor, der wenig Energie benötigt, die Aufgaben vieler anderer Computerprozessoren vereint, universell einsetzbar ist, mit den an ihn gestellten Aufgaben mitwächst und dazu noch günstig in der Produktion ist – diesen zu bauen, ist das Ziel von Ubitium in Rülzheim. Und das Start-up im Gewerbegebiet ist inzwischen in der zweiten Phase der Entwicklung angekommen.
Geld drohte auszugehen
Rund 3,5 Millionen Euro hatten die Gründer von Ubitium eingesammelt, um das Start-up in der ersten Projektphase zum Laufen zu bringen. „Fast wäre das Geld ausgegangen“, sagte der Technische Geschäftsführer (CTO) Martin Vorbach zu Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) bei ihrem Besuch in Rülzheim am Montag. Vorbach machte deutlich, dass man als Start-up nicht fünf Jahre Zeit habe, um an Geld zu kommen. Es gebe zu viel Bürokratie. Gerade noch rechtzeitig sei die Förderung des Landes für das Unternehmen in Höhe von rund 700.000 Euro gekommen. Daniela Schmitt erwiderte, dass es lange gedauert habe, bis in manchen Bereichen erkannt wurde, „dass Geschwindigkeit ein Standortfaktor ist“.
Nun steht die zweite Entwicklungsrunde bei Ubitium an, und es werden weitere 10 bis 12 Millionen Euro benötigt. Denn der von Ubitium entwickelte RISC-V-Prozessor ist inzwischen Wirklichkeit geworden. Der erste Prototyp zum Testen wurde Ende vergangenen Jahres zur Herstellung nach Südkorea gegeben.
Was ist ein RISC-V-Prozessor?
Hersteller wie Intel oder AMD entwickelten für ihre Prozessoren eigene Sprachen. Geräte, die diese Prozessoren nutzen wollten, mussten ebenfalls diese Sprachen sprechen. Lizenzen wurden fällig. Wissenschaftler an der University of California in Berkeley entwickelten um 2010 einen Prozessor mit offenem Standard. Der Standard RISC-V ist nicht patentiert und frei verwendbar. Damit darf jeder RISC-V-Mikroprozessoren designen, herstellen, verkaufen und auch weiterentwickeln. Für den Standard RISC-V fallen keine Lizenzgebühren an, verdeutlicht Vorbach den Vorteil dieser offenen Sprache, den viele Hersteller inzwischen nutzen.
Und in Südkorea wird der von Ubitium entwickelte Mikrochip deshalb gebaut, „weil es in ganz Europa keine Fabrik gibt, die den Prozessor bauen kann“, sagt Martin Vorbach. Ubitium habe überall nachgefragt, auch in der Schweiz. Die Fabriken in Europa seien bei der Herstellung der Mikroprozessoren in der Größe begrenzt. Ubitium benötige für die Herstellung seiner Prozessoren die Fähigkeit, Halbleiter in der Größe von 6 bis 8 Nanometern zu bauen. Dabei geben die Nanometer, also millionstel Millimeter (0,000000001 mm), die Größe der Transistoren an, die auf dem Chip verbaut sind. Außerdem werden die ersten Tests ebenfalls in Südkorea bei Samsung erfolgen, „hierfür fliegt einer unserer Mitarbeiter hin“, sagt Vorbach. Hier sei der Grund, dass es keinen Platinenhersteller in Europa gebe, der die benötigte Platine herstellen könne, auf die der Chip gesetzt werde.
Europa benötigt Chipfabriken
Unverständlich für Vorbach ist, dass Deutschland und Europa keine entsprechende Halbleiterfabrik hier bauen. Es gehe letztlich um die Lieferketten. Denn der Chip von Ubitium wäre auch gerade wegen seiner Fähigkeiten, der Kosten und seines geringen Energiebedarfs auch für Luft- und Raumfahrt sowie die Verteidigungstechnik von Bedeutung. Hier ergänzt die Wirtschaftsministerin, dass Halbleiter und technische Komponenten, die für Verteidigungstechnik genutzt werden, in Deutschland und Europa hergestellt werden müssen. Vorbachs Bitte an die Politik: eine Hochleistungschipfabrik nach Europa zu holen. Während Hochleistungsprozessoren namhafter Hersteller Vorbach zufolge zwischen 1500 und 2000 US-Dollar kosteten, werde der von Ubitium voraussichtlich im zweistelligen Bereich liegen und nur fünf Watt Strom benötigen.
Massenproduktion im Jahr 2028
Gegründet wurde Ubitium im Juli 2024 von Hyun Shin Cho (CEO), Peter Weber (Chairman/Vorsitzender) und Martin Vorbach. Im Mai vergangenen Jahres hatte das Start-up fünf Mitarbeiter. Inzwischen sind es 15 Beschäftigte. In wenigen Wochen werde der Testchip aus Südkorea zurückkommen. Bis Ende des Jahres „wollen wir auf 30 Mitarbeiter wachsen“, sagt Vorbach. Bis im März kommenden Jahres wolle man die zweite Phase abgeschlossen, also einen serienreifen Mikrochip entwickelt haben. Die Massenproduktion soll Ende 2027 oder zu Beginn des Jahres 2028 beginnen.
