Minfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Hausbesuche übernimmt die Assistentin

Der hausärztliche Internist Peter Nienhaus genannt Wiedenbrück hat seine Praxis in Minfeld.
Der hausärztliche Internist Peter Nienhaus genannt Wiedenbrück hat seine Praxis in Minfeld.

Immer mehr Praxen schließen. Für die übrig geblieben Ärzte bedeutet das nicht nur mehr Patienten, sondern sie haben auch mit mehr schwerer erkrankten Menschen zu tun, wie Internist Peter Nienhaus beobachtet hat. Was der Mediziner als ein Lösungskonzept gegen den Ärztemangel sieht.

In den vergangenen fünf, sechs Jahren sind im südlichen Landkreis acht Praxen verschwunden. Mal wurde die Praxis geschlossen, weil die Ärztin in Ruhestand ging, wie jüngst bei Traudel Löwer in Kandel. Mal ist ein Arzt verstorben, mal ging ein ehemaliges Ärztepaar nicht nur privat getrennte Wege. Doch wenn Hausärzte schließen, bekommen das nicht nur die Patienten zu spüren, die auf der Suche nach einer neuen medizinischen Versorgung sind, sondern auch die noch bestehenden Praxen. Davon berichtet auch der hausärztliche Internist Peter Nienhaus genannt Wiedenbrück, der seine seine Praxis in Minfeld hat.

Von 5000 auf über 7000 Patienten

Die teilweise drastischen Auswirkungen der mangelnden Versorgung beobachtet der Medizinier schon seit dem Sommer 2021. „Man sieht jetzt Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen, das war auffällig.“ Zum Teil stoße man wöchentlich auf solche Patienten, sagt er. Dabei handele es sich oft um Ältere, um Menschen mit Krebserkrankungen. „Oder die Angehörigen sagen: Der Vater macht nicht, was er soll.“ Eine schnelle Diagnose ist da nicht so einfach, schließlich müsse man erst die Patienten und ihre Familien kennenlernen, sagt Nienhaus. Das brauche jedoch Zeit: Bis 2003 lag sein Patientenstamm bei 5000 Patienten, sagt Nienhaus. „Dann wurden es innerhalb von ein bis zwei Jahren 2000 mehr.“

Für Nienhaus, der selbst schon lange Jahre bei der Kassenärztlichen Vereinigung aktiv ist, ist ein Grund für den aktuellen Ärztemangel der sogenannte „Seehofer-Bauch“. Der damalige Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU), führte mit dem Gesundheitsstrukturgesetz 1992 die Bedarfsplanung und Zulassungsbeschränkungen für Vertragsärzte ein, heißt es dazu auch auf der Seite der Kassenärztlichen Vereinigung. „Mit der Bedarfsplanung verfolgte Seehofer das Ziel, die Niederlassung der Ärzte so zu steuern, dass bundesweit eine wohnortnahe Versorgung mit Haus- und Fachärzten sichergestellt wird“, heißt es da. Außerdem sollte verhindert werden, dass sich weitere Ärzte in bereits gut versorgten Gebieten niederlassen. Als Reaktion darauf stellten bis Anfang 1993 auf einen Schlag rund 13.500 Ärzte einen Antrag auf Zulassung. „Viele Ärzte ließen sich noch schnell nieder. Das sind die, die jetzt alt sind“, sagt Nienhaus.

Diese Arzthelferin kann mehr

Doch so schnell kommen keine Hausärzte nach, schon allein, weil die Ausbildung ja auch eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt. Für Nienhaus ist daher der verstärkte Einsatz von „Näpas“ (nichtärztliche Praxisassistenten) oder „Verahs“ (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis) die Lösung. Das sind Medizinische Fachangestellte mit einer Weiterbildung. „Die Niederlande sind da viel weiter“, sagt er. Auch eine Mitarbeiterin in seiner Praxis übernimmt als „Näpa“ selbstständig Hausbesuche. Dort spricht sie mit dem Patienten, misst Blutdruck, schätzt Wunden ein. Manchmal hält sie dann telefonisch Rücksprache mit Nienhaus. Aber „wenn sie das Gefühl hat, dem Patienten geht es schlecht, dann ruft sie den Rettungsdienst“, sagt er und fügt rhetorisch an: „Warum soll sie das nicht können?“ Seines Erachtens ist das die Zukunft .

Das sieht man offensichtlich auch im rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium so. In einer aktuellen Pressemitteilung wird die Entwicklung eines neuen Bachelorstudiengangs Physician Assistant angekündigt. So soll „ein weiteres Angebot zur Gewinnung zusätzlicher Fachkräfte für das Gesundheitswesen in Rheinland-Pfalz geschaffen werden“. Darauf habe sich das Ministerium mit der Hochschule Kaiserslautern, dem Landeskrankenhaus, der BBT-Gruppe und dem Hausärzteverband Rheinland-Pfalz verständigt. Um die Betreuung von Patienten zu optimieren und Ärzte zu entlasten, sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Krankenhäuser und Hausarztpraxen hochschulisch qualifiziert werden, heißt es in der Pressemitteilung. Der Studiengang solle auch neue berufliche Perspektiven für Pflegefachkräfte und Medizinische Fachangestellte schaffen. Geplant ist, dass der neue Bachelorstudiengang zum Wintersemester 2024/2025 an der Hochschule Kaiserslautern (Standort Zweibrücken) an den Start geht.

Nienhaus selbst hat verschiedene medizinische Fachbereiche ausprobiert und ist, trotz aller Widrigkeiten, seit Jahrzehnten „Hausarzt mit Leib und Seele“, wie er selbst sagt. „Es war die richtige Entscheidung. Ich habe nie was länger gemacht und nie was Besseres gemacht.“

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