Wörth / Strasbourg RHEINPFALZ Plus Artikel Grenzüberschreitender Bahnverkehr bietet künftig mehr Platz für Fahrgäste und Räder

Ein Triebwagen des Régiolis , wie er im Jahr 2023 unterwegs war.
Ein Triebwagen des Régiolis , wie er im Jahr 2023 unterwegs war.

Die technischen Hürden sind überwunden, die neuen Régiolis-Züge dürfen auch in Deutschland fahren. Was das für die Region bedeutet.

Ab Januar 2027 kommt die Verbindung Karlsruhe-Strasbourg über Wörth an die Reihe: Mit der Inbetriebnahme moderner Regionalzüge zwischen Straßburg und Offenburg hat Anfang Mai ein neues Kapitel der grenzüberschreitenden Mobilität am Oberrhein begonnen. Wie die Region Grand Est und das Verkehrsministerium Baden-Württemberg mitgeteilt haben, fahren die neuen „Regiolis“-Züge seit Montag zwischen Straßburg und Offenburg. Damit steigt die Kapazität auf einer der wichtigsten Verkehrsachsen zwischen Baden und dem Elsass von 82 auf 203 Sitzplätze pro Zug, statt bisher 4 können künftig 18 Fahrräder mitgenommen werden.

Deutlich mehr Komfort

Die modernen Züge bieten deutlich mehr Komfort und sind speziell für den Einsatz in unterschiedlichen nationalen Bahnsystemen ausgelegt. Sie erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern. Ihr Elektroantrieb arbeitet mit französischem (25 kV 50 Hz Wechselstrom) und deutschem (15 kV 16,7 Hz Wechselstrom) Stromsystem. Sie verfügen zusätzlich über einen Dieselantrieb. Insgesamt kostete die Anschaffung der Züge 388 Millionen Euro. Davon wurden 40 Millionen Euro verwendet, um die Züge an Signalsysteme, elektrische Spannungen und Sicherheitsstandards beider Länder anzupassen. 6,2 Millionen Euro steuerte das EU-Programms „Interreg am Oberrhein“ bei.

Die 30 „Regiolis“-Züge waren bereits auf der französischen Seite im Einsatz. Bis Anfang Mai fehlte die deutsche Zulassung. Grund war eine geänderte Vorschrift des Eisenbahn-Bundesamtes: Es ging um 0,35 Sekunden. Um diesen Zeitraum dauert gemessen an der neuen deutschen Norm in den Régiolis-Triebwagen das Umschalten von einer Normal- zu einer Schnellbremsung zu lang. Dafür müssen die Régiolis nicht zurück zum Hersteller, das kann in SNCF-Werkstätten erledigt werden. Der Hersteller CAF kommt aus Spanien und hat aufgrund einer EU-Auflage die Produktion im elsässischen Reichshoffen von Alstom übernommen

Es fehlt noch Betreiber

Werner Schreiner, Beauftragter für grenzüberschreitende Zusammenarbeit, stufte das Problem eher als „Kinderkrankheit“ ein. Die Bremsverzögerung sei nicht das einzige Hindernis. Bevor der flächendeckende Regelbetrieb starten kann, müssten weitere Hürden genommen werden. Beispielsweise die Ausschreibung: Die Region Grand Est sucht derzeit erstmals europaweit nach einem Betreiber. Zudem fehlte durch Kürzungen aus Paris der Region Geld für die Infrastruktur, was bereits zum Ausstieg aus anderen Bahnprojekten führte. Bewältigt werden müssen auch logistische Herausforderungen: Es fehlen Wartungswerkstätten und zweisprachiges Personal. Damit sich die Fahrerausbildung lohnt, müssen Fahrpläne und Einsatzzeiten exakt abgestimmt sein.

Trotz der Hürden äußert Werner Schreiner sich zurückhaltend optimistisch. Nachdem wie von der Région Grand Est ankündigt die ersten nachgerüsteten Züge zum Ende des Quartals über die Grenze rollen, geht er davon aus, dass ab Januar 2027 auch die Wochenend-Züge zwischen Strasbourg und Karlsruhe über Wörth mit dem neuen Régiolis bedient werden. Außerdem hofft Schreiner, dass es 2027 auch gelingt, täglich sechs Verbindungen von Karlsruhe nach Strasbourg und zurück anzubieten – immer über Wörth. „Wir hatten schließlich im vergangenen Jahr schon einen entsprechenden Fahrplan, der aber wenige Tage später von einer anderen Abteilung der SNCF für nicht machbar erklärt wurde“, erinnert sich Schreiner.

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