Meinung Gratwanderung und Abwehr
Der Vorwurf von Zuhörern an das aus Bistumsvertretern besetzte Podium, man wisse nun auch nicht mehr über die Anschuldigungen gegen Alfons Henrich, kann man so nicht gelten lassen. Bekannt ist nach dem Abend am Donnerstag: Der ehemalige Heimleiter des Queichheimer Jugendwerks wird der Vergewaltigung beschuldigt. Das ist eine klare Aussage und eine Tat von besonderer Schwere. Das macht fassungslos und sprachlos.
Menschen schützen sich vor dem Gedanken, dass jemand, den sie schätzten und mochten, zu so furchtbaren Taten fähig gewesen sein soll. Etwas nicht glauben zu wollen, ist ein Abwehrmechanismus. Und es ist nachvollziehbar, dass Wegbegleiter von Alfons Henrich gerne mehr Auskunft über die Anschuldigungen wollen, weil ihr Bild von dem Pfarrer nach der Veröffentlichung der Aufarbeitungsstudie ins Wanken geraten ist. Für das Bistum sind solche Informationen allerdings eine Gratwanderung zwischen öffentlichem Interesse und Opferschutz.
Die Menschen im Dorf sind enttäuscht. Ihr Pfarrer hat Dinge verheimlicht. Bekannt ist nämlich nun auch: Es gab schon nach 2011 Auflagen gegen den Geistlichen. Die misslungene Kommunikation zwischen Bistum und verantwortlichen Stellen in der Gemeinde wirft leider, mal wieder, kein gutes Licht auf die Kirche.
