Landtagswahl RHEINPFALZ Plus Artikel Grünen-Kandidat Krämer: Flagge zeigen gegen Rechts

 Thomas Krämer liebt das dörfliche Leben, so wie in seiner Heimatgemeinde Schaidt. Er will deshalb auch auf Landesebene etwas ge
Thomas Krämer liebt das dörfliche Leben, so wie in seiner Heimatgemeinde Schaidt. Er will deshalb auch auf Landesebene etwas gegen die Verwaisung der Ortskerne tun.

Unsere Gesellschaft müsse widerstandsfähiger werden gegen rechte Demagogie fordert Thomas Krämer. Aber nicht nur dafür will sich der Grüne im Landtag einsetzen.

Für die Grünen sind die Zeiten nicht leicht. Das merkt auch Thomas Krämer. „Wir Grünen waren schon immer sehr stark abhängig davon, was in Berlin passiert. Und derzeit ist die Stimmung schon ein bisschen so, dass die Grünen an allem schuld sind“, sagt der 61-Jährige, der im Wörther Ortsbezirk Schaidt lebt. Wegen des aktuellen Gegenwinds ist es für Krämer umso wichtiger, für grüne Politik zu werben. Er hat deshalb auch keine lange Bedenkzeit benötigt, als ihn seine Partei zum Direktkandidat im Wahlkreis 52 küren wollte. Dass seine Chancen, einen Sitz im Mainzer Landtag zu erobern, eher gering sind, stört ihn in seinem Engagement nicht. „Ich werde den Wahlkreis vermutlich nicht gewinnen, und dass ich über Listenplatz 48 in Landtag einziehe, ist eher unwahrscheinlich“, lautet Krämers Einschätzung. Aber es gehe darum Flagge zu zeigen.

„Flagge zeigen“ – diese Formulierung benutzt der promovierte Kulturwissenschaftler häufiger. Und nicht nur dann, wenn es darum geht, für grüne Themen zu werben. „Wir müssen Flagge zeigen gegen Rechts“, betont Krämer. „Die AfD ist der natürliche Gegner der Grünen!“ Ziel aller demokratischen Parteien müsse es sein, die Demokratie zu stärken. „Wir dürfen keinen Fußbreit den Demagogen überlassen, die aus der Angst der Menschen Kapital schlagen wollen“, sagt Krämer. Dabei bereitet ihm die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung Sorgen: „Es ist schon erschreckend, welch extreme Dinge heute wieder sagbar sind.“

Von 2019 bis 2024 städtischer Beigeordneter

Der 1964 in Annweiler geborene und in Lug aufgewachsene Krämer hat zunächst eine Ausbildung zum Fachkrankenpfleger gemacht, bevor er an der Universität Koblenz-Landau Anglistik, Kunstwissenschaft und Germanistik studierte. Von 1999 bis 2024 war er in Landau Dozent für englische Literatur. Seit 2019 ist der verheiratete Vater von zwei erwachsenen Kindern stellvertretender Leiter der Kunstschule Villa Wieser in Herxheim. Dort unterrichtet er auch Kunstphilosophie. Zudem ist er freiberuflich tätig, erstellt beispielsweise Werkverzeichnisse von Malern oder katalogisiert Kunstsammlungen.

2009 hat er zum ersten Mal für den Ortsbeirat Schaidt kandidiert, war stellvertretender Ortsvorsteher. 2019 zog er in den Stadtrat Wörth ein und wurde dort gleich zum Beigeordneten gewählt. Ein Amt, das er bis Ende Juni 2024 bekleidete. „Ich war gerne Beigeordneter. Den Job habe ich ja fast in Vollzeit gemacht. Ich denke, wir haben damals keine schlechte Arbeit gemacht“, sagt Krämer rückblickend. Aktuell ist er Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Stadtrat.

Verwaisung der Ortskerne stoppen

Kommunalpolitische Themen sind es auch, denen Krämer gerne zu mehr Beachtung auf Landesebene verhelfen würde. „Wir müssen etwas gegen die Verwaisung unserer Ortskerne tun“, fordert er. Es gebe zu viele Leerstände in den Gemeinden, das sei ein massives Problem. „Wir müssen dafür sorgen, dass es für die Menschen attraktiv bleibt, im Dorf zu leben.“ Zu einer intakten Infrastruktur gehörten ein Bäcker und ein Metzger im Ort, ebenso zählten ein Arzt und eine Apotheke dazu. „Und wenn man dann noch einen Zahnarzt hat, dann ist das fast schon Luxus“, sagt Krämer. Auch in seinem Heimatort Schaidt sei die Situation schon besser gewesen.

Vor allem junge Menschen möchte Krämer dafür begeistern, ältere Immobilien in den Dörfern zu kaufen. Nicht nur die oftmals hohen Kaufpreis schrecken Interessenten ab, sonder auch die hohen Renovierungskosten. Krämer will sich deshalb Förderprogramme stark machen, die beides erschwinglich machen. Bleibt dann noch der Autoverkehr, der sich durch viele Gemeinden schlängelt. Mobilität spielt in unserer Gesellschaft eine immer größere Rolle. Der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs ist urgrünes Thema. Krämer plädiert zudem für weniger Autoverkehr in den Orten und für Geschwindigkeitsbeschränkungen.

Für mehr Biodiversität in den Gärten

Ein weiteres Thema das Krämer am Herzen ist die Biodiversität, vor allem in den Gärten. „Viele Menschen denken, wenn sie meinen Garten sehen, dass er verwildert sei. Das ist er aber nicht. Es ist ein naturnaher Garten, in dem sich Insekten oder Vögel wohlfühlen“, erklärt Krämer. Schottergärten oder zugepflasterte Vorgärten sind ihm ein Dorn im Auge. „Um den ökologischen Kollaps zu verhindern, muss man die Menschen motivieren, auch im Kleinen einen Beitrag zu leisten, etwa durch weniger Akkuratesse im Garten, durch naturbelassene Bereiche mit Sträuchern, Bäumen und Laubhaufen.“ Er plädiert für gezielteres Mähen und Verzicht auf Mähroboter, Laubbläser und Ähnliches.

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