Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Gesucht: Leihomas und Leihopas

im Stuhlkreis lernen Eltern und potentielle Leih-Großeltern sich kennen.
im Stuhlkreis lernen Eltern und potentielle Leih-Großeltern sich kennen. Foto: van

Mehrere Generationen unter einem Dach. Das gibt es heute nur noch selten. Weil viele Kinder ohne Großeltern aufwachsen oder diese weit weg wohnen, sehnen sie sich nach Oma und Opa. Abhilfe soll ein vom „Haus der Familie“ initiiertes Projekt schaffen, bei dem ältere Menschen Einrichtungen für Kinder ergänzen.

Kandel. Der Startschuss ist gefallen. Für ein Projekt, das sich das „Haus der Familie“ (bisheriges „Frauen- und Familienzentrum“ – FFZ) gemeinsam mit der Bürgergemeinschaft Kandel vorgenommen haben. Gesucht werden „Leihomas“ und „Leihopas“ für Kinder. Sie sollen die vorhandenen Angebote wie Kindertagesstätten, Betreuende Grundschulen oder den Kinderhort ergänzen. Wie genau, das muss sich noch herausstellen. Denn der Bedarf ist da. Weil immer mehr Menschen für sich in Kleinfamilien leben. Und auch die Zahl der Alleinerziehenden ist gestiegen.

Bedarf an Betreuungsangeboten

Großfamilien, in denen mehrere Generationen unter einem Dach leben und sich gemeinsam um den Nachwuchs kümmern, gibt es heute höchst selten. Großeltern sind bereits verstorben, wohnen weit weg oder haben andere Gründe, sich wenig um ihre Enkelkinder zu kümmern. Es sei deshalb notwendig, vielfältige Betreuungsangebote sowohl für den normalen „Alltag“ als auch für „Notsituationen“ wie etwa Krankheiten zu schaffen. Das jedenfalls wurde bei der Auftaktveranstaltung am Samstag im protestantischen Gemeindezentrum einmal mehr deutlich. Auch wenn die Zahl der Besucher sich in Grenzen hielt. Doch Heidi Untch vom „Haus der Familie“ hatte im Vorfeld viele telefonische Interessensbekundungen erhalten, wie sie uns sagte. Wichtig wird jetzt sein, die individuellen Gegebenheiten und persönlichen Erwartungen miteinander abzustimmen. Da sind auf der einen Seite die Eltern, die ihre „Bedarfssituation“ sehr unterschiedlich beschrieben. „Wo ist mein Opa?“ werde sie von einem ihrer Kinder immer wieder gefragt, berichtete eine Mutter. Aber die Großeltern mütterlicherseits sind bereits verstorben, und die Eltern des Vaters leben weitab in einem anderen Land, können sich nicht um ihre Enkel kümmern. Kein Wunder also, dass ein Kind immer wieder befreundete Menschen anspricht und diese fragt, ob sie „ihre Oma“ oder „ihr Opa“ seien. Flexibel könnten die Zeiten sein, zu denen die „Leihoma“ oder der „Leihopa“ einspringen sollen, meinte die Mutter. Und als Idealfall stelle sie sich ein Verhältnis vor, das die Kinder traurig würden, wenn die „Leihoma“ wieder nach Hause gehe.

An Unterstützung interessiert

Eine andere Mutter berichtete, dass sie zwar Großeltern vor Ort wohnen habe, diese aber nicht zu sehr in die Kinderbetreuung einspannen wolle. Eine „Ergänzung“ täte ihrer Ansicht nach ganz gut für die beiden Kleinen.

Auch die Eltern einer alleinerziehenden Mutter leben nicht mehr, so dass sie sich für eine zeitweise Unterstützung bei der Kinderbetreuung interessiere. Vor allem in Zeiten mit größerem Arbeitsanfall. So unterschiedlich die Bedürfnisse auch formuliert werden, so differenziert sind auch die Erwartungen der drei Frauen, die sich eine Tätigkeit als „Leihoma“ durchaus vorstellen könnten. Hier sind die eigenen Kinder bereits erwachsen und aus dem Haus, im anderen Falle gibt es keine eigenen Enkel. Sogar von einem Partner ist die Rede, der gerne auch „Leihopa“ werden möchte. Konkret wird eine Frau: „Ich will nicht nur gebraucht werden, sondern möchte fest in das Leben der Familie eingebunden werden“, wünscht sie sich als Voraussetzung für ein gutes Verhältnis zu den Kindern. Heidi Untch nennt als eine der Rahmenbedingungen auch, dass es sich um eine „ehrenamtliche Tätigkeit“ handeln werde, für die man Interessenten suche. Diese Suche will auch Manuela Tolkmitt, Seniorenbeauftragte der Verbandsgemeinde Kandel, nach Kräften unterstützen. Sie vertritt Bürgermeister Volker Poß bei dieser Veranstaltung, die auch vom Familienbüro „bellA Kandel“ unterstützt wird. August Wegmann und Petra Kauther von der Kandeler Bürgergemeinschaft zeigen sich überzeugt davon, dass sich Interessenten finden werden.

Info

„Haus der Familie“, 07275 4316, info@ffz-kandel.de

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