Jockgrim Geschwindigkeitsmessung: Doppelt so schnell als erlaubt

Mit weit über 100 km/h wird durch den Ort gerast.
Mit weit über 100 km/h wird durch den Ort gerast.

Eine Woche lang wurden im Frühjahr an den sechs Ortseinfahrten Geschwindigkeit und Anzahl der vorbeikommenden Fahrzeuge gemessen und dokumentiert – mit zum Teil erschreckenden Ergebnissen .

Die Vorgeschichte beginnt im Juni 2022. Da beantragte die CDU-Fraktion eine Verkehrszählung und Geschwindigkeitsmessung an allen Ortseingängen von Jockgrim, um verlässliche und aktuelle Zahlen über das Verkehrsaufkommen in der Gemeinde zu bekommen. „Es gibt Klagen von Verkehrsteilnehmern und Anwohnern hinsichtlich Verkehrsbelästigungen, Unfallgefahren, Schadstoffverschmutzung und Lärmemissionen“, hieß es damals.

Gefordert wurden Lösungen, die kein „Stückwerk“ sein sollten, sondern den ganzen Ort einbeziehen, so der CDU-Antrag. Das Ratsgremium stimmte dann Ende Juli 2022 diesem Antrag zu. Die Ortsgemeinde beauftragte die Verbandsgemeinde, den Antrag umzusetzen. Um eine möglichst durchschnittliche Woche im Jahreslauf zu haben – also ohne Ferien, Feiertage oder Wetterextreme wie Schnee – wurden die Messgeräte von Donnerstag, 30. März, bis Donnerstag, 6. April, diesen Jahres aufgestellt.

Die Messstellen befanden sich im vorderen Teil der Ludwigstraße, Höhe Hausnummer 55, in der Maximilianstraße zwischen Tankstelle und Otterbachstraße, in der Hatzenbühler Straße, in der Buchstraße in Höhe des Hauses Nummer 21, in der Unteren Buchstraße zwischen Trifelsstraße und Kreisel und am Eingang des Vogelrings. Gesammelt wurden über 150.000 Datensätze, die anschaulich und verständlich aufbereitet wurden.

Erstes, auffälliges Ergebnis ist der Fakt, dass an allen sechs Messpunkten der von Verkehrsexperten häufig herangezogene Wert V85 (km/h) über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit lag. Diese Kennzahl „ergibt sich aus der Geschwindigkeit, die von 85 Prozent der gemessenen Fahrzeuge eingehalten und von 15 Prozent überschritten wird“, erklärte Roland Rabenstein (CDU). Mit 34 km/h, bei erlaubten 30 km/h, war dieser Wert in der Unteren Buchstraße Richtung Ortsmitte am geringsten, mit 60 km/h in der Buchstraße Richtung Ortsausgang, erlaubt sind an diesen Stelle 30 km/h, am höchsten. Für die Buchstraße bedeutet das, dass 85 Prozent der Fahrzeuge mehr als doppelt so schnell als erlaubt gefahren sind – bei einem Tempolimit von 30 km/h.

Besonders schockiert waren die Ratsmitglieder über die gemessenen Höchstgeschwindigkeiten an den sechs Messstellen. In der Ludwigstraße lag diese bei 126 km/h, in der Maximilianstraße bei 121 km/h, in der Buchstraße bei 110 km/h und in der Hatzenbühler Straße bei 108 km/h. Daniela Masino (Grüne) bestätigte aus eigener Erfahrung, dass besonders nachts in der Ludwigstraße sehr schnell gefahren werde, was auch am Lärmpegel zu hören ist, den die Raser verursachen würden.

Bürgermeister Karl Dieter Wünstel sprach das aus, was alle im Rat dachten: „Ich sehe bei einer V85 von 60 Prozent bei vorgesehenen 30 Stundenkilometern in der Buchstraße dringend Handlungsbedarf. Dabei sehe ich vordergründig die Polizei in der Pflicht, die da eingreifen muss.“ Die Verwaltung werde die Zahlen deshalb an die Polizei weitergeben und auf mehrere und regelmäßige Einsätze zur Geschwindigkeitskontrolle drängen.

Pascal Endres (Grüne) schlug vor zu überlegen, ob das Tempo in der Buchstraße nicht durch bauliche Maßnahmen verringert werden könnte. Aus den Reihen des Gremiums wurde auch vorgeschlagen, dass die Verbandsgemeinde selbst als Kommune den Verkehr überwachen sollte. In der Diskussion über diesen Vorschlag wurde jedoch deutlich, dass in Rheinland-Pfalz nur Kommunen ab einer bestimmten Einwohnerzahl selbst mobile oder stationäre Blitzer aufstellen dürfen. Deshalb hätten sich Kommunen schon speziell zum Aufstellen von Blitzgeräten zusammengeschlossen. „Diese Gemeinden könnten wir fragen, wie es bei ihnen läuft“, schlug Wünstel vor.

German Guttenbacher (CDU) könnte sich vorstellen, entsprechende Gemeindevertreter und -Vertreterinnen nach Jockgrim einzuladen: „Wir sollen dabei auch die Polizei mit ins Boot nehmen.“ Im einstimmigen Beschluss des Gemeinderates wurden schließlich alle Vorschläge gebündelt. Jockgrim wird zu einer Blitzer-Gemeinschaft Kontakt aufnehmen, ein Planungsbüro soll Vorschläge zur Geschwindigkeitsreduzierung in der Buchstraße erarbeiten, die Polizei soll aufgefordert werden, verstärkt zu kontrollieren und die Messungen sollen in zwei Jahren wiederholt werden.

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