Kreis Germersheim Germersheimer Pfingstmarkt im Wandel der Zeit

Der Germersheimer Pfingstmarkt im Jahr 1953. Foto: Kurt Freitag/Repro: Hans
Der Germersheimer Pfingstmarkt im Jahr 1953.

Geschichten aus der Geschichte: Der Germersheimer Pfingstmarkt wurde Mitte des 17. Jahrhunderts vom Dieterskirchel bei Rülzheim in die Stadt verlegt. Seit 1987 wird auf dem Messplatz am Wrede Stadion gefeiert.

Der Germersheimer Pfingstmarkt kann auf eine lange Tradition zurückblicken. „Aktenkundig“ wird er erst in den Stadtprivilegien aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, wo der Stadt das Recht eingeräumt wird, auf Pfingstmontag einen Jahrmarkt abzuhalten, der zuvor bei der St. Dieterskirche zwischen Rülzheim und Rheinzabern veranstaltet worden war.

Leider existieren für diese Zeit keine Beschreibungen des Pfingstmarktes, doch ist anzunehmen, dass die Jahrmärkte jener Zeit nicht nur Zerstreuung und Amüsement für die Besucher brachten, sondern auch Waren und Angebote bereithielten, die für die Versorgung der Bevölkerung notwendig waren. Die Einnahmen aus den von den Händlern beim Pfingstmarkt erhobenen Standgeldern kamen ungeschmälert dem Stadtsäckel zugute, wie die ab 1700 erhaltenen Rechnungsbücher ausweisen.

Gute Geschäfte auf Pfingstmarkt des Jahres 1837

Erste genauere Nachrichten, die das Angebot des Germersheimer Pfingstmarktes betreffen, stammen aus dem Jahr 1837. Damals hatte der Redakteur einer in Germersheim erscheinenden Zeitung im Anschluss an das Pfingstwochenende ein Resümee des Jahrmarkts gezogen. Dabei werden eine Reihe von Handwerkern, wie Schumacher, Kappenmacher, Blecharbeiter, und Kleiderhändler erwähnt, die während des Marktes „gute Geschäfte“ gemacht hatten. Der Unterhaltung der Marktbesucher dienten ein Wachsfigurenkabinett, das vermutlich die Prominenten und „Größen“ der damaligen Zeit zeigte, eine Gehege mit einem „monstruösen Ochsen“ und nicht zuletzt der „Circus der Equilibristen- und Kunstreitergesellschaft“. Wenige Jahre später (1846) – die Stadt entwickelte und dehnte sich im Zeichen des Festungsbaus aus – wurde vom Bürgermeisteramt verfügt, dass der Pfingstmarkt „mit diesem Markte anfangend und fortdauernd, für alle künftigen Jahrmärkte“ auch auf dem kleinen Platz vor dem Mitteltor an der Hauptstraße, an der „Schnittstellte“ des alten und damals neu entstandenen Stadtteils, also im Bereich des heutigen „Luitpoldplatzes“ stattfinden sollte.

Wenige Monate vor Ausbruch des 1. Weltkriegs konnte der Pfingstmarkt nochmals ungetrübt und bei schönstem Wetter in den Mauern des Festungsstädtchens gefeiert werden. Wie die heute noch erhaltenen Ausgaben des „Germersheimer Wochenblatts“ aus jener Zeit belegen, fand der Markt auf dem Luitpoldplatz, der Marktstraße und dem Kirchenplatz statt, wobei auch wieder zahlreiche Händler ihre Waren feilhielten, während das Kino in der Jakobstraße ein besonders vielseitiges Programm für die Feiertage zeigte und im „Saalbau“ die Direktion des „Neuen Theaters“ mit den Aufführungen der „Damen vom Maxim“ und des Stücks „Preciosa“ jeweils ausverkaufte Häuser verzeichnen konnte.

Mit dem Ende des 1. Weltkriegs waren auch die Zeiten unbeschwerter Festlichkeiten in der Rheinstadt vorbei, die ihre Garnison und Festungswerke eingebüßt hatte. Wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten während der Zeit der französischen Besatzung bestimmten den Alltag, auch in Germersheim, wo der Redakteur des „Tagblattes“ im Mai 1923, im Vorfeld des damaligen Pfingstmarktes, nachdenklich notierte: „Die Zeit ist wahrlich nicht dazu angetan, lärmende Messen zu feiern ... und trotzdem regt sich so etwas wie Freude auf das bunte Treiben“. Hatte vor dem Krieg eine Reitschulfahrt noch 3 Pfennige gekostet, und eine Zuckerstange einen Groschen, so waren es nun – im Zeichen der Inflation – bereits Tausender, die für diese kleinen Vergnügungen bezahlt werden mussten. „All die vielen Genüsse, die der Markt bietet, sind viel, viel teurer wie ehedem. Im Vergleich zum Vorjahr ist eine 200fache Verteuerung zu verzeichnen. Die Wünsche der Kinder und alles, was ein Kinderherz in solchen Tagen ersehnt, zu erfüllen, hat da für einen Familienvater seine Schwierigkeiten. Dazu wäre ein großer Geldbeutel notwendig.“

1935 wandert Pfingsmarkt auf Messplatz

Im Zuge der Schleifung der Festung entstand in den 20er Jahren der zwischen den Straßen „An Fronte Karl“, der Klosterstraße und „An der Stengelkaserne“ gelegene, heute indes vollständig überbaute „Meßplatz“. Dort wurde der Pfingstmarkt erstmals 1935, und danach für lange Jahre, veranstaltet. Nach dem 2. Weltkrieg dauerte es bis 1949, bis das Fest wieder auflebte und man an die Besucherrekorde der Vorkriegszeit nochmals anknüpfen konnte. Bei der Eröffnung des Pfingstmarktes im Jahr 1953 betonten die Veranstalter, dass eine neue Ära eingeleitet und der „Start zu einem neuen und hoffnungsfrohen Zeitalter Germersheimer Feste“ gegeben werden sollte. Damals zählten zu den Attraktionen ein Auftritt der „Speyerer Trachtenkapelle“ im Festzelt sowie der bekannte „Bellemer Heiner“, der am Dienstag mit seinem „unverwüstlichen Humor“ zum Ausklang des Festes beitrug. Für die damaligen Besucher besonders erwähnenswert waren neben Ständen, Buden und Karussells ein neuzeitlicher „Autoscooter“ mit der damals ernst gemeinten, heute allenfalls belächelten Aufschrift: „Benutzung für Betrunkene und Unanständige verboten“. Die RHEINPFALZ vermerkte: „Seit Jahren hat Germersheim sicher nicht mehr so viele Menschen in seinen Mauern gesehen wie an diesem Pfingstmarkt!.“

Mit der schrittweisen Bebauung des Messplatzes und des benachbarten Geländes Mitte der 60er Jahre musste der Pfingstmarkt verlegt werden. In jenen Jahren gab es noch einige unbebaute Flächen, so dass man auf dem Gelände des später erst befestigten „Tournuser Platzes“ gegenüber der Stadthalle ein „Ausweichquartier“ fand. Zudem wurden die Theobaldstraße und der Stadtgarten sowie ein Teil der Orffstraße miteinbezogen. Aus dem Jahr 1964 datiert eine Meldung, wonach der Pfingstmarkt erstmals auf dem „neuen Meßplatz“ vor der Stadthalle stattfand. 1967 meldete die RHEINPFALZ: „Zum Pfingstmarkt 1967 in Germersheim werden zahlreiche Schausteller mit ihren Fahr- und Verkaufsgeschäften auf dem neuen Messplatz an der Stadthalle Aufstellung nehmen. Mittelpunkt dürfte auch in diesem Jahr wieder das Festzelt sein, das am gewohnten Platz aufgebaut wurde. Während die Fahrgeschäfte überwiegend ihre alten Plätze einnehmen – unter ihnen zwei Kinderreitschulen –, ist der Autoscooter wieder Zentrum der vorderen Platzhälfte. Hinzu kommt ein „Twister“, ein neuzeitliches Fahrgeschäft, das bestimmt seine Freunde finden wird. ... Die Theobaldstraße wird wiederum zur „Basarstraße“ ausgebaut.“ 1968 profitierte man von der zwischenzeitlich fertiggestellten Eisenbahnbrücke über den Rhein, so dass allein der „Mittagszug von Philippsburg“ am Pfingstsonntag rund 150 Festbesucher über den Rhein brachte, während auch zahlreiche Gäste aus dem Badischen mit dem eigenen Auto per Rheinfähre anreisten.

Messplatz am Sportzentrum 1987 eingeweiht

Im Mai 1972 musste der Pfingstmarkt erneut „wandern“. Dieses Mal verlegte man ihn auf den Platz zwischen Orffstraße und Berufsschule. Das neuerliche Messplatz-Provisorium fand bei Schaustellern und Besuchern wegen der Nähe zur Innenstadt großen Anklang. Die Orffstraße wurde vorübergehend zur Verkaufsstraße, ebenso die Verlängerung der Schillerstraße (heute 17er Straße). Die großen Fahrgeschäfte befanden sich auf dem Platz vor der Berufsschule und auf dem damaligen Kinderspielplatz, wo auch das Festzelt aufgestellt wurde. In den folgenden Jahren verlegte man den Markt in die Zufahrtsstraße zum Sportzentrum Wrede, von wo er 1987 auf den neu angelegten heutigen Messplatz zog, der anlässlich der Eröffnung des Pfingstmarktes, am 5. Juni 1987 eingeweiht wurde, nachdem das zwei Hektar große Gelände von der Stadt für rund 1.4 Millionen DM „marktgerecht“ angelegt worden war.

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