Kreis Germersheim
Freitags Wochenmarkt fürs Bauernvolk
Wenn Kandel Jahr für Jahr seine Mai- und Oktobermärkte feiert ist das die Fortsetzung einer Jahrhunderte alten Tradition. Denn schließlich wurden die Kandeler Märkte schon im Jahr 1619 in einen Bericht des Landschreibers Atzenhofer an die herzogliche Verwaltung in Zweibücken erstmals erwähnt. Kandel kann demnach nicht nur das fünfhundertjährige Jubiläum des am 23. April 1519 geweihten Georgsturms, sondern auch die Ersterwähnung seiner Märkte vor 400 Jahren feiern.
Atzenhofer, der in Minfeld seinen Sitz hatte, scheibt in seinem Bericht über den Marktflecken Kandel folgendes: „Es hat drei feine Jahrmärkte, einen im Oktober, den ’Großen Freitag’ genannt, den anderen im Februar, den ’Weißen Freitag’ genannt und den dritten auf Georgi. Zudem noch einen Wochenmarkt auf dem Freitag, dem Bauernvolk wegen.“
Märkte in der Rathaushalle
Die Kandeler Märkte waren anscheinend so wichtig, dass auch in späteren Zeiten immer wieder auf sie hingewiesen wurde. So kann man lesen, dass nach Fertigstellung des Rathauses in dessen Eingangshalle „Frucht- und Krämermärkte“ abgehalten wurden. Aber auch in einem 1898 erschienen „Geographisch Historischen Handbuch von Bayern“, zu dem die Pfalz damals ja gehörte, erwähnte man die Kandeler „Kram-, Vieh- und Schweinemärkte“. Und in einem ungefähr zu gleicher Zeit gedruckten Lexikon heißt es unter dem Stichwort Kandel: „Der Handelsverkehr wird durch drei Jahrmärkte und einen alle vierzehn Tage stattfindenden Schweinemarkt gehoben.“
Ab 1834 finden Märkte sonntags statt
Da in dem Handbuch von 1898 noch drei Märkte erwähnt waren, muss der im Februar abgehaltene Jahrmarkt im frühen zwanzigsten Jahrhundert gestrichen worden sein. Im Jahr 1834 wurden in einer außerordentlichen Sitzung des „Schöffenraths“, so wurde damals der Gemeinderat genannt, die seither unter der Woche abgehaltenen Märkte auf einen Sonntag verlegt. Es geschah dies „im Interesse der gewerbetreibenden Einwohner „weil so die Märkte durch die Krämer und Nachbargemeinden mehr und in größerer Anzahl besucht werden“. Bei dieser Sitzung wurden auch für den Oktobermarkt und den in den Mai verlegten Georgimarkt die Termine festgelegt, die heute noch gelten. Im Jahr 1838 beschloss der „Schöffenrath“, dass die großen Märkte nicht mehr wie seither auf der Hauptstraße, sondern auf dem „Viehplatz“, damals ein Teil des heutigen Marktplatzes, abgehalten werden. Sehr zum Ärger der Kandeler Krämer, die eine Umsatzeinbuße befürchteten.
Fliegende Händler haben Tradition
Schon im zu Ende gehenden 18. Jahrhundert wurden, wie in alten Aufzeichnungen zu lesen ist, auf dem „Marckt“ unter anderem auch Kleidungsstücke sowie Kannen, Töpfe und sonstige Haushaltsgegenstände gekauft. Die fliegenden Händler, die heute an den Marktagen diese Waren anbieten, gab es also damals schon.
Sogar ein Riesenrad war da
Das erste Karussell wurde auf dem Kandeler Markt wohl im Jahre 1903 aufgebaut. Denn in diesem Jahr beriet der Gemeinderast erstmals, ob man einem Schausteller den Aufbau einer Reitschule, so die Kandeler Bezeichnung für ein Karussell, erlauben könne. Eine Autobahn, wie man die Autoscooter einst nannte, gab es in Kandel schon recht früh. Zumindest erinnern sich die älteren Kandeler, dass schon vor Kriegsbeginn und sogar in den ersten Kriegsjahren die „Boxautos“ gefahren sind. Dass aber in den 1970-er- oder 1980-er-Jahren neben dem St. Georgsturm auch mal ein Riesenrad aufgebaut war, ist heute fast vergessen.
Wie es heute auf den Kandeler Märkten zugeht, konnte man ja erst vor wenigen Wochen beim Maimarkt erleben.