Bellheim
Frage-Antwort-Spiel mit Bürgermeisterkandidaten
Heiß war es am Mittwochabend in der Bellheimer Festhalle, wo die vom Gewerbeverband veranstaltete etwa dreistündige Podiumsdiskussion stattfand. Das hatten aber nicht die beiden Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Bellheim, Gerald Job (FWG) und der von CDU und SPD unterstützte Rüdiger John (ÖDP) zu verantworten. Vielmehr war es dem heißen Sommer geschuldet.
Die von Gerhard Hatzenbühler moderierte Diskussion verlief hingegen sehr ruhig und sachlich, sowohl auf der Bühne, als auch im mit 150 bis 200 Leuten, voll besetzten Saal – überwiegend aktive und ehemalige Kommunalpolitiker sowie Parteimitglieder. Für die Atmosphäre hatte auch Hatzenbühler gesorgt, der anfangs die Spielregeln verdeutlichte.
Klare Regeln
„Jetzt kann sich jeder noch etwas zu trinken holen und sich von meiner Rede erholen“, sagte Hatzenbühler launig vor einer kurzen Pause, in der er die Fragen der Besucher sichtete und zu Themenblöcken zusammenfasste. Die letztlich 29 Fragen sollten beiden Kandidaten gestellt werden. Drei Minuten Zeit hatten sie jeweils, um zu antworten. Schnell war klar, dass der Zeitrahmen nicht ausreichen würde, um alle zu beantworten. Deshalb wurde nach Absprache mit den Kandidaten und unter dem Beifall des Publikums vereinbart, dass diese fünf Fragen ziehen.
Die größten Differenzen traten gleich zu Beginn zutage. Es ging ums Krisenmanagement der Verbandsgemeinde in der Corona-Zeit, um die Folgen von Energie- und Klimakrise sowie um den Katastrophenschutz, und was zu verbessert ist.
„Wir haben keins“, sagte John zum Krisenmanagement. Informationen an die Bevölkerung habe es in der Corona-Zeit kaum gegeben. Notfallpläne gebe es nicht. „Wir sind nicht vorbereitet.“ Das müsse sich schnell ändern, der Umgang mit den Ängsten der Menschen verbessert werden. Die Feuerwehr, der er angehöre, sei für normale Einsätze gut ausgestattet, nicht aber für größere Waldbrände.
Job sagte, dass es in der Corona-Zeit regelmäßige Besprechungen auf der Verwaltungsebene gegeben habe. Das Problem seien die oft kurzfristig eingetroffenen Vorgaben von Bund und Land gewesen, die es galt, schnellstmöglich umzusetzen. „Wir tun alles, um für eine optimale Ausstattung der Feuerwehr zu sorgen.“ Ein Planungsbüro sei derzeit dabei, ein Hochwasserschutzkonzept zu erstellen.
Verwaltung digitalisieren
Die Digitalisierung der Verwaltung ist unerlässlich, waren sich beide einig. Sie soll den Mitarbeitern Freiräume schaffen, etwa um mehr Zeit für die Beratung der Bürger zu haben. Das Personal im Rathaus müsse für die Bürger aber auch vor Ort ansprechbar sein, sagte Job. John pflichtete ihm bei und ergänzte, dass dies auch außerhalb der gewohnten Zeiten erfolgen könne.
„Wir brauchen das Schwimmbad“, sagte John und machte keinen Hehl daraus, dass das derzeit geschlossene Bellheimer Freibad nach seiner Sanierung wieder geöffnet werden muss. Er kann sich für dieses eine Teilüberdachung vorstellen, um es auch in der kalten Jahreszeit nutzen zu können. Job sprach sich ebenfalls für die Wiedereröffnung des Bades aus. Im Hinblick auf das jährliche Defizit von 300.000 Euro mahnte er zur Vorsicht bei Ausgabenausweitungen, auch wegen der sich abzeichnenden unsicheren Zeiten. Investitionen zur Daseinsvorsorge ja, aber mit Augenmaß, lautete sein Credo.
Darin, dass künftig verstärkt Energie gespart und bei Vorhaben auf die Auswirkungen auf die Umwelt geachtet werden muss, stimmen beide überein. John schwebt dafür eine Fachkraft vor, die Bürger in diesen Fragen berät. Laut Job ist die Stelle eines Klimabeauftragten ausgeschrieben.
Bus nach Zeiskam
Wichtig ist beiden der öffentliche Personennahverkehr, auch wenn der zunächst in der Zuständigkeit des Kreises liege und mit den Verkehrsverbünden abgestimmt werden müsse. Beide Kandidaten fordern eine Busverbindung von Bellheim nach Zeiskam. Ferner will Job das Bellheimer Baugebiet In den Dornen mit dem Ärztehaus ans Busnetz anbinden. John möchte, dass die Busabfahrtszeiten besser auf den Stadtbahnverkehr abgestimmt werden.
Steckbriefe
Eingangs konnten sich die Kandidaten vorstellen: Gerald Job, 54-jähriger verheirateter Vater von vier Kindern, ist Ortsbürgermeister von Ottersheim und Mitglied des Rats der Verbandsgemeinde, deren Erster Beigeordneter er seit 2014 ist. Zum Ehrenamt kam er über seine Funktion als Jugendwart des Tennisclubs. Beschäftigt ist er bei der AOK, bei der er verschiedene Führungsfunktionen ausgeübt hat. Seine Berufserfahrung und seine zahlreichen Kontakte, die er durch eine politische Tätigkeit zu diversen Behörden und Ministerien geknüpft habe, qualifizierten ihn für das Amt des Bürgermeisters, antwortete Job auf eine entsprechende Frage.
Rüdiger John ist verheirateter Vater von zwei Kindern. Geboren wurde der 44-jährige Berater von Unternehmen, die mit öffentlichem Personennahverkehr zu tun haben, in Rüsselsheim. Er hat an unterschiedlichen Orten Jura und fürs Lehramt studiert und an weiteren Orten berufliche Stationen absolviert. Seit 2006 lebt er in Bellheim, woher seine Frau stammt. John engagiert sich unter anderem bei der Feuerwehr und den mobilen Rettern und ist ehrenamtlicher Beigeordneter der Ortsgemeinde Bellheim. Er leitet seine Qualifikation fürs Bürgermeisteramt aus seiner schulischen, beruflichen und ehrenamtlichen Arbeit in unterschiedlichen Städten ab.
Die Bürgermeisterwahl findet am Sonntag, 11. September, statt, weil Dieter Adam (FWG) am Jahresende sein Amt vorzeitig niederlegen wird.