Wörth
Feuerwehren stehen vor großen Herausforderungen
Der Feuerwehrbedarfsplan sei ein schwieriges Thema, denn: „Die Umsetzung kostet viel Geld. Aber es ist nun mal eine gesetzliche Vorgabe“, sagte Michael Ufer, der das Werk für die Stadt Wörth erstellt hat. Ufer, ein ehemaliger Berufsfeuerwehrmann, hat bereits für einige Wehren die Bedarfspläne erstellt. Er hat viel Erfahrung in der Führung und Ausbildung von Feuerwehrleuten und bietet zudem Fachberatung zur Gefahrenabwehr bei internationalen Großveranstaltungen an. So war er beispielsweise an der Ausarbeitung für das Sicherheitskonzept für die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Kaiserslautern beteiligt.
Immer wenn in den vergangenen Jahren im Stadtrat über den Kauf von Fahrzeugen oder Ausrüstungsgegenständen für die Feuerwehren gesprochen wurde, gab es den Hinweis, dass es dringend einer umfassenden Feuerwehrbedarfsplanung bedürfe. Bürgermeister Steffen Weiß (FWG) wies in der Stadtratssitzung im Dezember darauf hin, dass es an diesem Abend lediglich um die Vorstellung des Planes gehe. Er solle nicht beschlossen werden, deshalb sei auch keine Diskussion erforderlich. Das werde in einer der nächsten Sitzungen nachgeholt. „Ab 2028 ist die Feuerwehrbedarfsplanung gesetzlich vorgeschrieben. Sie sind also früh dran und haben noch ein bisschen Zeit, darüber zu diskutieren“, sagte Ufer. In Zukunft müssen die Pläne alle fünf Jahre fortgeschrieben werden.
Zusätzliches Personal wird gebraucht
Allerdings gibt es nach Ansicht des Experten einige Aufgaben, die zügig angepackt werden sollten. Während es bei den Wehren in Büchelberg und Schaidt in Sachen Mannschaftsstärke und Alarmierungszeiten zufriedenstellend aussieht, gibt es bei den Wehren in den großen Ortsbezirken Wörth und Maximiliansau erhebliche Probleme. Die Feuerwehr-Verordnung des Landes schreibt vor, dass spätestens 10 Minuten nach der Alarmierung die ersten Einsatzkräfte – vorgesehen sind mindestens 8 Mann – am Ort des Geschehens sein müssen. Fünf Minuten später muss die Verstärkung eintreffen.
In Büchelberg liegt die Einsatzbereitschaft, die den Zustand von Personal und Technik definiert, um jederzeit schnell und effektiv Hilfe leisten zu können, bei durchschnittlich 60 Prozent. Laut Ufer ist das in Ordnung. Es gebe allerdings ein strukturelles Problem, weil auch die Bienwald-B9 zum Einsatzgebiet zählt. Da sei die Zeitvorgabe nicht immer einzuhalten. Außerdem sei die Löschwasserversorgung in Büchelberg nicht ausreichend, so Ufer.
In Maximiliansau liegt die Einsatzbereitschaft zu manchen Tageszeiten bei gerade einmal 25 Prozent – viel zu wenig. „Das liegt daran, dass viele Wehrangehörige auswärts arbeiten, sie stehen tagsüber nicht zur Verfügung“, so Ufer. Abends und am Wochenende sei das kein Problem. In Wörth sieht etwas besser aus, aber auch dort reicht an Werktagen das zur Verfügung stehende Personal bei Weitem nicht aus. Ufer empfiehlt, zusätzliche Männer und vor allem Frauen für den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr zu begeistern. „Es geht dabei vor allem um Personen, die im Ort beschäftigt sind oder im Homeoffice arbeiten“, erläuterte Ufer.
Weitere Drehleiter zu teuer
Zum Plan gehört auch eine lange Liste an Fahrzeugen, die in den nächsten Jahren beschafft werden müssen. Zum überwiegenden Teil geht es dabei um Ersatzbeschaffungen; es gibt aber auch zusätzlichen Bedarf, um die Wehren besser für den Ernstfall zu rüsten. Was aber aus Kostengründen nicht infrage kommt, ist eine zweite Drehleiter, obwohl diese eigentlich gebraucht würde. Die Kosten für eine Drehleiter bezifferte Ufer auf 1,2 Millionen Euro – Tendenz steigend. Die Stadt besitzt eine Drehleiter, diese steht in der Wache in Wörth. „Beim Blick auf Größe und Bebauung müsste auch in Maximiliansau eine Drehleiter stehen“, sagte Ufer. Die wäre aber nicht nur zu teuer, sondern könnte auch nicht untergestellt werden, ohne dass das Feuerwehrgerätehaus massiv erweitert würde.
Als Alternative schlug Ufer vor, dass die Drehleiter aus Wörth schneller zum Einsatz nach Maximiliansau kommen müsse. Dafür müssten die Alarmierungszeiten kürzer sein. „Erreichbar ist das etwa dadurch, dass die Wache immer besetzt ist, etwa durch zusätzliche hauptamtliche Stellen“, schlug Ufer vor. Er nannte Gerätewarte oder Einsatzplaner. „Die Einsatzplanung ist nebenberuflich heute kaum noch zu leisten.“ Denkbar sei auch, dass Feuerwehr-Angehörige ihren Homeoffice-Arbeitsplatz in der Wache einrichten würden.
Arbeitsplätze spielen auch bei einem anderen Problem eine Rolle, das dringend gelöst werden muss. „Im Industriegebiet Oberwald und im Hafen können die Alarmierungszeiten nicht eingehalten werden“, sagte Ufer. Weder durch die Feuerwehr Wörth noch durch eine andere Wehr in der Umgebung. Das sei zeitlich einfach nicht möglich. Einzige Lösung, die der Experte sieht, ist der Bau einer zusätzlichen Feuerwache im Industriegebiet. „Bei den Betrieben im Oberwald sind sicher auch Feuerwehrleute beschäftigt, die könnten im Ernstfall dann zu Einsatz kommen“, schlug Ufer vor.
Neues Rettungsboot für Feuerwehr Maximiliansau
Der Fachmann hatte noch einen weiteren Verbesserungsvorschlag. In diesem Fall ging es um die Rettungsboote, über die die Wehren in Wörth und Maximiliansau verfügen. Die Boote stehen auf Anhängern und müssen im Notfall erst zu Wasser gelassen werden. „Das dauert bis zu 15 Minuten, das ist zu lange“, betonte Ufer. Die Boote müssten permanent im Wasser sein, Ufer empfahl den Bau von Bootshallen.
Die Umsetzung des Feuerwehrbedarfsplans ist Zukunftsmusik, ganz konkret wurde es dann aber zum Ende der Stadtratssitzung. Einstimmig beschloss das Gremium die Ersatzbeschaffung eines Rettungsbootes für die Feuerwehreinheit Maximiliansau. Das Boot vom Typ RTB2 ersetzt das Exemplar aus dem Jahr 1996, das nur noch bedingt einsatztauglich ist. Die Gesamtkosten für den Kauf des Bootes inklusive eines Bootstrailers belaufen sich auf 148.000 Euro. Im Haushalt sind 120.000 Euro eingeplant. Vom Rat wurde Wehrleiter Jürgen Stephany gefragt, ob der Kauf eines Trailers für rund 6500 Euro erforderlich sei, schließlich habe man doch gerade erst erfahren, dass das Boot eigentlich durchgehend im Wasser bleiben soll. Ein Anhänger sei unerlässlich, so Stephany, „schließlich müssen wir das Boot zur Wartung oder zur Reparatur in die Werkstatt transportieren“.